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Darmbakterien steuern das Gehirn

30.08.2011 | 18:37 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Manche Bewohner des Gedärms nehmen direkten Einfluss auf die Psyche. Sie mildern Angst und Stress. Zumindest bei Mäusen ist das so.

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1,5 Kilo Bakterien tragen wir im Darm mit uns herum – nach Köpfen gezählt, sind das zehnmal so viel wie unser ganzer Körper Zellen hat –, und ohne sie wären wir nichts. Sie füttern uns, kauen Unverdauliches vor; sie schützen uns, zumindest die uns gut gesinnten, die auf Dauer mit uns zusammenleben („kommensal“), sie halten gefährliche Bakterien von der verletzlichen Darmhaut fern; und sie kommunizieren auch mit dieser Haut, steuern die Aktivitäten ihrer Gene: Ist der Darm wohl gefüllt, werden auf Veranlassung der Bakterien neue Blutgefäße in der Wand gebildet; ist er bedroht, sorgen sie dafür, dass das Immunsystem aktiver wird.

So steuern sie den Darm. Aber nicht nur ihn: Manche Bakterien im Darm nehmen direkten Einfluss auf das Gehirn. Zumindest bei Mäusen ist das so, und an ihnen bzw. Ratten hat man zuerst ganz grundsätzlich bemerkt, dass Einzeller die Macht im Gehirn von Tieren übernehmen können: Toxoplasma gondii ist ein Parasit, der von Ratten zu seinem nächsten Wirt gelangen muss: Katzen. Deshalb manipuliert er Rattengehirne so, dass die Tiere ihre größte Furcht verlieren, die vor Katzenurin. Auch bei Menschen steht der Parasit im Verdacht, die Psyche auf Dauer zu verändern.

Bakterien machen/nehmen Furcht

Immerhin: Toxoplasma nistet sich ins Gehirn selbst ein. Die Bakterien hingegen sitzen im Darm. Dass sie von dort eine spukhafte Fernwirkung ausüben, bemerkte Sven Pettersson (Stockholm) zu Jahresbeginn an Mäusen: Es gibt Labormäuse ohne Bakterien im Darm – man bringt sie mit Kaiserschnitt zur Welt und verhindert damit den sonst normalen Erstkontakt mit Bakterien im Geburtskanal –, sie verhalten sich anders als Mäuse mit Bakterien, furchtloser und neugieriger (Pnas, 108, S.3047). Dabei ging es ganz unspezifisch um die gesamte Bakteriengemeinschaft, aber nun hat eine Gruppe um John Cryan (Cork, Irland) mit einem einzelnen Bakterium experimentiert, Lactobacillus rhamnosus. Das wird schon als „Probiotikum“ eingesetzt, in der Hoffnung, es könne die körperliche Gesundheit fördern. Offenbar hilft es auch der Psyche: Cryan hat Mäusen unterschiedliches Futter gegeben, im einen war das Bakterium, im anderen nicht.

Die Mäuse, die es im Futter hatten, waren angst- und stressfreier. Das kam von einer veränderten Aktivierung der Gene für Rezeptoren des Neurotransmitters GABA im Gehirn. Und diese Änderung wurde von Bakterien aus dem Darm bewerkstelligt, ihre Botschaften kamen via Vagusnerv. War der durchtrennt, änderten sich Gehirne und Verhalten nicht (Pnas, 29.8.). Kann man sich also Angst wegessen, mit Lactobacillus? Cryan hofft auf therapeutischen Nutzen, andere sind skeptisch, weil Menschen nun einmal keine Mäuse sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2011)

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17 Kommentare
Gast: Reiskorn
07.09.2011 17:49
0 0

Na endlich bestätigt:

Endlich haben wir es nun wisenschaftlich bestätigt, dass den meisten ins Hirn gesch......
wurde. Sonst tät die welt anders ausschauen.

Luzius
05.09.2011 18:26
0 1

Zumindest bei Mäusen ist das so.

na dann muss das doch auch bei Menschen wirken, und bald ist ein Medikament erfunden, das sich Gewinn bringend vermarkten lässt; in Zeiten wie diesen wo niemand mehr an all die exotischen "Krankheiten" Vogel- Schweine, Spinnen, Rinder, Ameisengrippe .... glaubt und sich teuer impfen lässt !

Gast: lklklk
04.09.2011 21:23
1 0

psychoaktive bakterien müssen verboten werden!

denkt doch mal einer an die Kinder!!!!

BAntworter
04.09.2011 08:49
0 0

Ein alter Hut

Über die Zusammenhänge Darm/Magen und Psyche weiß man doch schon immer. Die Sprache verrät es doch!

Wenn etwas im Magen liegt, durch den Magen geht, schwer verdaulich ist, ausgekotzt wird, man etwas verschluckt, hinunterwürgt, das Bauchgefühl sich meldet, etc. etc.

Will man da nicht das Rad neu erfinden?

Gast: Ludwig Ammer
01.09.2011 19:29
1 1

Jetzt

wurde mir ein höchst intelligenter und wissenschaftlich prägnant probiotischer Beitrag zensiert...
war der zu wenig proökodappert?

Gast: Markus Trullus
01.09.2011 11:34
3 0

realistrischer Anwendungsfall

"...Auch bei Menschen steht der Parasit im Verdacht, die Psyche auf Dauer zu verändern."
Bitte mal festzustellen, welcher Parasit bei unseren Politikern ist. Wäre besonders wichtig!

Antworten Gast: collegius
05.09.2011 08:43
1 0

Re: realistrischer Anwendungsfall

Es ist der Weinstein-Bandwurm!

Antworten da wuzzi
01.09.2011 20:36
1 0

Re: realistrischer Anwendungsfall

Politiker sind von Außerirdischen befallen, denn anders wären deren Abwege und Aussetzer nicht mehr erklärbar. Die sind nicht von unserer Welt.

Krash
31.08.2011 18:59
1 0

Ich seh's schon die Psychiater von morgen werden dann...

...Lactobacillus rhamnosus statt Antidepressiva verschreiben. Da holt man sich dann das Joghurt auf Rezept vom Supermarkt.

Gast: Ich bin gut zu Vögeln!
31.08.2011 18:35
0 0

Man kann es aber auch aus anderer Sicht betrachten. Nämlich,...

...ernähre ich mich gesund, fühlt sich zwar mein Darm pudelwohl, aber die Psyche ist bestimmt krank (da jenes, welches ich zu mir nehme ja nicht schmeckt). Ernähre ich mich ungesund, ist mein Darm höchstwahrscheinlich nicht zufrieden, aber meine Psyche strahlt (da es ja schmeckt was ich zu mir nehme).

Die Analogie zu obigen Beitrag ist hoffentlich erkennbar.

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Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!


Antworten pck0
31.08.2011 17:31
0 1

Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Aber geh, ein Zauberer wars! :)

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Re: Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Der Zufall konnte wohl von der Amöbe bis Goethe alle Tierarten erzeugen und ist - in dieser Hinsicht recht intelligent - wir reden ja vom intelligenten Zufall (=Hausgötze der Darwinisten) - aber zu einem war der Zufall schlicht und einfach zu dumm: er konnte dem Menschen keinen Sinn im Leben geben.
Der höchste Sinn, den der Zufall per Zufall generieren konnte, war: panem et circenses.

Antworten Antworten Antworten pck0
01.09.2011 17:47
0 1

Re: Re: Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Es ist schon lustig, wenn Sie in Ihrem verzweifelten Versuch die Evolutionstheorie möglichst lächerlich darzustellen eigentlich den Kreationismus beschreiben.


Antworten Antworten Antworten Chauvinist
31.08.2011 18:55
1 0

Re: Re: Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Alle Lebewesen außer dem Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen.

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Re: Re: Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Fast hätte ich etwas vergessen: "pecunia non olet" verdanken wir ja auch dem Zufall. Nicht schwach, was uns da die Materie durch ständige dauernde Weiterentwicklung geschenkt hat, nicht wahr!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Free You Tube to MP3 Converter
31.08.2011 18:40
0 1

Re: Re: Re: Re: Sowohl die Darmbakterien als auch das Gehirn ist alles von selbst entstanden: Darwin locuta, causa finita!

Na ja, das Geld nicht stinkt darüber sind wir uns ja wohl alle einig ;-)

Für Geld würde ich meine Seele verkaufen. Die kann ja nicht viel Wert sein, ist sie ja schließlich nur durch Zufall entstanden.

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