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Thailand: Der mit den Tigern lebt

06.06.2009 | 18:03 |  von TERESA SCHAUR (Die Presse)

Phra Acharn ist ein Mann der Extreme: Mit 26 besiegte er seine Leukämie mittels Meditation. Dann wurde er als „Tigermönch“ berühmt. Ein Schlüsselerlebnis war für Phra Acharn die Geburt des ersten Tigers im Kloster.

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Mit 26 Jahren bereitete sich Phra Acharn auf das Sterben vor. Diagnose: Leukämie. Prognose: sechs Monate. Die einzige Behandlung gab es im Ausland – und das war damals ein Ding der Unmöglichkeit. Also ging Phra Acharn in den Wald, um den Rest seines Lebens als Mönch zu verbringen. Als Erstes erklärte ihm sein Lehrmeister, wie man beim Sterben atmen muss. Als Zweites, was beim Sterben aus buddhistischer Sicht im Körper vor sich geht. Als er das verstanden hatte, begann Phra Acharn zu meditieren.

Das ist mehr als 30 Jahre her. Heute ist Phra Acharn eine Berühmtheit. Weltweit haben Medien über ihn und sein besonderes Kloster berichtet – das Kloster, in dem die Tiger leben. Aus aller Welt kommen Touristen, bis zu 200 am Tag. Selbst hat Phra Acharn sein Land noch nie verlassen. Doch jetzt ist er da, in Wien, um von Thailands Wissen und Kultur zu erzählen.

Ein Zweig zum Zähneputzen. Um elf Uhr vormittags sitzt er im Schneidersitz auf Bastmatten auf der Wiese des Campus im Alten AKH und isst Rambutan, eine thailändische Frucht, rot mit grünen Haaren. Vor ihm steht noch der Topf, mit dem er, ganz wie im thailändischen Klosteralltag, um Gaben für die einzige tägliche Mahlzeit gebeten hat. Nach dem Essen reinigt er seine Zähne mit einem Zweig, dann ist er bereit fürs Gespräch.

Als Kind wollte er immer der Beste sein, erzählt Phra Acharn. Aufgewachsen in einer armen Familie in Samut Prakan, südöstlich von Bangkok, blieb für das mittlere von neun Geschwistern aber wenig Aufmerksamkeit. Mit neun Jahren nahm ihn sein Onkel auf, ein kluger Mann, der ihn zur Schule schickte. Phra Acharn war ehrgeizig, Jahr um Jahr errang er Stipendien. Später ging er zur Uni, schloss in Politikwissenschaft ab. Dann kam die Leukämie.

Und mit ihr die Meditation. Er meditierte im Sitzen, im Gehen und im Stehen, er perfektionierte seine Konzentration. In der Meditation, sagt er, habe er verstanden, dass Körper und Seele zusammenarbeiten müssen. Wer sich zu sehr auf den Körper konzentriere und seine Seele vernachlässige, der habe ein Problem. Wie er. Ab da habe er gewusst, dass er nicht an Leukämie sterben würde. Zum Arzt ging er nie wieder.

Heilung durch Meditation? Diese Möglichkeit habe jeder, sagt Phra Acharn. „Jeder hat das Recht zu wählen. Man kann entweder nichts tun oder seine Krankheit überwinden.“ Eigentlich sei es ganz einfach. „Solange man atmet, ist man nicht tot. Man muss nur einatmen.“ Dass das alles dann doch nicht ganz so leicht ist, gesteht freilich auch er ein. „Natürlich kann man es den Menschen erklären. Viele hören auch zu, aber nicht alle verstehen es wirklich. Und noch weniger können es umsetzen.“

Einen Versuch sei es dennoch wert, meint Phra Acharn mit gelassener Heiterkeit: „Wer sich mit der Lehre Buddhas beschäftigt und trotzdem stirbt, geht glücklicher und zufriedener.“

Schwach, krank, den Tod vor Augen: In diesem Zustand war auch der erste Tiger, der zu ihm gebracht wurde. Schon zuvor hatten Tiere bei ihm Zuflucht gefunden. 1994 gründete Phra Acharn ein thailändisches Waldkloster, in dem die Mönche in der Abgeschiedenheit der Natur ihren Geist trainieren. Irgendwann brachten ihm die Dorfbewohner ein verletztes Huhn. Dann folgten Pfaue, später eine Wildschweinfamilie. Bald war das Kloster eine heilige Menagerie.

Das Tigerbaby und die Giftinjektion. Vor zehn Jahren kam dann das Tigerbaby. „Es war krank, wie ich“, sagt der Mann, der heute selbst „Tigermönch“ genannt wird. Wilderer hatten die Mutter des Tieres erschossen, das Kleine sollte getötet und ausgestopft werden, doch es überlebte die Giftinjektion und landete im Kloster. Die anderen Tiger kamen dann ganz wie von selbst.

Ein Schlüsselerlebnis war für Phra Acharn die Geburt des ersten Tigers im Kloster. Eines Morgens erschien ihm bei der Meditation ein Mann, der um Aufnahme bat. Als der Mönch ins Dorf ging, erfuhr er, dass derselbe Mann bei einem Autounfall gestorben war. Am selben Tag wurde der Tiger geboren. Phra Acharn ist überzeugt, dass er die Reinkarnation des Toten ist.

Heute leben 42 Tiger im Waldkloster. Längst hat der Mönch die Tiger gebeten, „mitzuhelfen, um ihr Futter zu verdienen“. Und er hat gelernt, mit ihnen zu kommunizieren. Angst hat er keine vor den Tigern – höchstens um sie. Deshalb baut Phra Acharn gerade ein großes Tigerrefugium. Um die Raubkatzen vor dem Aussterben zu bewahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2009)

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7 Kommentare
Gast: tamara
09.06.2009 11:05
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Mit Medidation

kann man vieles bewirken, aber sicher keine Massproduktion handzahmer TIGER:

Die Tierschutzorganisation Care for the Wild International verfasste einen Bericht, wonach alles ganz anders ist als es sein sollte und behauptet wird: Die Mönche betreiben illegale Tigerzucht und illegalen Tigerhandel. Die Tiger werden misshandelt, mit Steinen beworfen und mit Stöcken geschlagen, um sie gefügig zu machen, damit sie sich artig zusammen mit den Touristen fotografieren lassen. Dies soll das Ergebnis einer mehr als dreijährigen Beobachtung von Aktivisten der Organisation sein. Besonders angeprangert wird dabei auch, dass den Tigern auch der Urin ihrer Artgenossen ins Gesicht gespritzt wird, mit dem sie gewöhnlich ihr Revier markieren. Das sei, so ein Sprecher der Organisation, für die Tiger schlimmer als ein Faustschlag ins Gesicht. Außerdem bekämen sie nur gekochtes Hähnchenfleisch mit Tierfutter aus der Industrie vermischt. Dazu sagen die Mönche des Wats, dass sie dies machten um nicht den Blutdurst der Tiere zu wecken oder zu fördern. Doch hierdurch werden den Raubtieren wichtige Vitamine vorenthalten, die zusätzlich zu ihrer Lethargie beitragen.
300 Thai-Baht (ca. 6 Euro) kostet der Eintritt ins Kloster. Und wer 1.000 Thai-Baht (ca. 20 Euro) bezahlt, kann sich mit den Tigern fotografieren lassen – den Kopf des Tieres auf dem Schoß. Mehrere Hundert Besucher kommen pro Tag hierher. Der bisherige Besucher-Tagesrekord lag bei 880 Besuchern. Eine immense Einnahmequelle für das Kloster,

Antworten magda.d
09.06.2009 13:51
0 0

Re: Mit Medidation

Ich war letztes Jahr im Februar in dem Tigerkloster und die ganze Atmospäre dort hat den Eindruck erweckt, als ob die Tiger mit Schlafmittel vollgepumpt waren oder unter sonstigen (Drogen-) Einflüssen standen. Jedenfalls ist das Kloster eine reine Geldmaschinerie, Eintritt gibt es offiziell keinen aber ohne eine Spende von 300Baht kommt man nicht rein, die Tiere werden herumgeschoben und von den Mönchen weit und breit nichts zu sehen. Die Mitarbeiter sprechen alle möglichen Fremdsprachen und das ganze Fotografieren läuft wie am Fließband ab.

Gast: N.S.
08.06.2009 17:32
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Meditation heilt Leukämie

Ich bin jedenfalls dankbar für diesen Artikel und freue mich, dass auch die "respektable Presse" solche Beiträge bringt.

Wie an den bisherigen Kommentaren ersichtlich, spalten Artikel über Genesung auf andere als streng schulmedizinisch erklärbare Weise die Leserschaft jedoch in erbitterte Gegner und Befürworter. (Zuletzt auch so in der Nachtcafe Diskussion im WDR vor 10 Tagen)
Meiner Ansicht nach zu kurz greifen da die stets wiederholten Vorwürfe und gebetsmühlenartigen Unterstellungen. Welchen Anteil die Seele an Genesung haben kann, ist dermaßen umstritten, aber dass sie gar keinen haben soll, ist eigentlich kaum mehr zu behaupten. So viele Erfahrungs- und Erlebnisberichte sprechen eine andere Sprache. Ich empfehle den Zweiflern die Lektüre von Clemes Kuby "Unterwegs in die nächste Dimension" sowie wirklich allen das "Antikrebsbuch" von einem stark naturwissenschaftlich geprägten Menschen (Dr. David Servans Schreiber, der selber Arzt, Hirnforscher und Betroffener).
Wer einmal persönlich betroffen war, der ergänzt sehr sehr gerne schulmedizinische Therapie um seelisch wirkende Methoden. Nicht nur um alles zu unternehmen in der Mobilisierung gegen den Krebs, sondern auch um die Krise als gewisse Chance wahrzunehmen über die eigenen Lebensführung nachzudenken. Da kann keinem Menschen schaden, niemals und das nennt man Reflexion.

Enoch Root
07.06.2009 03:50
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Meditation heilt Leukämie

Der Autor des Artikels ist offenbar begeistert von diesem Tigermönch. Schön und gut, aber eine respektable Zeitung wie die Presse sollte doch fachlich korrekt bleiben, und berichten, dass Phra Acharn lediglich *behauptet*, seine Leukämie durch Meditation geheilt zu haben. Das weckt eine unerreichbare Hoffnung in tatsächlichen Leukämiekranken, die jeder Basis entbehrt. Es ist ein schöner Traum, und auch nett eingebettet in orientalische Mystik, aber nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Konsens schlicht und einfach nicht möglich. Wie skeptisch man auch persönlich der sogenannten "Schulmedizin" gegenübersteht, die wissenschaftliche Forschung beruft sich auf nachvollziehbare Fakten, nicht auf thailändische Märchen. Der Tigermönch hat nicht Leukämie durch Meditation geheilt, er behauptet es lediglich, das ist alles.

Antworten Gast: dhamma
07.06.2009 21:47
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Re: Meditation heilt Leukämie

und warum lebt er dann noch - Fehldiagnose? ist auch egal.
haben Sie selbst schon einmal meditiert? ich meiner unter Anleitung und am besten 10 od. 20 Tage am Stück - ohne Ablenkung.
Aber was nicht in irgendeinem Fachmagazin steht glauben Sie vermutlich sowieso nicht. Ganz ehrlich - selber schuld.
:-)

Antworten Antworten Gast: xxx
09.06.2009 11:14
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Re: Re: Meditation heilt Leukämie

wenn die erzähung so wahr ist, wie der schmäh mit den tigern, so darf man auch sehr zweifeln!

Antworten Gast: medizinmann
07.06.2009 08:40
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Re: Meditation heilt Leukämie

Ihr Kommentar ist das beste Beispiel dafür, wie fundamentalistisch manche Menschen sein können. Sie bewerten etwas, das Sie nicht kennen bzw. diesen Mönch. Warum sollte er lügen? Dazu wäre er nicht buddhistischer Mönch geworden. Er betont auch, dass nur wenige Menschen sich auf diese Weise heilen könnten und allein die Beschäftigung mit dem Buddhismus für sie positiv wäre, egal, ob sie dadurch überlebten oder nicht.
Klingt nicht gerade so, als würde damit Geschäfte machen wollen.
Hier finden Sie mehr über ihn:
http://www.youtube.com/watch?v=Bd3XlriI6EA

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