Sonne, Wind, Wasser – die Haut hat im Sommer eine anstrengende Zeit durchzumachen. Sonnengebräunte Haut zählt zwar nach wie vor zu den Attributen guten Aussehens, aber hat die Sonne sie nicht auch rau, trocken, fleckig gemacht, sind nicht mehr Muttermale aufgetreten? Übermäßiges Sonnenbaden trägt nicht nur zur Alterung der Haut bei, sondern ist auch der stärkste Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Die durch UV-Bestrahlung verursachten DNA-Schäden entstehen schon lange vor einem Sonnenbrand.
Verdächtige Veränderungen
„Nach dem Sommer soll die Haut deshalb einer genauen Kontrolle unterzogen werden, ob verdächtige Veränderungen aufgetreten sind“, fordert Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Hautabteilung im SMZ-Ost. Damit kann man selbst vor dem Spiegel beginnen, vor allem die „Sonnenterrassen“ im Gesicht, Nase, Stirn, Backenpartien, aber auch (bei schütterem Haar oder Glatze) die Kopfhaut können betroffen sein. „Kleine raue, rötliche Flecken, schuppige Erhebungen sollen unbedingt dem Dermatologen gezeigt werden, es könnte sich bereits um eine Krebsvorstufe, den „hellen“ Hautkrebs, handeln“, warnt die Dermatologin.
Fast jeder Zweite über 70
Wie aus den Zahlen des im Frühjahr in Wien abgehaltenen Hautkrebs-Weltkongresses hervorgeht, sind bösartige Tumore der Haut mittlerweile die häufigste Krebsform des Menschen. Besonders verbreitet ist der „helle“ Hautkrebs, die aktinische Keratose, die fast jeder Zweite über 70 aufweist. Den Betroffenen ist allerdings nicht bewusst, dass es sich dabei keineswegs um eine harmlose Alterserscheinung handelt, sondern um ein Frühstadium von Hautkrebs, der in die Tiefe wachsen und sich zu einem Hautkarzinom entwickeln kann. Die gefährlichste Form des Hautkrebses ist aber das Melanom, etwa 400 Patienten sterben jährlich in Österreich daran.
„Eigentlich dürfte heute kein Mensch mehr an Hautkrebs sterben, denn alle Formen können in einem sehr frühen Stadium erkannt und behandelt werden“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Vorstand der Universitäts-Hautklinik Wien, auf dem Hautkrebs-Weltkongress. Früherkennung ist daher das A und O der Krebsvorsorge.
Volc-Platzer, auch Präsidentin der Österreichischen Dermatologischen Gesellschaft, fordert daher noch mehr Aufklärung der Bevölkerung. Und dazu gehöre auch, dass zweimal im Jahr beim Dermatologen eine Ganzkörperkontrolle durchgeführt wird. Einmal im Mai, wobei je nach Hauttyp auch Ratschläge für Sonnenschutz gegeben werden, und einmal im September, um verdächtige Veränderungen festzustellen. „Auch Kinder mit vielen Muttermalen sollen von den Eltern und vom Dermatologen untersucht werden. Jüngsten Studien zufolge können auch sie, selten aber doch, Melanome aufweisen.“
Hohe Heilungschancen
Die gute Nachricht von Prof. Pehamberger: „Wenn ein Melanom rechtzeitig erkannt wird, kann es zu 96 bis 99 Prozent geheilt werden. In späteren Stadien sinken die Überlebenschancen drastisch, obwohl neue, zielgerichtete Therapien an der Wiener Hautklinik entwickelt werden, darunter Gentherapie, Immuntherapie, monoklonare Antikörper, Stammzelltherapie, Unterbindung der Blutversorgung des Tumors, auch an einer Impfung wird gearbeitet.“
Auch der „helle“ Hautkrebs ist keineswegs zu unterschätzen und muss behandelt werden. Neben chirurgischen Eingriffen gibt es neue, lokale Behandlungsmethoden. Besonders erfolgreich erweist sich die Cremetherapie mit dem Immunmodulator Imiquimod. Ein wichtiger Vorteil der Cremetherapie liegt darin, dass auch größere Hautflächen behandelt werden können, die in der Umgebung des Hautkrebs bereits genetisch verändert, aber noch nicht auffällig sind.
Braucht besonders viel Pflege
Nach dem Sommer braucht die Haut viel Pflege. „Dafür steht eine reiche Auswahl von Präparaten zur Verfügung, die teilweise auch Reparaturenzyme und Vitamin E und C enthalten: Lotions, Gels, Emulsionen, Duschöle. Nicht zu empfehlen ist Fettcreme. Auch Solarien sollten nicht benutzt werden, die Haut braucht jetzt eine Ruhepause“, rät Volc-Platzer. Nicht zu vergessen sind auch die Nägel, sie sollten mit Nagelcreme gepflegt werden, und das Haar soll jetzt nicht gefärbt, sondern mild und nicht zu oft gewaschen werden.
■Hautkrebs ist zur häufigsten Tumorart des Menschen geworden. Rechtzeitig erkannt ist auch die gefährlichste Form, das Melanom, in bis zu 99 Prozent der Fälle heilbar.
■Dennoch sterben in Österreich jährlich etwa 400 Menschen an einem Melanom. Wichtig: im September zur Ganzkörperkontrolle zu einem Dermatologen gehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2009)

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''Bleiben die Patienten auf der Strecke?''Ein Gesundheitsgespräch mit ''Presse'' und Pharmig.














