Die USA fallen in Sachen Lebenserwartung im internationalen Vergleich mit anderen Industriestaaten - darunter auch Österreich - weiter zurück, konstatiert eine Studie der "Columbia University's Mailman School of Public Health". Die oft vermuteten Ursachen für diese Entwicklung - Übergewicht und Rauchen - konnten die Wissenschaftler ausschließen. Stattdessen wird das Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten als Grund für die Entwicklung vermutet.
Schlusslicht sind "weiße Frauen"
Die Forscher haben die 15-Jahre-Überlebensraten von 45- und 65-jährigen Männern und Frauen untersucht, d.h. die Wahrscheinlichkeiten, mit denen Menschen betreffenden Alters die folgenden eineinhalb Jahrzehnte überleben. Es zeigte sich, dass die USA im Beobachtungszeitraum zwischen 1975 und 2005 im Vergleich mit zwölf anderen Nationen zurückgefallen sind. Bei der Gruppe "weiße Frauen" landeten die USA bezüglich der Lebenserwartung sogar an letzter Stelle; und das, obwohl die Ausgaben für Gesundheit in den Vereinigten Staaten mit Abstand am höchsten sind.
Das Leben hat seinen Preis
Im Jahr 1975 betrugen die Gesundheitsausgaben in den USA pro Kopf und Jahr durchschnittlich rund 1500 Dollar. Die Wahrscheinlichkeit für eine 45-jährige amerikanische Frau, die nächsten 15 Jahre zu überleben, lag damals unter 92 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich betrugen damals die Gesundheitsaufwendungen pro Kopf und Jahr rund 1000 Dollar und die 45-jährigen Österreicherinnen hatten eine Überlebenswahrscheinlichkeit von über 93 Prozent. An der Spitze fand sich die Schweiz mit knapp 95 Prozent.
Österreich lag im Mittelfeld
2005 gaben die Amerikaner pro Kopf zwischen 5000 und 6000 Dollar pro Jahr aus, die Überlebenswahrscheinlichkeit für die 45-jährigen Frauen ist auf zwischen 94 und 95 Prozent gestiegen. Für Österreich weist die Studie an Vergleichswerten knapp über 3000 Dollar bzw. einen Prozentsatz zwischen 96 und 97 Prozent aus, womit das Land im Mittelfeld der verglichenen Staaten liegt. 2005 lag Japan bei der Überlebenswahrscheinlichkeit von knapp 98 Prozent an der Spitze und das trotz relativ geringer Gesundheitsausgaben von knapp über 2000 Dollar.
Gesundheitssystem ist mangelhaft
Bei der Suche nach Ursachen konnten die Studienautoren die Faktoren Übergewicht und Rauchen ausschließen. Die USA hätten zwar eine hohe Rate an Fettleibigkeit, dieser Umstand sei allerdings auch 1975 schon zu bemängeln gewesen und die Vergleichsstaaten hätten diesbezüglich eher aufgeschlossen. Bezüglich Rauchen haben die USA eine stärkere Abnahme der Tabaksüchtigen als die anderen Länder. Auch Verkehrsunfälle und Verbrechen fallen als Erklärung aus.
Die Experten nehmen daher an, dass die Besonderheiten des amerikanischen Gesundheitssystem mit seiner Zersplitterung die Ursache für die Entwicklung darstellt. Es sei nicht zu akzeptieren, dass die Menschen trotz der hohen Kosten so wenig Nutzen hätten.
(APA)















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