„Nur mit viel Glückt hat die Ärztin ihre Selbstmedikation gegen Schmerz überlebt“, schilderte Univ.-Prof. Dr. Eckhard Beubler vom Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie der medizinischen Universität Graz auf der Sommerakademie der Apothekerkammer.
Der beinahe tödliche Cocktail bestand aus Parkemed (zwei Wochen hindurch) und einem Aspirin (weil sie dennoch Kopfweh bekommen hatte). Beubler: „Auf Grund des Parkemeds hatte die Medizinerin bereits gastrointestinale Blutungen. Durch das Aspirin, das ja die Blutgerinnung hemmt, wäre die Ärztin dann fast verblutet.“
Zur tödlichen Mischung könne auch die gemeinsame Einnahme von Aspirin als Thrombose-Prophylaxe und Ibuprofen werden. „Nimmt man das Ibuprofen hingegen zwei Stunden später, gibt es keine Probleme.“
Es käme im Alltag immer wieder vor, kritisierte Beubler, dass Ärzte nicht wüssten, welche Substanzen in einem Arzneimittel enthalten seien. Und es käme auch immer wieder zu gefährlichen Arzneimittel-Interaktionen. Das Risiko dafür steige mit der Anzahl der Medikamente, die einer nimmt. „Ab sechs Arzneimitteln sprechen wir von Polypragmasie.“
Aufpassen beim Grapefruit-Saft
Medikamenten-Cocktails aber können gefährlich werden. Im Rahmen einer schwedischen Studie wurden von 11.000 Todesfällen 1574 nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und genau untersucht. Ergebnis: 49 dieser Patienten starben direkt an einer unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkung, 74 Prozent davon an inneren Blutungen. „Auf Österreich umgelegt, würde das bedeuten, dass hierzulande täglich sechs Menschen an einer solchen Nebenwirkung sterben“, betonte Beubler.
Aber auch Lebens- und Genussmittel beeinflussen die Wirkung eines Medikaments. So könne Paracetamol in Verbindung mit Alkohol zu Lebernekrosen (Nekrose = Gewebstod) führen oder Grapefruit-Saft die Wirkung vieler Medikamente verstärken und so gefährliche Nebenwirkungen verursachen. Kanadische Pharmakologen schreiben diesen negativen Aspekt neuerdings auch Orangen- und Apfelsaft zu.
Und letztlich können etliche Medikamente – darunter Antibiotika, Hormonpräparate, Appetitzügler, Psychopharmaka und die Antibaby-Pille – zu Schlafstörungen führen. Diese durch Schlafmittel zu beheben wäre mehr als kontraproduktiv.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2008)

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''Bleiben die Patienten auf der Strecke?'' Ein Gesundheitsgespräch mit ''Presse'' und Pharmig.















