Stronach: Milliardär mit Sehnsucht nach dem Schilling

Der Versuch mit dem BZÖ ist gescheitert. Nun gründet der Austrokanadier Frank Stronach eine eigene Partei. Oder auch nicht. Denn Stronach findet nicht genügend Personal um alle Ebenen zu besetzen.

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(c) AP (Bill Denver)

Wien. Es war ein ungewöhnlicher, man könnte auch sagen, bizarrer Auftritt: Frank Stronach saß Dienstagabend im Studio der „ZiB2“, und noch bevor die Moderatorin ihre erste Frage formulieren konnte, legte der Unternehmer, der mit der Politik kokettiert, auch schon los: Der vorhergehende Beitrag über ihn sei „enttäuschend“ gewesen. Er werde ständig falsch dargestellt und zitiert. Auch der ORF verhindere, dass die Menschen die Wahrheit über den „EMS“ („Steht für europäische Schuldenmacherei“) erfahren würden – gemeint war der Rettungsschirm ESM. Stronach ließ sich von der Moderatorin nicht irritieren („Sie wollen streiten mit mir?“) und monologisierte zweieinhalb Minuten lang. Dann sagte er: „So – und jetzt dürfen Sie Fragen stellen.“

Eine zentrale Frage blieb jedoch unbeantwortet: Jene, ob Frank Stronach nun eine eigene Partei gründet oder nicht. Dem Vernehmen nach scheitert das derzeit vor allem daran, dass er nicht genügend Personal, und zwar für alle Ebenen, findet. Als Spitzenkandidaten oder Parteichef hätte Stronach gern seinen früheren Mitstreiter Sigfried Wolf. Doch dieser ziert sich. Vertraute gehen nicht davon aus, dass sich der ehemalige Magna-CEO, der nun beim russischen Oligarchen Oleg Deripaska angeheuert hat, das antun wird. Siegfried Wolf selbst sagt, er würde Stronach mit „Rat und Tat“ zur Seite stehen, aber auf eine Kandidaturdiskussion lässt er sich nicht ein. Auch mit Magna-Manager Herbert Paierl werden Gespräche geführt.

 

Bucher wollte letztlich nicht

Frank Stronachs erste Wahl wäre BZÖ-Chef Josef Bucher gewesen. Doch Bucher wollte das BZÖ in diese Verbindung mitnehmen. Das wiederum wollte Stronach nicht bzw. nur dann, wenn er selbst alles bestimmen könne. Launisch und unberechenbar sei Stronach im Verlauf der Gespräche gewesen, ist aus dem BZÖ zu hören. Neben inhaltlichen Differenzen sei das Projekt vor allem an Stronachs Wunsch nach einem Durchgriffsrecht, das letztlich auf eine Alleinentscheidungsgewalt hinausgelaufen wäre, gescheitert. Verbindungsmann zum BZÖ war von Anfang an Peter Westenthaler, sein früherer Mitarbeiter bei Magna. Dieser wird sich jedoch auf keiner Liste wiederfinden. Er gilt aber als Berater im Hintergrund.

Für das BZÖ und auch die FPÖ wäre eine Stronach-Partei, wenn sie denn kommen würde, eine unangenehme Konkurrenz. Denn der Milliardär macht wie diese beiden Parteien gegen den ESM mobil. Und Stronach möchte auch wieder zum Schilling zurückkehren. Weitere EU-Kritik war von ihm sonst bisher aber nicht zu vernehmen.

Dem Austrokanadier schwebt eine Art diffuses Programm aus Wirtschaftsliberalismus mit sozialer Verantwortung vor: Schulden sollen abgebaut, die Flat Tax eingeführt werden und die Arbeitnehmer ihren gerechten Anteil am Erwirtschafteten bekommen – was immer das konkret heißen mag.

 

Inserate und „Krone“-Kolumne

Bis Herbst, sagt Stronach, will er sich entschieden haben, ob er nun eine eigene Partei gründet. Bisher hat er sich mit dem Schalten von Inseraten und einer wöchentlichen Kolumne in der „Kronen Zeitung“ begnügt, um seine politischen Gedanken unters Volk zu bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2012)

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