Ein schleichender Verfall der geistigen Funktionen, Beeinträchtigung selbst alltäglicher Tätigkeiten, Pflegebedürftigkeit und ein Hinwegdämmern in den Tod – das sind die unaufhaltsamen Folgen der Alzheimer-Krankheit. Eine Krankheit, die immer mehr Menschen betrifft. Denn Morbus Alzheimer ist eine Alterskrankheit. Und da die Menschen in rasanter Form immer älter werden, scheinen Demenz-Erkrankungen – allen voran Alzheimer – zahlenmäßig zu explodieren.
„Die Zeit drängt. Eine Lawine rollt auf uns zu und noch kann man sie nicht aufhalten, bestenfalls hinauszögern“, schreiben der Neurologe Univ.-Doz. Dr. Willibald Gerschlager, Oberarzt an der neurologischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Wien und der erfahrene Medizin-Journalist und Sachbuchautor Dr. Gert Baumgart in ihrem Buch „Alzheimer – Die Krankheit des Vergessens“.
Bis zum tragischen Ende
Während in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung unter Demenzen leidet, ist es bei den über 90-Jährigen schon ein Drittel. Bei den über 100-Jährigen erkranken mehr als die Hälfte an Alzheimer. Vor allem Frauen sind betroffen.
Vom Erkennen bis zum tragischen Ende liegen durchschnittlich sieben Jahre Lebenszeit. Je später die Krankheit ansetzt, desto kürzer dauert sie. Allerdings ist der individuelle Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich. So wurden Krankheitsverläufe von einer Dauer von 20 Jahren beobachtet, berichten die Autoren.
Die ersten Symptome machen sich in der Regel erst ab dem sechsten Lebensjahrzehnt bemerkbar. Die Krankheit verläuft schleichend und die Defizite fallen der Umgebung meist erst in einem etwas weiter fortgeschrittenen Stadium auf.
Wenig Hoffnung
In Labors in aller Welt wird intensiv nach Lösungen gesucht, aber noch gibt es für die Erkrankten und ihre Angehörigen wenig Hoffnung – man kann derzeit die Krankheit und ihre Symptome nur hinauszögern, nicht aber stoppen. Die Autoren berichten zwar von Forschungsansätzen mit neuen Therapien, man bekommt bei der Lektüre aber nicht das Gefühl vermittelt, als gäbe es allzu großen Grund zur Hoffnung, bald ein Mittel in Händen zu haben, das die Zerstörungen im Gehirn stoppen könnte.
Da Alzheimer also als unheilbar gilt, die Menschen immer älter werden und folglich die Krankheit und mit ihr die Pflegefälle drastisch ansteigen werden, dürfte sich künftig auch das Problem der Altenpflege weiter verschärfen.
Neben diesen gesellschaftspolitischen Aussichten liefert das Buch auch einen guten Überblick über die Krankheit an sich. Es schildert die Abläufe im Gehirn und die gesundheitlichen Auswirkungen von Alzheimer. Weitere Kapitel: Erkennung und Vorbeugung, Tipps für Angehörige und ein „Alzheimer-Knigge“. (th)
„Alzheimer – Die Krankheit des Vergessens“, Wilhelm Maudrich-Verlag, 170 Seiten, 19,90 €.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2008)















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