Sie sind unschön, aber häufig ungefährlich: Pigmentflecken im Gesicht und an den Händen. Frauen leiden mehr und öfter darunter als Männer – fast zehnmal mehr –, und Studien haben gezeigt, dass Frauen mit ausgeprägten Pigmentverschiebungen um bis zu zehn Jahre älter geschätzt werden als ihre gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen mit ebenmäßiger Haut.
Jetzt ist übrigens wieder Hochsaison für die Entstehung dieser im Fachjargon Hyperpigmentierung genannten Flecken, die bevorzugt auf Körperstellen auftreten, die der Sonne ausgesetzt sind, also Gesicht, Dekolleté, Hände. Denn Sonne respektive UV-Licht ist bei der Entwicklung dieser unliebsamen Schönheitsfehler fast immer im Spiel. Auch die hormonell bedingten Schwangerschaftsflecken oder Hautverfärbungen nach Entzündungen kann Sonnenlicht intensivieren und länger erhalten.
Junger Körper, alte Hände
Ganz zu schweigen von den sogenannten Altersflecken, die quasi eine Präsentation der konsumierten Sonnenstunden eines Menschen darstellen. „In der Medizin heißen diese Altersflecken auch Lentigines solares, also Sonnenflecken“, erwähnt Sibylle Wichlas, Dermatologin und Mitgründerin der Ärztegemeinschaft Woman and Health in Wien.
Schon in ihrer Studienzeit, so Wichlas, habe sie immer wieder gestaunt angesichts der Frauen aus der Kriegsgeneration, die so gut wie keine Sonnenbäder in Bikini oder Badeanzug genommen hätten, während Gesicht und Hände sehr häufig dem UV-Licht ausgesetzt waren. „Diese Frauen hatten im Alter einen fast jungfräulichen, schneeweißen Körper mit makelloser Haut, Gesicht und Hände waren jedoch alt, faltig und scheckig.“
Braune Flecken nach Verletzungen
Vermeidung extremer Sonnenexposition und wirksamer Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Sonnencremes) gehören also zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gegen Hyperpigmentierung. Die kommt dann zustande, wenn zuviel Melanin produziert wird. Dieser natürliche Hautfarbstoff wird von den Melanozyten als Schutzreaktion gegen schädliche UV-Strahlen in der Oberhaut gebildet. Eine Produktion normalen Ausmaßes sorgt für die (häufig erwünschte) Braunfärbung der Haut, eine Überproduktion eben für die nicht erwünschten Flecken.
„Störende braune Hautverfärbungen können aber auch nach Verletzungen oder Entzündungen entstehen, wir sprechen dann von postläsionaler oder postinflammatorischer Hyperpigmentierung“, erklärt Daisy Kopera, Professorin an der Grazer Universitätshautklinik. Normalerweise, so Kopera, verschwinden diese Flecken nach einem halben bis einem Jahr wieder von selbst. „Außer man erhält sie mit viel Sonne am Leben“, wirft Wichlas ein. Ähnliches gilt für die hormonell bedingte Hyperpigmentierung (Melasma), wie sie durch Schwangerschaft oder Antibabypille ausgelöst wird. Auch einige andere Medikamente, darunter bestimmte Antirheumatika oder Antibiotika, erhöhen die Lichtempfindlichkeit und fördern auf diese Weise die Entstehung von Pigmentverschiebungen.
Sonnenschutz ist also nicht nur Vorbeugung, sondern auch Therapie einer fleckigen Hautveränderung. Wichlas: „Ohne die ist jegliche weitere Maßnahme zum Scheitern verurteilt.“ Eine Möglichkeit, den ungeliebten Flecken den Kampf anzusagen, sind Cremen mit bestimmten Wirkstoffen. Manche lösen das Melanin auf, andere wiederum reduzieren die Melaninproduktion der Haut, die verliert dann das überschüssige Pigment und wird allmählich wieder heller.
Cremen mit Nebenwirkungen
„Vitamin-A-säurehaltige Cremen sollten Schwangere nicht verwenden, die könnten dem Embryo schaden“, so Wichlas. Und der Stoff Hydrochinon wiederum könnte die Haut irritieren. „Schlimmer noch“, warnt Kopera, „wenn man Cremen mit dem bleichenden Inhaltsstoff Hydrochinon zu lange anwendet, können Melanozyten zugrunde gehen und die Pigmentierung der Haut bleibt nachhaltig gestört. Eine solche Behandlung gehört also unbedingt in die Hände eines Arztes.“
„Beta-Resorcinol, einer der neuesten Wirkstoffe für diese Indikation, ist hingegen schon in geringen Konzentrationen wirksam und zeigt sich in dermatologischen Untersuchungen als gut verträglich“, betont Annegret Wehmeyer, medizinisch-wissenschaftliche Beraterin von Eucerin.
Übel an der Wurzel packen
Beta-Resorcinol setze schon bei der Entstehung des Problems an. Wehmeyer: „Er beeinflusst ein Schlüsselenzym in der Melanin-Synthese und hemmt auf diese Weise die Überproduktion von Melanin und damit die Entstehung einer Hyperpigmentierung.“ Bestehende Flecken würden so allmählich heller und neue erst gar nicht gebildet, „vorausgesetzt, man pflegt gleichzeitig einen vernünftigen Umgang mit der Sonne“. Und wenn alle Cremen und Salben nicht helfen, könnte man ein chemisches Peeling, eine Dermabrasion oder eine Laserbehandlung in Betracht ziehen. Das Prinzip dabei: Hautschichten mit Hyperpigmentierung werden oberflächlich abgetragen, die Haut wird angeregt, sich zu erneuern, die „braunen Zellen“ werden abgestoßen, neue frische Zellen wachsen nach. Wer sich dann allerdings wieder ungeschützt der Sonne aussetzt, hat die Flecken alsbald wieder.
Alle drei Expertinnen unisono: „Ohne entsprechenden Sonnenschutz gibt es auf die Dauer keine Hilfe.“ Kopera fügt noch hinzu: „Auch normales Tageslicht besteht zum Teil aus UV-Licht, deswegen sollte die tägliche Verwendung von Sonnenschutz obligat sein wie das tägliche Zähneputzen.“
Die Sonne respektive UV-Licht ist bei der Entwicklung oder Verstärkung einer Hyperpigmentierung fast immer im Spiel.
Die wichtigste Prävention und Therapie ist daher regelmäßiger Sonnenschutz. Zudem gibt es Cremen, Peelings und Laserbehandlungen.
















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