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Sturm auf Onlinearzt, Ärztekammer prüft Klage

17.04.2012 | 18:22 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Seit Montag hat DrEd 600 Männer behandelt, vorwiegend wegen Potenzproblemen und Haarausfall. Der Gesundheitsminister warnt: "Ich sage ganz deutlich: Tun Sie das nicht."

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Wien. Die Homepage lässt keinen Zweifel darüber, bei welchen Problemen der Arzt gern hilft: Bei Erektionsstörungen, vorzeitigem Samenerguss, sexuell übertragbaren Krankheiten oder Blasenentzündung. Seit Montag „ordiniert“ der Onlinearzt DrEd virtuell in Österreich und sorgt für Ärger.

„Ich sage ganz deutlich: Tun Sie das nicht“, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger (SP) am Dienstag an die Adresse von Patienten. Auch Otto Pjeta, Leiter des Medikamentenreferats der Österreichischen Ärztekammer warnt: „Das ist die unsicherste und gefährlichste Art, sich behandeln zu lassen.“

Im Detail verurteilen Stöger und Pjeta die Behandlungsmethoden: DrEd bietet (naturgemäß) nur Ferndiagnosen an. Das heißt, jeder, der Zugang zum Internet hat, kann eine „Online-Sprechstunde“ anfordern, sich durch einen Fragebogen klicken (Trinken Sie Alkohol, sind Sie beschnitten?) und bekommt am Ende des virtuellen „Gesprächs“ ein Rezept – das er in der Apotheke einlösen kann. Ohne dass einander Arzt und Patient jemals gesehen haben. Und ohne dass Untersuchungen wie eine Blutdruckmessung vom Arzt durchgeführt wurden.

Das Angebot trifft auf rege Nachfrage. „Wir haben eine wahre Nachfrageflut“, sagt Jens Apermann, Sprecher von DrEd. 600Männer und Frauen aus Österreich hätte der Onlinedoktor, hinter dem der deutsche Arzt Jasper Mordhorst und noch zwei Kollegen stehen, schon behandelt. „Zwei Drittel davon waren Männer, die vorwiegend wegen Potenzproblemen und Haarausfall zu uns gekommen sind“, sagt Apermann. Eine Statistik aus Deutschland, wo der Onlinearzt seit November 2012 bisher 10.000 Patienten behandelt habe, zeige ein ähnliches Bild.

 

Ferndiagnosen verboten?

Unseriöses Handeln will sich das Team rund um DrEd nicht vorwerfen lassen: Auch ein niedergelassener Arzt sei vor falschen Patientenangaben nicht gefeit, sagt Apermann. Den Vorwurf, Medikamentenmissbrauch zu erleichtern, weist er zurück: „Männer haben bei Potenzproblemen eine große Hemmschwelle. Sie decken sich sonst auf dem Schwarzmarkt ein.“ Und: „Wir arbeiten sauberer als andere Ärzte“, behauptet er.

Der Meinung ist die Österreichische Ärztekammer nicht. „Nach österreichischem Ärzterecht sind Ferndiagnosen verboten“, sagt Pjeta. „Wir überprüfen jetzt eine Klage.“ Damit hat Apermann schon gerechnet. „Ich verstehe auch, dass es Angst vor Wettbewerb gibt“, sagt er. Einer Klage sieht er gelassen entgegen. Er beruft sich auf eine EU-Richtlinie zur Patientenmobilität, wonach bei Telemedizin das Ärzterecht jenes Landes zur Anwendung käme, von dem aus der Arzt arbeite. Das sei bei DrEd Großbritannien. Dort seien Ferndiagnosen erlaubt.

In den heimischen Apotheken ist jedenfalls noch kein Rezept des Onlinedoktors eingelangt, sagt Gudrun Reisinger von der Apothekerkammer. Abgelehnt dürfe es ohnehin nicht so einfach werden. „Wenn es die Kriterien des Rezeptpflichtgesetzes (u.a. eigenhändige Unterschrift des Arztes, Anm.) erfüllt, dann müssen wir das Medikament hergeben“, sagt sie. Bei DrEd arbeitet man schon am Ausbau der Dienste. In Zukunft soll es Videokonsultationen geben: „Allerdings nur für schwierige Fälle.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2012)

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47 Kommentare
 
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Zwei Drittel davon waren Männer, die vorwiegend wegen Potenzproblemen und Haarausfall zu uns gekommen sind

Heute sind die Sauschneider auch ausgestorben ,weil sie den Tierärzten weichen musten.
Mann sollte sich der Zukunft anpassen.Bin mir sicher,das es zukünftig in Österreich ähnlich wie in G.B.kommen wird.

http://www.sauschneider.info/index.php?id=11

Gast: Störrisch
30.04.2012 14:34
3 0

Ich verstehe die Leute...

...war bei einer prak. Ärztin wegen starker Verkühlung, meinen Rachen hat sich nicht überprüft, auch nicht meinen Brustkorb abgehört. Dafür 5 Überweisungen zu Spezialisten bekommen...aber ich bin (bis auf diese lang-anhaltende Verkühlung) fit wie ein Turnschuh.

Meine alte Nachbarin hatte direkt neben ihrem praktischen Arzt einen Schlaganfall, nun sitzt sie im Rollstuhl, weil der auf Übelkeit getippt hat und der nicht für schnelle Hilfe gesorgt hat.

Viele Ärzte von heute können keine Diagnose mehr ohne treure Geräte geben...nur noch Rezepte für lustige bunte Pillen oder Überweisungen schreiben!

Jeder ist doch (noch)

seines eigenen Glückes Schmied :-)

Oder; Herr Stöger?

Gast: total crash
30.04.2012 07:33
2 0

Bei( meinem Hausarzt) Ordination-Öffnungszeit

von sage und schreibe 13 Stunden pro Woche und am Fenstertag auch geschlossen,musst dir schon genau überlegen wann`st Krank werden kannst.

Außerhalb der Öffnungszeiten von Ambulanzen bekommst auch keine Behandlung/Untersuchung,schicken dich nach Hause.

Deshalb Hr.Minister wird auf ihren Ratschlag ges chi**`n ;o)


Gast: wansuk
29.04.2012 11:08
2 1

sonntag

heute ist sonntag und ich bin in der frueh mit gicht aufgewacht. bin zu besuch bei meiner mutter in innsbruck.
kein artzt aphotheken sind zu.

das is das gesundheitssytem in oesterreich . ein wahnsinn.

Antworten Gast: mops
13.05.2012 11:59
0 0

Re: sonntag

Apotheken haben einen Notdienst - Es hängt an jeder Apothekentür die Info über die nächstgelegene offene Apotheke !! Wer lesen kann is klar im Vorteil :-)

find ich gut, wenn jetzt alle sich online kurieren lassen

dann ist in den Wartezimmern der Ärzte meines Vertrauens endlich wieder mehr Platz, womöglich fördert das auch die besserer Einhaltung der vereinbarten Termine...

Gast: 0815
24.04.2012 09:16
4 0

also ich finde DrEd super, ...

..., z.b. soll ich jeden monate zum arzt gehen nur um ein medikament neu verschreiben zu lassen weil die packungsgröße verkleinert wurde ich das medikament aber 3 monate nehmen soll wozu ...

ja eh, is soooo supa!


Der Buchhändler, "Ich sage ganz deutlich: Tun Sie das nicht."

... und weil der Buchhändler sonst nichts getan hat, ist Amazon groß geworden.

Entwicklungen sind nicht aufzuhalten und die panische Reaktion eines alten Dinos wie der ÄK, sind menschlich schon verständlich, wenn auch intellektuell nicht nachvollziehbar.

"Potenzprobleme und Haarausfall"

Könnte es an der unsinnigen Rezeptpflicht für Medikamente bei o.a. "Problemen" liegen?

Nee, unsinnig ist sie ja nicht. Es kommt nur auf den Standpunkt an, dann wird auch ein Fußpilz zum Segen...

Gast: 220
22.04.2012 08:40
9 1

Na den Ärztesumpf ein bischen umdzurühren schadet sicher nicht in der Pfründerepublik.

Von innen passiert das sowieso nie also eben von außen.

Gast: Überzeugter Salafist
20.04.2012 20:40
3 0

Cool, da bekommt man da bei Angabe einer Potenzstörung Viagra auf Rezept und kann's dann weiter verticken. Jo, das Lob ich mir!


Antworten Gast: Pinocchio
25.04.2012 16:40
6 0

Re: Cool, da bekommt man da bei Angabe einer Potenzstörung Viagra auf Rezept und kann's dann weiter verticken. Jo, das Lob ich mir!

In anderen Ländern sind solche Medikamente wie z.B. Viagra rezeptfrei....dort sterben die Leute komischerweise auch nicht wie Fliegen an diesen Medikamenten....die idiotische Bürokratie machts den Menschen hierzulande schwer....und wer geht schon gern mit Potenzproblemen zum Arzt, wohl nicht viele....

Und was willst verticken? Du kaufst mit diesem Rezept in der österr. Apotheke Viagra ein....glaubst das kauft dir dann noch wer ab, wenn du einen noch höheren Preis verlangst, damit du einen Reibach machst? Da kann ja jeder selbst zu Dr. Ed gehen, sich ein Rezept ausstellen lassen und sich's in der Apotheke holen....

Der Schwarzmarkt blüht eher, wenn du schwierig legal an solche Medikamente kommst und nicht wenn es dir erleichtert wird....

Gast: globetrotterneu
20.04.2012 13:52
3 2

zeit für gerechtigkeit

Der Gesundheitsminister will nur das beste von uns unser Geld.

Gast: adasdasd
19.04.2012 15:39
9 1

In der Ärztekammer sitzen wohl keine Marketing-Experten

Warum verschwendet die Ärztekammer Energie und Geld beim Versuch das unaufhaltsame aufzuhalten??

Wäres es nicht vernünftiger, wenn die Ärztekammer in die Offensive geht und selbst ein Online-Portal aufmacht? Bei uneindeutigen Fällen darf natürlich gerne auf einen in der Nähe befindlichen Niedergelassenen Arzt verwiesen werden.

(wenn das ginge, würde ich heute noch meinen Imfpass einscannen und überprüfen lassen - aber ich möchte mich nicht unnötigerweise 2 Stunden zum Hausarzt setzen)

Re: In der Ärztekammer sitzen wohl keine Marketing-Experten

Weil sie auch nicht gescheiter sind als die Strategen der Unterhaltungsmafia. Und außerdem ist es bequemer, im Monopol zu sitzen und die Kunden zugetrieben zu bekommen... ;-)

Gast: Gastarzt
19.04.2012 15:31
4 5

Soll jedem

freistehen, wie er sich ärztlich versorgen läßt.

Aber dann nicht weinen, wenn was passiert und man (selbstverständlich ohne österr. Patientenanwalt) vor einem britischen Gericht klagen muß.

Antworten Gast: Pinocchio
25.04.2012 16:46
4 0

Re: Soll jedem

Bei uns müssens halt nach einem schweren Ärztefehler erstmal ein 10jähriges Gerichtsverfahren mit gefühlten 100 Gutachten durchlaufen, damit sie am Ende wenns Glück haben mit einem Vergleich davonkommen....

...ja, ist schon super, wie man hierzulande bei Ärztefehlern zu seinem Recht kommt....

12 1

Re: Soll jedem

Hams schon einmal versucht in Österreich gegen einen Arzt zu klagen?
Da erlebens ihre Wunder, die Mafia ist ein Lüfterl dagegen!

Gast: dingdong
19.04.2012 09:17
9 1

Ferndiagnose

kenne hausärzte da geht man zur sprechstundenhilfe sagt ich brauche das oder das rezeptpflichtige medikament und 1 minute später hat man das rezept ohne den arzt überhaupt gesehen zu haben. von der "beratung" in der apotheke ganz abgesehen. "ich habe da ein furunkel am fuß bzw. seit gestern starkes bauchweh" und schon holt der apotheker irgend ein (rezeptpflichtiges) medikament. wo ist da der große unterschied?

Antworten Gast: Gast 12345
19.04.2012 13:36
4 1

Re: Ferndiagnose

Diese "Behandlung" gibt es auch bei meinem Arzt - Gott sein Dank. Dort bekommen ich meine Medikamente, die mir allerdings von einem qualifizierten Mediziner mit entsprechender Ausbildung verschrieben wurden, der mich vor Erstverschreibung auch gründlich untersucht hat samt laufender Kontrollen. Ich bin froh, wenn ich mir bei der Weiterverschreibung die Wartezeit erspare.

Antworten Antworten Gast: Pinocchio
25.04.2012 16:42
0 2

Re: Re: Ferndiagnose

Dann müssten sie bei jeder weiteren Verschreibung auch untersucht werden....weil wenn sie 2-3 Monate später kommen um ihr Rezept für einen neuerlichen Kauf des Medikaments abzuholen, können sie in der Zwischenzeit schon eine Krankheit haben, die es nicht mehr erlaubt, das Medikament einzunehmen....

19 0

Ärztekammer = Heuchelei auf höchstem Niveau

Was Jungärzt(in)en im Spitalsbetrieb mit 24 Stunden Diensten zugemutet wird ist eine Sauerei, hier leidet die Qualität der Behandlung extrem, für die Ärztekammer aber kein Grund zur Aufregung.

Wenn es um die Pfründe geht (DrEd, Kassenverträge, Haftung für Kunstfehler) schreit die Kammer sofort laut auf, und das sogar im Interesse der Patienten?

Gast: advo
18.04.2012 15:14
1 13

Ferndiagnose

Diese Form der "Behandlung" ist zur Gänze abzulehnen. Es ist der Beginn des selber Herumdoktern mit Medikamenten die die Gesundheit schwer schädigen können!

Re: Ferndiagnose

Sie meinen sicher Hydroxyethan, Destruxol und ähnliches? Furchtbare Sache!

 
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