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Drama Diabetes: Alle zehn Sekunden ein Todesfall

06.04.2008 | 18:05 |  CLAUDIA RICHTER (Die Presse)

Ein geeigneter Lebensstil kann den Ausbruch von Diabetes auch bei gefährdeten Personen verzögern oder sogar ganz verhindern. In der EU läuft dazu eine große Studie.

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Diabetes tötet – ungefähr alle zehn Sekunden gibt es einen Todesfall, dessen Ursache die Zuckerkrankheit ist. Sie tut zwar anfangs nicht weh, begünstigt aber a la longue Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Amputationen.

Die nächste Schreckensmeldung: Heute gibt es weltweit mehr als 250 Millionen Zuckerkranke und mindestens noch einmal so viele mit einer prädiabetischen Zucker-Stoffwechselstörung. Im Jahr 2025 sollen laut Weltgesundheitsorganisation bereits 400 Millionen Diabetiker auf unserem Erdball leben. Nicht genug damit: Die Menschen mit Typ-2-Diabetes (früher „Alters-Diabetes) werden immer jünger!


60 Prozent weniger Diabetiker

All das muss nicht sein! Der Ausbruch von Diabetes kann durch einen geeigneten Lebensstil hinausgeschoben oder sogar ganz verhindert werden – auch und gerade bei Risikopersonen. Studien in den USA und Finnland haben gezeigt: Unter den Probanden – alle sogenannte „Prä-Diabetiker“, also Menschen mit Glukose-Intoleranz, einer Vorstufe von Diabetes –, die ihre Lebensweise während der dreijährigen Studiendauer in Richtung Gesundheit änderten, waren nach Studien-Ende 60 Prozent weniger Zuckerkranke als bei jenen ohne Lebensstil-Intervention.

Dem Leiter der finnischen Studie, Prof. Dr. Jakko Tuomilehto, ist es gelungen, das europaweite Projekt DE-PLAN (Diabetes-Prävention durch Lebensstil-Veränderung) zu initiieren, das auf den eindrucksvollen Studienresultaten basiert. Eines der 25 teilnehmenden Zentren in 17 EU-Ländern ist ein Salzburger Trio aus Universitätsklinik für Innere Medizin I, Paracelsus Medizinische Privatuniversität und interfakultärem Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften der Uni Salzburg.

„Bei unserer Studie machen 155 Personen mit, 120 davon gehören der Interventions-Gruppe an“, erklärt der Salzburger Studienleiter Univ.-Doz. Dr. Bernhard Paulweber. Die fünf Ziele des auf zwei Jahre anberaumten Projekts: Gewichtsreduktion um mindestens fünf Prozent; vier Stunden Ausdauertraining pro Woche oder 30 Minuten pro Tag; Zufuhr von gesättigten Fetten unter zehn Prozent; Gesamtfett unter 30 Prozent; Ballaststoff-Zufuhr auf 30 Gramm pro Tag steigern. „Je mehr dieser Ziele erreicht werden, desto seltener kommt es auch bei Risikopersonen zum Ausbruch der Zuckerkrankheit“, weiß Paulweber.

Risikopersonen sind unter anderem jene mit einer Glukose-Intoleranz, die sich mittels eines verhältnismäßig aufwendigen Zucker-Belastungstests feststellen lässt. Paulweber: „Die Finnen haben einen Risiko-Score entwickelt und einen Fragebogen validiert, der eine ähnlich hohe Treffsicherheit hat wie der Zucker-Belastungstest.“ (Der Fragebogen ist unter www.de-plan.at unter Find Risk für jedermann einsichtbar).

Die Salzburger Studienteilnehmer wurden eingehend geschult und werden nun alle sechs Wochen mittels E-Mail zum Weitermachen motiviert und um Rückmeldung gebeten (zum Beispiel hinsichtlich Bauchumfang, aktuellem Gewicht etc). Paulweber: „Das Feedback der Teilnehmer ist übrigens sehr positiv.“


Gut, aber mitunter zu kompliziert

Ein Teil der Probanden ist mit der relativ neuen Polar-Aktivuhr AW 2000 ausgestattet, die den Kalorienverbrauch misst, jeden Schritt aufzeichnet und dabei erkennt, wie intensiv der Körper dabei wirklich gefordert wurde.

Paulweber: „Im Prinzip ist diese Uhr eine wirklich gute Sache, die tatsächlich zu mehr Bewegung motivieren kann. Das Problem ist nur: Während junge Menschen damit gut zu Rande kommen, sind Leute ab 60 mit der Technik manchmal überfordert. Für diese Generation müsste die Uhr einfacher werden.“


Risiko massiv gesunken

Ein weiteres Detail aus der Studie, deren erste offizielle Teilergebnisse Mitte bis Ende April zu erwarten sind: „Einzelberichten zufolge ist das Projekt sehr erfolgreich“, vermeldet Paulweber erfreut. So hätten einige Teilnehmer in den ersten sechs Monaten bereits zehn bis zwölf Kilo abgenommen, „die haben sich in ihren Stoffwechsel-Parametern extrem verbessert, ihr Diabetes-Risiko ist massiv abgesunken“.

www.de-plan.at
VERANSTALTUNG: Dem Zucker (k)eine Chance

Der 5. Wiener Diabetes-Tag findetam10. April im Wiener Rathaus statt (10.00 bis 18.00 Uhr; Eintritt frei). Motto: „Gib dem Zucker (k)eine Chance!“

Im Fokus der Veranstaltung stehen unter anderem Themen wie kindlicher Diabetes, die Vorstellung des Disease-Management-Programms, Diabetes-Prävention in Zusammenhang mit Fettleibigkeit.

Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Untersuchungsmöglichkeiten, Fragerunden mit renommierten Experten, Ernährungs- und Lebensstil-Beratung, Gewinnspiel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2008)

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1 Kommentare
Gast: validius
07.04.2008 23:36
0 0

de-plan.at

Bei einer Frage (zu hohe Blutfettwerte) einmal ja, einmal nein eingegeben- das Risiko von 1 von 25 auf 1 von 6 erhöht.

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