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Darmkrebs ist so leicht verhinderbar

08.03.2009 | 18:33 |  CLAUDIA RICHTER (Die Presse)

Rechtzeitige Darm-Spiegelung könnte Darmkrebs zu 90 Prozent verhindern. Die Untersuchung ist heutzutage schmerzfrei und muss daher nicht mehr gefürchtet werden.

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Es ist schon bestechend, in welch hohem Ausmaß Darmkrebs verhinderbar wäre: nämlich zu 90 (!) Prozent. Faktum ist: In Österreich erkranken Jahr für Jahr 5000 Menschen an einem Kolonkarzinom, 50 Prozent, also 2500, sterben. Die allermeisten von ihnen könnten gerettet werden und ein fröhliches, gesundes Leben führen.

Dickdarmspiegelung (Koloskopie) heißt das rettende Wundermittel. Denn: Das Dickdarmkarzinom braucht viele Jahre – im Schnitt sieben bis zehn –, um zu wachsen. Es beginnt in den allermeisten Fällen mit gutartigen Darmpolypen, die – bei einer Koloskopie entdeckt – problemlos entfernt werden können.

 

Auf Nummer sicher gehen

Obwohl die Koloskopie seit 2005 in Österreich in die Vorsorgeuntersuchung integriert ist, nehmen sie nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung in Anspruch. Angst braucht man vor der Darmspiegelung keine mehr haben: Aus der einst unangenehmen Untersuchung ist mithilfe der Sedoanalgesie (einer Art sanften Kurzzeitnarkose, die einen in einen schlafähnlichen Zustand versetzt) eine unkomplizierte und schmerzfreie Untersuchung geworden. Zudem steht auch noch die virtuelle Koloskopie im Computertomografen zur Auswahl, bei der kein „Schlauch“ mehr eingeführt werden muss.

Wer auf Nummer sicher gehen will, achte darauf, dass ein Arzt oder Spital das „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ vorweisen kann. Dieses Gütesiegel soll eine qualitätsgesicherte Koloskopie garantieren, teilnehmende Mediziner und Institutionen verpflichten sich, bestimmte Leistungen für Patienten zu erbringen. Unter www.krebshilfe.net (ein kostenloser Service der Österreichischen Krebshilfe und der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie) kann man Koloskopiestellen mit Qualitätszertifikaten finden.

 

Essenslust stärkt Lebenskraft

Eine andere Präventions-Möglichkeit liegt in der Ernährung: Fettarm soll sie sein und reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Pflanzeninhaltsstoffen. Die Top-Lebensmittel mit der höchsten Antikrebswirkung sind in dem Buch „Essenslust stärkt Lebenskraft. Richtige Ernährung bei Darmkrebs“ aufgelistet. Mit diesem Buch wollen die Autoren Prof. Dr. Irene Kührer, Krebs- und Ernährungsmedizinerin am AKH Wien, und Ernährungsexpertin Elisabeth Fischer Darmkrebspatienten, aber auch Angehörigen, einen Leitfaden für gesunde und geschmackvolle Ernährung in die Hand geben. Denn verändertes Geschmacksempfinden, Appetitlosigkeit, Schluckstörungen und Erbrechen können dazu führen, dass Patienten die für sie so wichtigen Nährstoffe und Vitamine nicht ausreichend zu sich nehmen. Außerdem verhilft angepasstes Essen auch dazu, dass eine Krebstherapie besser vertragen wird.

„Es gibt zahlreiche Publikationen zu Krebs und Ernährung, aber die wenigsten richten sich an den Patienten selbst“, erwähnte Kührer bei der Präsentation ihres Buches, das auch informiert, welche Veränderungen im Körper durch Operation, Strahlen- und Chemotherapie auftreten können. Es gibt auch Infos zur Erkrankung, zu Therapien und möglichen Nebenwirkungen sowie Tipps fürs allgemeine Wohlbefinden und erprobte Strategien zur Selbsthilfe – beispielsweise Ratschläge, wie man Geschmacksveränderungen, die bei der Darmkrebstherapie häufig sind, am besten beikommt.

 

Menschlichkeit in der Medizin

Zudem gibt es jede Menge Kochrezepte, es werden Gerichte vorgestellt, die für Krebspatienten optimal zusammengestellt sind, hohe Nährstoffdichte haben und genügend Vitamine und Pflanzeninhaltsstoffe liefern, kurz: die Patienten Kraft geben und Lust aufs Essen machen. Und, dass das wirklich gut schmeckt, wurde bei der Buchpräsentation beim Haubenkoch Toni Mörwald in Wien bewiesen.

Ein anderes Buch wird beim 25.Treffen der Selbsthilfegruppe Darmkrebs am 20. März um 16 Uhr im Wiener Wilhelminenspital zur Sprache kommen. Dr. Klaus Bolzano, Facharzt für Innere Medizin und Autor des Buches „Kranke Medizin? Die Kunst, Arzt oder Patient zu sein“, hält einen Vortrag über „Arzt-Patient-Beziehung und Menschlichkeit in der Medizin“ – Themen, mit denen er sich auch im erwähnten Buch beschäftigt. Zu dieser Veranstaltung sind Patienten, Angehörige und Interessierte willkommen. Infos: Tel./Fax: 01/714 71 39, www.derdickdarm.org.

Übrigens: Auch ein gesunder Darm verdient das Beste, leistet er doch ständig Schwerarbeit und transportiert während eines durchschnittlichen Lebens mehr als 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit durch den Körper.

„Essenslust stärkt Lebenskraft. Richtige Ernährung bei Darmkrebs“, Ratgeber für Patienten und Angehörige, Kneipp-Verlag, 128 Seiten, 17,90 €.

„Kranke Medizin? Die Kunst, Arzt oder Patient zu sein“, Goldegg Verlag, 216 Seiten, 19,80 €.

www.darmkrebs.at

SCHAUEN UND LESEN

Veranstaltungen zur Darmkrebsvorsorge: Zum „Tag der Darmgesundheit“ wird in Innsbruck am 18. März und in Graz am 2. April geladen. Am 6. Juni findet der „1. Grazer Darmtag“ statt.

Infos: Österreichische Krebshilfe, ? 01/7966450, www.krebshilfe.net. Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, ? 01/53663-37 od. DW 42, www.oeggh.at.

Die Broschüren „Darmkrebsvorsorge“ und „Darmkrebs“ sind kostenlos bei der Österreichischen Krebshilfe erhältlich: service@krebshilfe.net.

Neues Buch: „Essenslust stärkt Lebenskraft. Richtige Ernährung bei Darmkrebs“, Kneipp-Verlag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2009)

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1 Kommentare
Birgit 68
24.06.2009 10:12
0 0

Verhinderung von Darmkrebs

durch Entfernung gutartiger Polypen, die man dann regelmäßig entfernen lassen gehen kann.

Wie schnell entwickelt sich denn so ein gutartiger Polyp? Kann man auch den irgendwie verhindern,
ohne sich gleich den ganzen Darm herausschneiden zu lassen?
Hat sich da schon einmal ein Arzt darüber Gedanken gemacht, erfährt man von der Diet auch schon bevor der Krebs ausgebrochen ist, auf Krankenschein, also vom untersuchenden Arzt? Denn das wäre dann ja mal eine echte Vorsorge! Oder bleibt die solange das Geheimnis weniger Insider bzw. der zahlenden Kundschaft vorbehalten?

Erst wenn solche Informationen in Zusammenhang mit der Vorsorgeuntersuchung, präventiv!, über die Krankenkasse zu erhalten sind, gilt das Argument: "Nur Maßnahmen, welche von der Krankenkasse übernommen werden, sind gut und brauchbar, die Komplementärmedizin ist überflüssig."

Ich bitte um Rückmeldung!

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