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Schwärzeste Schluchten menschlicher Seele

09.01.2012 | 16:00 |   (Die Presse)

Die Wiener Psychologin und Psychotherapeutin Beate Handler beleuchtet in ihrem Buch „Monster von nebenan. Wie gut kennen Sie Ihren Nachbarn?“ die Psyche von Menschen, die unfassbare Gräueltaten begehen.

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In Kellerverliesen werden Kinder wie Tiere gehalten und missbraucht, eigene Töchter und Ehefrauen werden wie Sklavinnen behandelt, Menschen werden jahrelang gefangen gehalten und ihre Seelen gebrochen. Immer wieder dringen derartige Unfassbarkeiten ans Licht der Öffentlichkeit, und immer wieder taucht die Frage auf, wie Derartiges in einer „modernen“ Gesellschaft passieren kann.

Auffallend oft hört man dann Aussagen von Nachbarn, dass der Täter als freundlich und hilfsbereit galt, unauffällig und bieder. Auf die Fragen, die sich daraus ableiten lassen – ob denn hinter jeder Ecke das Böse lauert, ob in jedem von uns ein Monster steckt, ob es eines kranken Geistes bedarf, um tatsächlich das Böse zu tun, und ob sich so ein Geist therapieren lässt –, versucht die Wiener Psychologin und Psychotherapeutin Beate Handler Antworten zu finden.

In ihrem neuen Buch „Monster von nebenan“ erzählt sie über die scheinbar ganz normalen Auffälligkeiten und vom Abstieg in die schwärzesten Schluchten menschlichen Verhaltens. Sie berichtet über die Rolle der Kindheit als Schlüssel zur Psyche, über Ängste und Phobien und, was es bedeutet, „geistig abnorm“ zu sein.

Therapie enorm wichtig

Wird ein Täter gefasst und verurteilt, stellt sich die Frage, wie man mit ihm umgehen soll. Lebenslang wegsperren oder ihm nach Verbüßung der Strafe doch eine zweite Chance geben? Wie wichtig es ist, geistig abnorme Rechtsbrecher zu therapieren, kann man an Zahlen ablesen. Nach der bedingten Entlassung von therapeutisch behandelten Rechtsbrechern aus dem Maßnahmenvollzug kam es nach fünf Jahren nur bei zwölf Prozent zu einer Wiederverurteilung. Wurden „normale“ Häftlinge (solche, die zurechnungsfähig und nicht geistig abnorm waren) jedoch ohne Therapie wieder auf freien Fuß gesetzt, wurden nach fünf Jahren 59 Prozent wegen neuerlicher Vergehen wieder verurteilt.

Laut Handler kann es ohne Problem- oder Krankheitseinsicht zu keiner „Heilung“ kommen. „Hat ein Mensch keine Krankheitseinsicht und/oder kein Problembewusstsein, warum sollte er dann ein Medikament nehmen?“, so die Psychologin. Etwas zu erkennen, benennen und verändern sei das Herzstück jeder psychologischen Behandlung. Bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die emotionale Reifung zu fördern sei nur dann möglich, wenn die Behandelten mitarbeiten.

Auch Täter haben Verantwortung

Bei der Kriminaltherapie geht es nicht zwingend um Heilung, wohl aber um den Aufbau einer besseren Beherrschung und Steuerung problematischer Verhaltensmuster. Handler über ihr Buch: „Mein Ziel war es, sachliche Erklärungen zu geben, warum Menschen schreckliche Gräueltaten begehen. Sie weder anzuklagen noch zu entschuldigen – auch nicht, wenn diese selbst eine Kindheit voller Gewalt hatten. Täter haben nämlich sehr wohl die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, egal wie schrecklich die Kindheit auch war.

Sonst müssten ja alle Menschen, die keine glückliche Kindheit hatten – und derer gibt es genug –, zu Verbrechern werden.“ Und das ist ja gottlob keineswegs der Fall. (th)

„Monster von nebenan. Wie gut kennen Sie Ihren Nachbarn?“, Goldegg Verlag, 364 Seiten, 22 €.

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8 Kommentare
Gast: Beno
13.01.2012 19:14
0 0

Killer

Ganz wenige mit problematischer Kindheit werden Killer, einige mehr haben jedoch Probleme ein als normal angesehenes Leben zu führen..

Gast: HB
13.01.2012 11:41
2 0

Auch Täter haben Verantwortung

Wie ist dieser Satz zu verstehen?

17und4
12.01.2012 09:15
5 0

klingt ein bisschen komisch:

"Auch Täter haben Verantwortung"
ist das nicht eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht mehr,dann stimmt unser Weltbild nicht mehr.

0 0

Wird ein Täter gefasst und verurteilt, stellt sich die Frage, wie man mit ihm umgehen soll. Lebenslang wegsperren oder ihm nach Verbüßung der Strafe doch eine zweite Chance geben?

Aufknüpfen.

Gast: Halleluja
11.01.2012 09:52
6 0

Zur besseren Veranschaulichung möchte ich den Fall aus Deutschland - der erst unlängst durch die Medien ging - in Erinnerung rufen.

Die beiden Männer töteten bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten und verletzten den anderen schwer.
Einer der beiden Männer saß wegen Polizistenmordes schon 15 Jahre in Haft.
Jo, und jetzt bitte möchte mir jemand erklären, wie das so mit den 12 Prozent ist - nur damit es die Mütter der beiden toten Polizisten auch verstehen!

Antworten Gast: schnuhz
31.01.2012 15:23
0 0

Re: Zur besseren Veranschaulichung möchte ich den Fall aus Deutschland - der erst unlängst durch die Medien ging - in Erinnerung rufen.

Dieses Ereignis ist furchtbar tragisch...wie jede Tat, die ein Leben auslöscht, jedoch verstehe ich Ihre Aussage nicht ganz - sollte es also gar keine Behandlung geben, weil es noch immer Rückfälle gibt?

Natürlich, 12 % sind noch immer 12 % zu viel, aber eine 100% Garantie kann es einfach nicht geben.

Frau53
10.01.2012 21:49
3 1

Rückfallquote 12%?

Bei der Rückfallquote von verurteilten geistig abnormen Rechtsbrechern, die zwar eine Therapie gemacht haben, nach der Entlassung von “nur 12%“ zu berichten, die wieder straffällig (erwischt und verurteilt) wurden, erscheint mir jedes Prozent zu viel.

Die Ausführung einer Tat, wo Täter als geistig abnorm gewertet und eingestuft werden ist mit anderen Straftaten schwer zu vergleichen, da es sich um schwerwiegende Taten mit massiven Folgen für die Opfer handelt.

Gast: Gast 8
10.01.2012 09:37
0 2

Kein Mitleid

Solche Taten sind darauf zurückzuführen,daß Menschen die mißhandelt wurden ihre Gefühle ausschalten und auch kein Mitleid spüren können.
Aber auch ein Mangel an Liebe/Gleichgültigkeit der Eltern kann es verursachen.
Ein Großteil der Mißhandlungen der Eltern ist aus dem autoritären Erziehungsstil (großteil wegen der Kirche) in der früheren Generation entstanden.
In arabischen Ländern ist es jetzt noch der Fall (Einfluß der Religion).

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