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In den USA geht die Lebenserwartung zurück

08.10.2010 | 17:09 |   (DiePresse.com)

Die Ausgaben sind hoch, die Lebenserwartung sinkt trotzdem. Forscher nehmen das amerikanische Gesundheitssystem ins Visier.

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Die USA fallen in Sachen Lebenserwartung im internationalen Vergleich mit anderen Industriestaaten - darunter auch Österreich - weiter zurück, konstatiert eine Studie der "Columbia University's Mailman School of Public Health". Die oft vermuteten Ursachen für diese Entwicklung - Übergewicht und Rauchen - konnten die Wissenschaftler ausschließen. Stattdessen wird das Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten als Grund für die Entwicklung vermutet.

Schlusslicht sind "weiße Frauen"

Die Forscher haben die 15-Jahre-Überlebensraten von 45- und 65-jährigen Männern und Frauen untersucht, d.h. die Wahrscheinlichkeiten, mit denen Menschen betreffenden Alters die folgenden eineinhalb Jahrzehnte überleben. Es zeigte sich, dass die USA im Beobachtungszeitraum zwischen 1975 und 2005 im Vergleich mit zwölf anderen Nationen zurückgefallen sind. Bei der Gruppe "weiße Frauen" landeten die USA bezüglich der Lebenserwartung sogar an letzter Stelle; und das, obwohl die Ausgaben für Gesundheit in den Vereinigten Staaten mit Abstand am höchsten sind.

Das Leben hat seinen Preis

Im Jahr 1975 betrugen die Gesundheitsausgaben in den USA pro Kopf und Jahr durchschnittlich rund 1500 Dollar. Die Wahrscheinlichkeit für eine 45-jährige amerikanische Frau, die nächsten 15 Jahre zu überleben, lag damals unter 92 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich betrugen damals die Gesundheitsaufwendungen pro Kopf und Jahr rund 1000 Dollar und die 45-jährigen Österreicherinnen hatten eine Überlebenswahrscheinlichkeit von über 93 Prozent. An der Spitze fand sich die Schweiz mit knapp 95 Prozent.

Österreich lag im Mittelfeld

2005 gaben die Amerikaner pro Kopf zwischen 5000 und 6000 Dollar pro Jahr aus, die Überlebenswahrscheinlichkeit für die 45-jährigen Frauen ist auf zwischen 94 und 95 Prozent gestiegen. Für Österreich weist die Studie an Vergleichswerten knapp über 3000 Dollar bzw. einen Prozentsatz zwischen 96 und 97 Prozent aus, womit das Land im Mittelfeld der verglichenen Staaten liegt. 2005 lag Japan bei der Überlebenswahrscheinlichkeit von knapp 98 Prozent an der Spitze und das trotz relativ geringer Gesundheitsausgaben von knapp über 2000 Dollar.

Gesundheitssystem ist mangelhaft

Bei der Suche nach Ursachen konnten die Studienautoren die Faktoren Übergewicht und Rauchen ausschließen. Die USA hätten zwar eine hohe Rate an Fettleibigkeit, dieser Umstand sei allerdings auch 1975 schon zu bemängeln gewesen und die Vergleichsstaaten hätten diesbezüglich eher aufgeschlossen. Bezüglich Rauchen haben die USA eine stärkere Abnahme der Tabaksüchtigen als die anderen Länder. Auch Verkehrsunfälle und Verbrechen fallen als Erklärung aus.

Die Experten nehmen daher an, dass die Besonderheiten des amerikanischen Gesundheitssystem mit seiner Zersplitterung die Ursache für die Entwicklung darstellt. Es sei nicht zu akzeptieren, dass die Menschen trotz der hohen Kosten so wenig Nutzen hätten.

(APA)

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6 Kommentare
Austriak
22.10.2010 16:35
0 0

Und bald auch in Europa

Nahrungsmittelunternehmen geben eine Milliarde aus, um Warnhinweise auf Verpackungen zu verhindern.

Die Lebensmittelindustrie hat für ihre erfolgreiche Kampagne, eine EU-weite »Ampel«-Kennzeichnungspflicht zu verhindern, etwa eine Milliarde Euro ausgegeben. Diese Kennzeichnung hätte es den Konsumenten leicht gemacht, zwischen gesunden und weniger gesunden Nahrungsmitteln zu unterscheiden.

Weil sie fürchtete, eine solche Kennzeichnung könnte die Verbraucher dazu bewegen, auf stark zuckerhaltige Getränke, gesalzenes Knabberzeug und andere bedenklichere Nahrungsmittel zu verzichten, wenn auf den Verpackungen dieser Nahrungsmittel die roten Ampeln deutlich überwiegen, gab die Nahrungsmittelindustrie für ihre Lobbyarbeit im Europäischen Parlament mehr als eine Milliarde Euro aus, damit dieser Vorschlag im Parlament keine Mehrheit findet. Bereits zuvor war der Industrielobby gelungen, den Umweltausschuss zu gewinnen, das Vorhaben mit einer knappen Mehrheit von 32 zu 30 Stimmen abzulehnen.

Aber stattdessen übernahm das Parlament eine an die Vorschläge der Industrie angelehnte Kennzeichnungspflicht, nach der der Anteil an Kalorien, gesättigten Fetten, Kohlenhydraten, Zucker und Salz pro 100 Milliliter bzw. 100 Milligramm angegeben und mit dem täglich empfohlenen Bedarf oder einer oft unrealistischen Portionsgröße verglichen wird.

Gast: Vergelter-Bioniker
12.10.2010 00:24
0 0

Zusammenbruch USA

Die Nachrichten könnten gar nicht besser sein! Die USA erleben einen ähnlichen Zusammenbruch, wie die ehemalige UdSSR. Nur die US-Amerikaner, die sich ökologisch verhalten, werden überleben.

Gast: GEEEGE
11.10.2010 16:37
1 0

privatisiertes gesundheitswesen

eh klar, dies ist eine deutliche entwicklung der totalen privatisierung des us-gesundheitssystems. die folgen sind exorbitante kosten und schlechte leistungen - gewinnen tun da nur die ärzte, krankenhausbetreiber und pharmakonzerne. dass die amis trotzdem mehrheitlich gegen die gesundheitsreform von obama sind, zeigt wie verdummt die dortige gesellschaft bereits geworden ist.

Merlin
10.10.2010 19:07
0 0

Kein Wunder

Wenn weiße Frauen auch, wie früher "am Bauernhof", wieder richtig arbeiten, dann geht ihr Vorsprung von 7 Jahren an Lebenserwartung gegenüber den Männern klarerweise zurück. Und dann ist es wieder so wie es die meiste Zeit auch war.

Gast: sdfg
09.10.2010 10:43
1 0

Falsche Überschrift

In der Überschrift steht, dass die Lebenserwartung zurückgeht. So ein Schmarrn. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist gestiegen, von 92 auf 94%, damit auch die Lebenserwartung. Aber die Platzierung ist gesunken.

2 0

Die wichtigste Frage haben sie natürlich erst gar nicht gestellt.

Das "amerikanischen Gesundheitssystem mit seiner Zersplitterung" wird wohl eher nicht die Ursache sein, denn sonst würde es nicht gerade bei den weißen Frauen am schlechtesten stehen. Ich frage mich, warum nicht untersucht wurde, wie viele Medikamente die Vergleichsgruppen im Schnitt eingenommen haben. Die Amerikaner sind ja dafür bekannt, dass sie massig einwerfen. Oder darf diese Frage nicht gestellt werden, weil dies die Geschäfte mancher Kreise stören könnte? ;-)

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