Der oft gehörte Hinweis: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden: Viel zu häufig kommt es durch die Kombinationen mehrerer Medikamente zu gefährlichen Nebenwirkungen und zwar vor allem dann, wenn ein Medikament die Wirkung eines anderen beeinflusst. Wird etwa ein gerinnungshemmendes Medikament („Blutverdünner“) mit einem Schmerzmittel (zum Beispiel Paracetamol) kombiniert, so steigt damit das Blutungsrisiko, betont der Grazer Pharmakologe Eckhard Beubler.
Am häufigsten: Innere Blutungen
Tatsächlich sind Blutungen die häufigste lebensbedrohliche Arzneimittel-Nebenwirkung, wie eine schwedische Untersuchung zeigt: Von 1500 untersuchten Todesfällen waren rund drei Prozent (49) auf unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen zurückzuführen; in drei Vierteln dieser Fälle waren wiederum Blutungen – speziell Hirnblutungen oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt – die Auslöser.
Auch einige Antidepressiva können in Kombination mit Schmerzmitteln (nicht-steroidalen Antirheumatika) das Risiko für Blutungen erhöhen, warnt Beubler. „Beide greifen vorübergehend in das körpereigene System ein, das im Normalfall dafür sorgt, dass wir nicht verbluten.“ Als problematisch im Hinblick auf Arzneimittel-Wechselwirkungen gelten zudem die als „Magenschutz“ eingesetzten Protonenpumpenhemmer, da diese den Abbau anderer Medikamente verzögern können.
Lebensgefährliche Verzögerung
Das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen steigt mit der Zahl der eingenommenen Medikamente und ist damit gerade für ältere Menschen besonders hoch: Immerhin nehmen knapp 20 Prozent der über 60-Jährigen in Österreich täglich 13 oder mehr verschiedene Medikamente ein, Einzelne sogar 20 verschiedene Tabletten, Kapseln und Tropfen. „Da ist es selbst für Spezialisten nahezu unmöglich, alle potenziellen Wechselwirkungen zu überblicken“, so Beubler.
Das Risikobewusstsein in der Ärzteschaft für Mehrfachverordnungen sei zwar hoch. „Immer wieder fragen Hausärzte bei mehreren Verordnungen aus dem Spital oder von anderen Fachärzten nach, ob davon etwas reduziert werden kann. Allerdings ist dies gerade bei älteren Patienten mit Mehrfacherkrankungen nicht ganz einfach“, räumt Beubler ein.
Aber auch jüngere Menschen und vor allem Frauen sollten darauf achten, welche Medikamente sie miteinander kombinieren: So können beispielsweise Johanniskraut-Präparate die Wirkung der „Pille“ herabsetzen und Zwischenblutungen hervorrufen, sogar eine unerwünschte Schwangerschaft trotz hormoneller Verhütung ist möglich. Eine Absicherung vor Arzneimittel-Wechselwirkungen soll die im Pilotprojekt bereits erprobte (jedoch gesundheitspolitisch heiß diskutierte) E-Medikation bieten. „Jegliche Verzögerung der Einführung der E-Medikation ist lebensgefährlich“, betont der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Heinrich Burggasser. Mittels E-Medikation werden ärztlich verordnete und in der Apotheke rezeptfrei gekaufte Medikamente elektronisch erfasst, bei möglichen Wechselwirkungen erfolgt ein entsprechender Warnhinweis.
Rezeptfreie Medikamente dürften daher auch künftig nicht in Drogeriemärkten abgegeben werden, fordert Burggasser: Wie Erfahrungen aus den USA zeigen, werden die in Supermärkten oder sogar an Tankstellen abgegebenen Arzneien oft nicht als Medikamente wahrgenommen und beim Arztbesuch nicht angegeben.
Individuelle Beratung geschätzt
Außerdem schätzen heimische Kunden besonders die individuelle Beratung in der Apotheke, wie eine erst Anfang Mai durchgeführte Befragung der Karmasin-Motivforschung zeigt. Immerhin lassen sich 41 Prozent der Befragten zumindest einmal monatlich in der Apotheke beraten, wobei gerade die Aufklärung über die Anwendung rezeptfreier Medikamente begrüßt wird. „Einem Drittel der Befragten ist die Information durch die Apotheker hier sogar noch wichtiger als bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln“, ergänzt Sophie Karmasin. Die Umfrage zeigt auch, dass ein Großteil der Befragten prinzipiell über das Thema Wechselwirkungen Bescheid weiß: Immerhin informieren sich drei von vier Arzneimittel-Käufern aktiv darüber.
















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