„Hatschi!“ In der kalten Jahreszeit wird meist wegen Virusinfektionen genießt, seltener wegen Pollen. Doch eine Birkenpollen-Allergie – eine der häufigsten Allergieformen – zeigt das ganze Jahr über Wirkung und schränkt die Lebensqualität der Betroffenen auch im Winter ein. „75 Prozent der Birkenpollen-Allergiker sind auch auf Äpfel allergisch“, sagt Barbara Bohle von der Med-Uni Wien. Sie leitet eines der Projekte zur „Förderung von klinischer Forschung“, die vom Wissenschaftsministerium finanziert werden. Beim Großteil der Patienten werden die Beschwerden durch Kreuzreaktionen zwischen Allergenen im Birkenpollen und in Lebensmitteln ausgelöst: Neben Äpfeln sind das auch Nüsse, Pfirsiche, Kiwis, Kirschen und Birnen. Diese an sich gesunden Lebensmittel werden dann von den Betroffenen vermieden. Beim Verzehr können Juckreiz in der Mundhöhle, Bläschen auf den Lippen oder das Anschwellen der Zunge auftreten.
„Gegen die Birkenpollen-Allergie gibt es bereits effiziente Therapien zur Desensibilisierung“, sagt Bohle: „Doch nur bei einem Drittel der Patienten verbessert sich dadurch auch die assoziierte Nahrungsmittel-Allergie.“ Daher wollen Bohle und ihr Team eine neue Form der Behandlung entwickeln: mit dem Apfel-Allergen.
„Diese Förderung des FWF ermöglicht erstmals, Wissen aus der Grundlagenforschung in kleineren Pilotstudien direkt am Patienten zu testen“, freut sich Bohle: „Denn trotz aller Ergebnisse aus In-vitro-Experimenten und aus Mausmodellen sind Studien am Patienten notwendig, um die echte Wirkung zu beurteilen.“ Zudem liefern solche Pilotstudien neue wissenschaftliche Ergebnisse, die der Verfeinerung und Verbesserung des Therapieansatzes dienen können.
Unter der Zunge. In diesem Fall erhalten die Probanden, allesamt Birkenpollen-Allergiker mit Nahrungsmittel-Kreuzreaktionen, entweder Apfel- oder Birken-Allergene. „Wir verwenden rekombinant hergestellte Proteine: also die reinen Substanzen, die die Allergie auslösen. Daher erwarten wir eine hohe Effizienz der Behandlung.“
Die Probanden tropfen sich die flüssigen Allergen-Lösungen täglich selbst unter die Zunge und lassen diese zwei Minuten einwirken. Nach 16 Wochen Behandlung wird verglichen, wie sich die allergischen Reaktionen gegen Äpfel bzw. Birkenpollen bei den Probanden verändert haben. Zudem können die Ergebnisse zeigen, ob sich die Allergien gegen Pfirsiche, Nüsse etc. verbessern.
Die Weiterentwicklung von Allergie-Therapien liegt Barbara Bohle am Herzen: Sie leitet seit 2008 auch das Christian-Doppler-Labor für Immunomodulation. In Kooperation mit Uni-Instituten und dem Unternehmen Biomay will man die Effizienz der Desensibilisierungs-Impfstoffe steigern: „Dadurch soll die Dauer der Therapie, bisher drei bis fünf Jahre, gesenkt werden. Außerdem wollen wir herausfinden, warum manche Patienten nicht auf die Desensibilisierung reagieren.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)















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