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Bisphenol A in Babyschnuller löst sich mit Speichel

15.10.2009 | 15:21 |   (DiePresse.com)

Die hormonell wirksame Substanz ist nicht nur im Plastikteil der Schnuller enthalten, sie löst sich auch im Speichel, warnt Global 2000. Die Chemikalie könne in das Hormonsystem von Kindern eingreifen.

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Bisphenol A (BPA) ist nicht nur im Material von Babyschnullern zu finden, es löst sich auch im Speichel. Die hormonell wirksame Substanz kann so in den Organismus gelangen. Das sind die am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentierten Ergebnisse von mehreren von Global 2000 beauftragten Studien. Vertreter der Umweltorganisation appellierten an Hersteller, Handel und Behörden, den Missstand unverzüglich abzustellen. Andreas Lischka, Vorstand der Kinderklinik Glanzing, sieht angesichts der Ergebnisse ebenfalls dringenden Handlungsbedarf.

Bereits vor zwei Wochen hat Helmut Burtscher von Global 2000 Details der von einem unabhängigen Labor durchgeführten Untersuchung präsentiert. Demnach fanden sich in allen von zehn getesteten Schnullern mehr oder weniger hohe Werte von BPA in den Schnullern. Die Hersteller hatten in Reaktionen mögliche Gesundheitsgefährdungen durch ihre Schnuller zurückgewiesen, zumal der Gesamtgehalt von BPA im Material keine Aussagen zulasse, inwieweit die Substanz aus dem Plastik austreten könne.

In speichelähnliche Salzlösung gelegt

Dieses Argument sieht Burtscher durch die nun präsentierte Zusatzuntersuchung widerlegt. Dabei wurden sechs der Schnuller unter kontrollierten Bedingungen im Labor für eine Stunde in eine speichelähnliche Salzlösung gelegt und diese anschließend - als sogenanntes Eluat - auf den Gehalt an BPA analysiert.

Die Ergebnisse sind für Burtscher eindeutig: Die Substanz findet sich nicht nur in den Schnullern selbst, sie geht auch in Lösung. "Dabei sind die Bedingungen im Labor eigentlich noch viel milder als in einem Babymund", so der Global-Chemiker. Ein Kind würde den Schnuller nicht nur in den Mund stecken, sondern auch noch mehr oder weniger heftig daran saugen und darauf herumkauen.

Wie schon in der vorigen Untersuchung stellte sich ein Schnuller namens "MAM" als der unbedenklichste heraus. Im Labor konnte nur für dieses eine Produkt kein BPA in der Lösung nachgewiesen werden, wobei die Nachweisgrenze bei 0,1 Mikrogramm pro Liter lag. Bei allen anderen Schnullern ging ein Teil der Substanz in Lösung, sie enthielt zwischen 0,18 und 9,57 Mikrogramm pro Liter.

Für die Experten überraschend war der Umstand, dass ein zuvoriges Auskochen des Schnullers - wie von den Herstellung vor der ersten Verwendung empfohlen - das Einwandern von BPA vom Schnuller in die künstliche Speichellösung merkbar erhöhte. "Ich vermute, dass durch das Kochen die Porosität des Materials verändert wird", so Burtscher.

Greift in Hormonsystem ein

BPA ist laut Global ein Stoff, der in das Hormonsystem von Menschen und Tieren eingreift und daher schon in geringsten Dosen schädliche Wirkungen haben kann. Laut Studien könnten derartige Hormonstörungen etwa zu verfrühter Geschlechtsreife bei Mädchen, einer Zunahme von Fettleibigkeit bei Erwachsenen und Jugendlichen, verringerter Fruchtbarkeit bei Männern und zu Krankheiten bis zu Krebs führen. Kinder seien dabei besonders gefährdet.

BPA ist ein Rohstoff für die Herstellung von Polycarbonat, einem häufig eingesetzten Kunststoff etwa in der Verpackungsindustrie, aber auch für Babyprodukte. Laut der Umweltorganisation beträgt der weltweite Verbrauch an BPA eine Million Tonnen pro Jahr.

Die Vertreter von Global 2000 fordern daher, Polycarbonat zuallererst für Kinderprodukte wie Spielzeug oder Sauger zu verbannen. Auch für Getränkeflaschen oder Lebensmittelverpackungen gebe es Alternativen. Lischka warnte davor, angesichts der Studienergebnisse "Grenzwertdiskussionen" vom Zaun zu brechen. Wir sollten Kinder "vor vermeidbarem Risiko schützen", die Prävention sollte Vorrang haben. Der Mediziner gilt als Pionier der Verbannung von PVC und den darin enthaltenen Weichmachern in Krankenhäusern, speziell auf Stationen für Frühgeborene.

Nuk steigt auf BPA-freien Kunststoff um

Als erster der betroffenen Schnullerhersteller hat die Firma Nuk reagiert: Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, dass ein Produkt der Firma die bedenkliche Substanz Bisphenol A (BPA) enthalte und diese auch über den Speichel in den Organismus gelangen könne. Nuk zweifelt in einer Aussendung das Ergebnis an und legte ein Gegengutachten vor. Gleichzeitig kündigt die Firma an, dass man für die betroffenen Babyschnuller auf einen BPA-freien Kunststoff wechsle. Zukünftig würden alle BPA-freien Nuk Schnuller vor der Auslieferung als "BPA-free" gekennzeichnet.

(APA)

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11 Kommentare
Gast: Petra
17.11.2009 14:37
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Es geht auch anders...

Für mich ist es vorallem so unvorstellbar, weil es ja auch Schnuller und Flaschen ohne BPA gibt! Warum also ein Risiko eingehen, wenn es auch anders geht? Wenn sich alle Eltern daran halten, wird es bald keine BPA verseuchten Schnuller mehr in unseren Regalen geben. Die Politik hing ja wie immer hinterher.

Gast: Pete
17.11.2009 09:31
0 0

Bisphenol-A

Die hormonaktiven Stoffe, wie Bisphenol-A, sind in allen Plastikgegenständen enthalten, die aus Polycarbonat gemacht sind. Sie findet sich in sehr vielen Alltagsdingen: nicht nur in Babyflaschen, sondern auch in Lebensmittelverpackungen, in CDs und und sogar in Zahnfüllungen. Jährlich werden mehr als drei Mio. Tonnen davon hergestellt!
Und nicht nur die Kinder tragen Schäden davon. Das Bisphenol-A kann bei Männern zu Erektionsstörungen und anderen sexuellen Problemen führen. Da fragt man sich doch: warum hält die Industrie trotzdem an dem Zeug fest?!?

Gast: Trixie
29.10.2009 11:52
0 0

Finger weg von verseuchten Schnullern

Die Glaubwürdigkeit manch eines Herstellers will ich doch echt bezweifeln. Die nehmen das Zeug überall da raus aus ihren Produkten, wo es gesetzlich verboten ist, aber in Deutschland zum Beispiel lassen sie es so lange drin, bis die Käufer endlich reagieren. Ich kaufe nur BPA-freie Schnuller, ob nun eine Gesundheitsgefährdung besteht oder nicht. So lange man das nicht weiß, ist es doch wohl besser für die Kinder, wenn wir als Eltern darauf verzichten!

Gast: Vater
28.10.2009 15:50
0 0

BPA Schnuller aus den Verkaufsregalen

Genauso wie Mum bin ich zuallererst total geschockt!
Das Thema hat auf höheren Ebenen noch nicht genug Gehör gefunden und die mit BPA vergifteten Schnullis werden fleißig weiter verkauft. In anderen Ländern wurden die BPA Schnullis ja zumindestens vom Verkauf ausgeschlossen. Das wäre doch ein erster Schritt!
Jeder noch so kleine Gefahr für unsere Kinder sollte doch verhindert werden!!!

Gast: Mum
27.10.2009 22:48
0 0

Hormon-Schnuller

Unfassbar! Warum sind Hormone wie Bisphenol a in Babyprodukten in Deutschland nicht generell verboten?!? Es ist doch unglaublich, dass es wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt und alles, was danach passiert, ist, dass die Schnuller-Hersteller die Untersuchung in Frage stellen!

Antworten Gast: Neo
28.10.2009 11:58
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Re: Hormon-Schnuller

Wo sind diese so "anerkannten" Studien, bitte um Präsentation selbiger die auch unter seriösen Wissenschaftlern akzeptiert werden.

Bisphenol ist kein Hormon.


Antworten Gast: Gast
28.10.2009 15:10
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Re: Mythos und Fakten

Bei der zuvor angeführten Seite ist bei "Über uns" folgendes zu lesen:

"This site has been created and developed by the Polycarbonate/Bisphenol A (BPA) group of the industry association PlasticsEurope. ..."

Ein Schelm wer hier böses oder an Lobbyarbeit denkt :-)

Ob die auf dieser Seite aufgestellten Myten und Fakten auf unabhängigen und glaubwürdigen Studien bzw. Annahmen zurückzuführen sind, möge jeder für sich entscheiden.


Gast: Kriterios
15.10.2009 20:35
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...

Panik-Mache im Dunstkreis eines Films. Mehr ist das mit Bisphenol-A nicht.

Übrigens: PVC erlebt weltweit eine Renaissance, nachdem das Wiederverwertungsproblem gelöst wurde. Nur in Österreich dauert alles etwas länger, vielleicht weiß man hierzulande irgendwann so ab 2020, dass man PVC getrost verwenden kann, sei es als Fussboden, als Regenmantel, was auch immer.
Mich kot**n diese selbsternannten Umwelt- und Menschenretter an.

Jetzt spielen diese Retter der Menschheit einfach mal die Baby-Karte aus, sind zwar die kleinsten und niedlichsten, versachlicht deswegen aber auch nicht mehr.

Antworten Gast: gast
16.10.2009 16:09
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Re: ...

was bist denn du für einer? Arbeitet du in der Kunststoffverarbeitung oder verstehst du das Problem aus anderen Gründen nicht?

Kunststoff IST ein riesenroßes Problem (Gesundheit, Umwelt). Und zwar generell und nicht nur in Bezug auf BPA!

Antworten Gast: D0r9
16.10.2009 02:26
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Re: ...

Dieses Gift kann sehr starke Hormonstörungen bei Kindern hervorrufen... noch nicht gelesen Mr. Kriterios? also ich würde tochter/sohn nie an sowas nuckeln lassen...
beste grüsse und schicke gleich bissl umwelt und verantwortungsgefühlf mit

Schlagzeilen Gesundheit