25.05.2013 13:15 Merkliste 0

„Medikamenten-Cocktails“: Lebensbedrohliche Nebenwirkungen

28.05.2012 | 16:38 |  VON CHRISTINA LECHNER (Die Presse)

Arzneimittel: Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente – etwa Blutverdünner und Schmerzmittel – kann gefährliche Interaktionen auslösen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der oft gehörte Hinweis: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden: Viel zu häufig kommt es durch die Kombinationen mehrerer Medikamente zu gefährlichen Nebenwirkungen und zwar vor allem dann, wenn ein Medikament die Wirkung eines anderen beeinflusst. Wird etwa ein gerinnungshemmendes Medikament („Blutverdünner“) mit einem Schmerzmittel (zum Beispiel Paracetamol) kombiniert, so steigt damit das Blutungsrisiko, betont der Grazer Pharmakologe Eckhard Beubler.

Am häufigsten: Innere Blutungen

Tatsächlich sind Blutungen die häufigste lebensbedrohliche Arzneimittel-Nebenwirkung, wie eine schwedische Untersuchung zeigt: Von 1500 untersuchten Todesfällen waren rund drei Prozent (49) auf unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen zurückzuführen; in drei Vierteln dieser Fälle waren wiederum Blutungen – speziell Hirnblutungen oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt – die Auslöser.

Auch einige Antidepressiva können in Kombination mit Schmerzmitteln (nicht-steroidalen Antirheumatika) das Risiko für Blutungen erhöhen, warnt Beubler. „Beide greifen vorübergehend in das körpereigene System ein, das im Normalfall dafür sorgt, dass wir nicht verbluten.“ Als problematisch im Hinblick auf Arzneimittel-Wechselwirkungen gelten zudem die als „Magenschutz“ eingesetzten Protonenpumpenhemmer, da diese den Abbau anderer Medikamente verzögern können.

Lebensgefährliche Verzögerung

Das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen steigt mit der Zahl der eingenommenen Medikamente und ist damit gerade für ältere Menschen besonders hoch: Immerhin nehmen knapp 20 Prozent der über 60-Jährigen in Österreich täglich 13 oder mehr verschiedene Medikamente ein, Einzelne sogar 20 verschiedene Tabletten, Kapseln und Tropfen. „Da ist es selbst für Spezialisten nahezu unmöglich, alle potenziellen Wechselwirkungen zu überblicken“, so Beubler.

Das Risikobewusstsein in der Ärzteschaft für Mehrfachverordnungen sei zwar hoch. „Immer wieder fragen Hausärzte bei mehreren Verordnungen aus dem Spital oder von anderen Fachärzten nach, ob davon etwas reduziert werden kann. Allerdings ist dies gerade bei älteren Patienten mit Mehrfacherkrankungen nicht ganz einfach“, räumt Beubler ein.

Aber auch jüngere Menschen und vor allem Frauen sollten darauf achten, welche Medikamente sie miteinander kombinieren: So können beispielsweise Johanniskraut-Präparate die Wirkung der „Pille“ herabsetzen und Zwischenblutungen hervorrufen, sogar eine unerwünschte Schwangerschaft trotz hormoneller Verhütung ist möglich. Eine Absicherung vor Arzneimittel-Wechselwirkungen soll die im Pilotprojekt bereits erprobte (jedoch gesundheitspolitisch heiß diskutierte) E-Medikation bieten. „Jegliche Verzögerung der Einführung der E-Medikation ist lebensgefährlich“, betont der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Heinrich Burggasser. Mittels E-Medikation werden ärztlich verordnete und in der Apotheke rezeptfrei gekaufte Medikamente elektronisch erfasst, bei möglichen Wechselwirkungen erfolgt ein entsprechender Warnhinweis.

Rezeptfreie Medikamente dürften daher auch künftig nicht in Drogeriemärkten abgegeben werden, fordert Burggasser: Wie Erfahrungen aus den USA zeigen, werden die in Supermärkten oder sogar an Tankstellen abgegebenen Arzneien oft nicht als Medikamente wahrgenommen und beim Arztbesuch nicht angegeben.

Individuelle Beratung geschätzt

Außerdem schätzen heimische Kunden besonders die individuelle Beratung in der Apotheke, wie eine erst Anfang Mai durchgeführte Befragung der Karmasin-Motivforschung zeigt. Immerhin lassen sich 41 Prozent der Befragten zumindest einmal monatlich in der Apotheke beraten, wobei gerade die Aufklärung über die Anwendung rezeptfreier Medikamente begrüßt wird. „Einem Drittel der Befragten ist die Information durch die Apotheker hier sogar noch wichtiger als bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln“, ergänzt Sophie Karmasin. Die Umfrage zeigt auch, dass ein Großteil der Befragten prinzipiell über das Thema Wechselwirkungen Bescheid weiß: Immerhin informieren sich drei von vier Arzneimittel-Käufern aktiv darüber.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

7 Kommentare
Gast: Don123
31.05.2012 08:25
0 0

Lasst euch nicht verar***en

Achtet auf eure Gesundheit, ernährt euch abwechslungsreich und betreibt regelmäßig Sport, somit verdienen die rießigen Pharmakonzerne nicht an euch.
Es wird Zeit, dass sich der Staat für die Gesundheit seines Volkes einsetzt.
Aber von diesen bequemen und dekadenten Politikern ist nichts zu erwarten!
Steuer auf FastFood, Verbot von McDonalds in einem gewissen Radius und Verbot von mit pestiziden vergifteten Obst und Gemüse!

Unsere Gesundheit ist unser wertvollstes Gut!

Gast: e-Medikation
30.05.2012 18:27
0 0

Apotheker sollten nichts zu melden haben!

Während des Pilotprojekts zur E-Medikation wollte mir der Apotheker ein für mich lebensnotwendiges Medikament wegen potenzieller Wechselwirkungen mit meinen anderen Medikamenten nicht aushändigen! Erst ein Telefonat mit dem Arzt konnte ihn dann doch dazu bewegen. Daraufhin habe ich meine Zustimmung zur Teilnahme am Pilotprojekt umgehend widerrufen.

Es ist einfach unmöglich, Wechselwirkungen zu vermeiden, wenn man nur auf genügend Medikamente angewiesen ist. Wenn mir mein Arzt nach langem Überlegen etwas verschreibt, hat sich der Apotheker gefälligst nicht einzumischen!

Antworten Gast: Der Pelzmann
31.05.2012 09:41
1 0

Re: Apotheker sollten nichts zu melden haben!

Dann hat der Apotheker alles richtig gemacht. Problem erkannt, Rücksprache gehalten, Problem gelöst. Der Apotheker trägt die LETZTVERANTWORTUNG mit der Abgabe des Arzneimittels, daher ist er auch ohne Emedikation verpflichtet mit dem Arzt Rücksprache zu halten, oder sogar - bis Abklärung möglich ist - die Abgabe zu verweigern.

Antworten Antworten Gast: e-Medikation
01.06.2012 02:26
0 0

Re: Re: Apotheker sollten nichts zu melden haben!

Einen Tag später fuhr mein Arzt übrigens für 2 Wochen auf Urlaub und wäre für den Apotheker nicht mehr zu erreichen gewesen. Wenn der mir dann immer noch mein Medikament verweigert hätte, gäb's mich heute wahrscheinlich nicht mehr.

Ohne e-Medikation ist das übrigens sehr einfach: die Medikamente stehen ja nicht alle auf dem selben Rezept und ich hole sie mir nicht alle auf einmal. Und da eben nicht alle verschriebenen Medikamente über die e-Card abrufbar sind, bekommt man alles ohne Probleme. Darüber, ob die zusammenpassen oder das Risiko vertretbar ist, entscheidet immer noch mein Arzt, der mich schon seit 20 Jahren betreut und mit meiner sehr komplexen Krankengeschichte vertraut ist. Das geht den Apotheker nix an.

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Pelzmann
01.06.2012 12:32
1 0

Re: Re: Re: Apotheker sollten nichts zu melden haben!

Das mag in Ihrem Fall richtig sein, allerdings treten viele Wechselwirkungen durch Falschverschreibungen auf. Daher die obengenannte Verpflichtung. In Ihrem Fall vielleicht lästig, aber für viele lebensrettend.

Gast: Doccheck
30.05.2012 09:15
0 0

"Parcetamol steigert Blutungsrisiko"?

@Kommentar- Sehr richtig

Welch ein Unsinn hier wieder publiziert wird!. Paracetamol ist das einzige Nicht-Opiod- Analgetikum welches die Thrombotytenaggregation nicht beeinflusst!
Herr Prof. Beubler sollte rechtlich gegen dieses "Falsch- Zitat" vorgehen.
Liebe Presseredaktion- Wenn schon ein Gesundheitsthema -dann bitte gut rechercheriert und von Fachjournlaisten/-leuten Korrektur gelesen- denn sonst begibt man sich auf die Stufe des Boulevard.
Viele Grüße !

Paracetamol + "Blutverdünner"

"Wird etwa ein gerinnungshemmendes Medikament („Blutverdünner“) mit einem Schmerzmittel (zum Beispiel Paracetamol) kombiniert, so steigt damit das Blutungsrisiko, betont der Grazer Pharmakologe Eckhard Beubler."

Paracetamol ist ein schlechtes Beispiel, da es im Gegensatz zu den anderen gängigen Schmerzmitteln (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen) das mit Abstand am besten verträgliche ist.

Schlagzeilen Gesundheit