„Gott sei Dank habe ich Krebs bekommen!“ Dankbar für diese Krankheit? Für einen Außenstehenden schwer zu glauben und noch schwerer zu verstehen. Wie Menschen mit dem Krebs fertig geworden sind und dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangten, kann man in dem Buch „Geheilt! – Wie Menschen den Krebs besiegten“ nachlesen.
Von Ärzten bereits aufgegeben
20 von Krebs Geheilte geben darin in ungewöhnlicher Offenheit ihre Lebens- und Krankengeschichte preis. Sie berichten vom Schock der Diagnose und dem vermeintlichen Todesurteil, über den Kampf gegen die Krankheit und der Suche nach geeigneten Therapiemöglichkeiten.
Als Mutmacher, der Betroffenen und Angehörigen Hoffnung geben soll, wollen die Linzer Autoren Dr. Thomas Hartl und Reinhard Hofer ihr Buch verstanden wissen. Hofer gehört selber zu den Geheilten – er wurde 1994 als Erster in Österreich von seiner Leukämie mit dem Knochenmark eines nicht-verwandten Spenders geheilt. Der Journalist Hartl schreibt immer wieder Berichte auf den Gesundheitsseiten der „Presse“.
Viele der Heilungsberichte können schulmedizinisch nicht erklärt werden, manche dieser Erfolgsstorys handeln von Menschen, die von den Ärzten bereits aufgegeben wurden. Dennoch haben die Autoren keine „Spontan- oder Wunderheilungen“ porträtiert, sondern Menschen, die sich im Zuge ihrer Erkrankung intensiv mit ihrer Existenz auseinandergesetzt haben.
„Was, die lebt immer noch?“
Die Klosterschwester, deren Lungenmetastasen verschwunden sind und der Arzt bekennen muss: „So einen Befund gibt es eigentlich nicht!“ Der Bestseller Autor Erhard F. Freitag, der Krebs im Endstadium hatte. Das ist 18 Jahre her und er erfreut sich bester Gesundheit. Genauso lang ist auch die erfolgreiche Geschäftsfrau gesund, die mit unkonventionellen Mitteln den Krebs besiegte. Und die damit jahrelang ihren Arzt provozierte „Was, die lebt immer noch, das gibt es nicht!“
Die meisten von den 20 Geheilten im Buch ließen sich schulmedizinisch behandeln, sie wurden aber darüber hinaus aktiv. Die Erkrankten nutzten die Zeit der Rekonvaleszenz, um ihr Leben und ihr Denken zu verändern. Sie ergriffen Maßnahmen, um ihr Immunsystem zu stärken und ihre Lebensenergie zu steigern. Sie fingen an, Sport zu betreiben, klärten ihre Lebensverhältnisse, wechselten den Beruf. Viele schlugen einen spirituellen Weg ein. Um mit den Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie fertig zu werden, begannen sie die Ernährung umzustellen, zu meditieren und zu visualisieren.
Nie gekannte mentale Kräfte
Das Buch richtet sich auch an die Ärzteschaft und ihre Beziehungen zu den Patienten. Die Geheilten haben sich im Laufe ihrer Behandlung zu „mündigen Patienten“ entwickelt, wollten so viele Informationen wie möglich haben. Darüber hinaus mobilisierten sie alle Ressourcen und entwickelten nie gekannte mentale Kräfte. „Die Grenzen sind die, die wir uns selbst setzen“, heißt es im Buch.Das Buch bietet keine Rezepte an, es zeigt aber, dass es sich lohnt, sich auch bei schlechten Prognosen auf die persönliche Spurensuche zur Gesundheit zu machen. Wichtig scheint es, sich auf die Behandlung geistig einzulassen, nicht an die Unheilbarkeit des eigenen Zustandes zu glauben, und auch mit Entschlossenheit und Hingabe eine volle Heilung anzustreben.
Aufforderung zum Handeln
Als eine „Aufforderung zum Handeln“ bezeichnen die Autoren folglich in ihrem Nachwort die Krebskrankheit. Der Kranke soll, neben der schulmedizinischen Behandlung, alle mögliche Hilfe in Anspruch nehmen: den Psychoonkologen, Selbsthilfegruppen oder sogar den Glauben. Entspannungstechniken und Visualisierungsübungen können in ein Gesamt-Behandlungskonzept integriert werden. Der Kranke ist dazu aufgerufen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. (th)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2008)















