04.07.2009 14:44 | Meine Presse Merkliste0
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Sparsame Stückchen

GABRIELE RABL (Die Presse)

PELLETSHEIZUNGEN. Holzpellets helfen, Energiekosten zu senken. Derzeit sind die gepressten Spanstücke gegenüber Öl sogar um die Hälfte günstiger.

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Als in Österreich im Jahr 1994 die ersten Holzpellets vorgestellt wurden, war die Verunsicherung groß. Landwirte dachten eher an ein neues Futtermittel als an Heizmaterial. Und selbst dem innovativsten Häuslbauer war der etwa sechs Millimeter kleine Brennstoff suspekt. Doch die Skepsis wich zusehends: Gab es 1997 erst 425 Pelletkessel, die im Winter für warme Einfamilienhäuser sorgten, sind es zehn Jahre später bereits über 50.000.

Mit dem Absatz der Kessel stieg auch die Qualität: Bei modernen Öfen etwa muss der Aschenrückstand nur noch ein- bis zweimal in der Heizsaison entleert werden. Ebenso ist „ein zu hoher Staubanteil bei den Pellets heute kein Thema mehr“, berichtet Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria. Bei der Holzforschung Austria arbeitet man trotzdem weiter an der Qualitätsverbesserung wie etwa einer höheren Abriebfestigkeit und geringerer Wasseraufnahmefähigkeit des Brennstoffes. Mittels Ö-Norm ist inzwischen ein Standard generiert worden, der dem Konsumenten die reibungslose Verwendung des Materials gewährleisten soll.


Gar nicht kompliziert

Auch in Sachen Komfort kann sich eine Pelletheizung mit einer klassischen Öl- oder Gaszentralheizung durchaus messen. Vollautomatische Steuerung der Wärme ist mittlerweile genauso selbstverständlich wie das unkomplizierte Einblasen des Brennstoffes in den Lagerraum des Wohnhauses. Die Pellets werden dabei per Silofahrzeug geliefert und durch ein Rohr in den Raum hineingeblasen. In Säcken oder Paletten kann das Heizmaterial ebenso vom Händler bezogen werden. Dass die Holzpellets einen höheren Platzbedarf hätten als eine herkömmliche Öl- oder Gasheizung, bestätigen die Hersteller der Kessel indes nicht. Sie rechnen vor, dass ein Einfamilienhaus mit 15 Kilowatt Heizleistung etwa 4000 bis 5000 Kilogramm Holzpellets benötigt. Diese könnten auf einer Grundfläche von sechs Quadratmeter untergebracht werden, was in etwa auch der Größe des Tankraumes für einen Ölkessel entspricht. Beim Stichwort Öl zieht der Branchenverband proPellets auch seine Trumpfkarte: „Die monatliche Preiserhebung ergab im Februar einen durchschnittlichen Pellet-Preis von 18,8 Cent pro Kilo. Damit sind Pellets gegenüber Heizöl bereits um die Hälfte günstiger“, freut sich Rakos.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die steirische Landwirtschaftskammer im Rahmen ihres jährlichen Brennstoffrankings. Demnach fielen 2007 bei einem Einfamilienhaus etwa 1940 Euro für eine Ölheizung an, Erdgas schlug mit 1509 Euro zu Buche, hingegen verbrauchte ein Pelletkessel etwa 1082 Euro im Jahr.


Hohe Anschaffungskosten

Aufgrund der anhaltend hohen Ölpreise ist das auch ein gutes Argument für den Umstieg auf Bioenergie. Doch die Anschaffung eines Pelletkessels ist auch mit hohen Kosten verbunden: Bis zu 50 Prozent mehr als bei einer klassischen Heizanlage ist für einen modernen Kessel zu berappen. Nach den Berechnungen der Landwirtschaftskammer amortisiert sich der Kostensprung aber rasch – der Umstieg auf einen Pelletkessel führe sogar zu einem 30-prozentigen Kostenvorteil. Vorausgesetzt, die Preisentwicklung für Pellets bleibt auch in nächster Zeit stabil und gegenüber Heizöl eklatant niedrig. Denn vielen Besitzern von Pelletkesseln wurde im Sommer 2006 angst und bang, als die kleinen Holzstücke sich rasant verteuerten. Bis März 2007 hielt dieser Höhenflug an, dann rasselte der Pellet-Preis von über fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf vier herunter und pendelte sich schließlich bei durchschnittlich 3,8 pro kWh ein. „Eine Tonne Pellets kostete im Februar 2008 etwa 189,97 Euro, das ergibt im Jahresabstand einen Preisrückgang von 23,7 Prozent“, rechnet Rakos vor. In nächster Zeit könnten die Konsumenten außerdem eine stabile Preisentwicklung erwarten, da die Lager voll seien und in Österreich doppelt so viele Pellets erzeugten werden, wie der derzeit Markt benötige. Die Sturmschäden hätten ebenso keinen Einfluss auf den Preis der Holzpellets, da weiterhin nicht mehr Säge- und Holzspäne in den Sägewerken anfallen würden.


Schwankende Rohstoffpreise

Späne sind allerdings nicht nur ein Rohstoff in der Pellets-Produktion. Auch die Plattenindustrie und Brikettproduktion benötigt Späne – weshalb die Preisstabilität auch unter diesem Gesichtspunkt hinterfragt werden muss.

Doch solange die Öl- und Gaspreise in einer deutlich höheren Liga spielen, legen die Käufer von Pelletkesseln auch mehr Augenmerk auf die Energieeffizienz der Pellets. Und die liegt laut Rakos durchschnittlich bei 90 Prozent Wirkungsgrad, neue Modelle würden bereits 95 Prozent erreichen. Auch die Debatte um Feinstaub und Emissionen räumen Kesselhersteller wie Windhager aus: „Pellets bestehen aus naturbelassenen Holzresten. Daher befinden sich in den Rauchgasen vorwiegend wasserlösliche Salze, wie sie in der Natur häufig vorkommen“, argumentiert Geschäftsführer Manfred Faustmann im Interview mit den Salzburger Nachrichten. Als Biomasseprodukt treten Pellets demnach auch CO2-neutral auf, wenngleich in Sachen Energieeffizienz und Umweltschutz auch der Strombedarf des Kessels ins Gewicht fällt. Dieser ist aber in etwa gleich hoch wie der eines Kühlschranks – oder sogar darunter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2008)

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