Schlechtes Integrationsklima bessert sich

Zeugnis für Sebastian Kurz: 57 Prozent der Österreicher finden, dass der Integrationsprozess nicht funktioniert. 2011 waren es aber noch 69 Prozent. Der Integrationsstaatssekretär: "Es gibt noch unendlich viel zu tun."

Schlechtes Integrationsklima bessert sich
Schließen
Schlechtes Integrationsklima bessert sich
(c) APA

Es ist das erste Zeugnis für Sebastian Kurz - und der VP-Integrationsstaatssekretär ist zumindest nicht durchgefallen: Am Montag legte die Statistik Austria ihren Integrationsbericht „migration & integration" vor. Und darin zeigen sich erste Erfolge in der Integrationspolitik, das Klima hat sich demnach verbessert - allerdings von sehr niedrigem Ausgangsniveau. Denn das Zusammenleben funktioniert aus Sicht der Mehrheit immer noch schlecht.

Demnach sind mehr als die Hälfte der befragten Österreicher, 57 Prozent, mit dem Integrationsprozess unzufrieden. Das mag zwar ein alarmierender Wert sein, im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen aber deutlich verbessert: Damals hatten noch 69 Prozent der Befragten angegeben, dass die „Integration von Migranten eher schlecht oder sehr schlecht funktioniert".

Türken fühlen sich mehrheitlich nicht zugehörig

Zugewanderte Bürger beurteilen den Integrationsprozess

Schließen
traditionell positiver: 87 Prozent der befragten Personen fühlen sich in Österreich heimisch. Auffallend ist, dass Zuwanderer aus der Türkei anders als jene aus dem ehemaligen Jugoslawien sich weiter mehrheitlich nicht Österreich sondern ihrem Heimatland zugehörig fühlen (55,9 %).

65 Prozent der Migranten standen im Vorjahr im Erwerbsleben und 74 Prozent der Nicht-Migrantinnen. Wie die Statistik-Austria schreibt, drückt den Schnitt vor allem die niedrige Erwerbstätigenquote von türkischen Frauen (45 Prozent).

Ausländer öfter Opfer und Täter

Und zu Sicherheitsfragen hält der Bericht fest: "Viermal soviele Ausländer (1,4%) wie Österreicher (0,4%) wurden 2011 gerichtlich verurteilt. Gleichzeitig waren Ausländer knapp doppelt so oft Opfer von Straftaten als Österreicher."

Zuwanderung gestiegen

Die Zuwanderung hat im Vorjahr übrigens zugelegt, 130.000 Personen emigrierten nach Österreich, im selben Zeitraum verließen 95.000 Menschen das Land, macht also eine Nettozuwanderung von 35.000 Personen. Insgesamt lebten im Vorjahr durchschnittlich 1,569 Millionen Personen mit Migrationshintergrund im Land, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 18,9 Prozent (2010: 18,6). Auch die Zahl der Asylanträge ist wieder angestiegen - und zwar von 11.000 im Jahr 2010 auf 14.000 im Vorjahr. Die meisten Asylwerber stammten dabei aus Afghanistan (3609). 

"Gutes Jahr für Integrationspolitik"

"2011 war ein gutes Jahr für Migrations- und Integrationspolitik in Österreich", resümierte Heinz Fassmann, Vorsitzender des Expertenrats. Sein Gremium hatte Integrationsstaatssekretär im Vorjahr 20 Punkte nahegelegt, die überwiegend bereits umgesetzt wurden oder im Werden sind, so Fassmann. Im kommenden Jahr sollen noch Schwerpunkte bei Spracherwerb und Bildung sowie Werten und Religion gesetzt werden.

Kurz: "Es gibt noch unendlich viel zu tun"

Österreich habe nach wie vor mit dem "Erbe der Gastarbeiter" zu kämpfen, die Defizite in der Integrationspolitik in den vergangenen 50 Jahren seien kumuliert und ließen sich nicht von heute auf morgen lösen, konstatierte Fassmann. Auch Kurz blieb trotz der Freude realistisch: "Es gibt noch unendlich viel zu tun", verwies er ebenfalls auf "jahrzehntelange Versäumnisse": "Es besteht daher in Wahrheit alles andere als ein Grund für Euphorie."

Kein Lob von Grünen und SOS Mitmensch

Die Grünen vermissten am Montag neue Maßnahmen: "Für eine echte Verbesserung des Zusammenlebens brauchen wir mehr als Ankündigungen, nämlich gelebte Chancengleichheit und Gleichberechtigung", so die Grüne Integrationssprecherin Alev Korun. Auch SOS Mitmensch fand "zahlreiche Leerstellen" im Bericht. Der "Stillstand" bei der Erarbeitung weiterer Maßnahmen sei "gravierend", so Sprecher Alexander Pollak.

 

(Red.)

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.