Warum es Stronach selber macht – und was ihn erwartet

Auch mit dem Milliardär an der Spitze wird es die Partei nicht leicht haben, ins Parlament einzuziehen. Klar ist bereits, dass er sich für Wirtschaftsliberalität und schlanke Verwaltung einsetzen möchte. Eine Analyse.

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Stronach – (c) REUTERS (CHRIS WATTIE)

[Wien] Manchmal, da wird Frank Stronach richtig zornig. Etwa, wenn er in den vergangenen Monaten gefragt wurde, wann er nun eine eigene Partei gründen werde. Niemals, aber wirklich niemals habe er gesagt, dass er eine Partei gründen wolle, betonte Stronach in diesen Fällen hastig. Nun ist alles anders: Der Austro-Kanadier gründet eine eigene Partei. In der „Presse am Sonntag“ gab der gebürtige Steirer zudem bekannt, selbst als Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl 2013 antreten zu wollen.

Woher kommt nun dieser Sinneswandel? Zum einen verliefen Stronachs Gespräche mit dem BZÖ und außerparlamentarischen Gruppierungen nicht ganz so, wie der Milliardär es sich gewünscht hat. „Für manche Sachen wäre er okay“, sagt Stronach etwa nun über BZÖ-Chef Josef Bucher. „Okay sein“ – das ist für einen Frank Stronach zu wenig. Er wollte jemanden, der seine Vorstellungen eins zu eins umsetzt. Immer mehr Berater rieten dem Milliardär daher, es doch selber zu machen, heißt es aus Stronachs Umfeld. Dass niemand für Stronach den Spitzenkandidat spielen wollte, ist auch mit dem Auftreten des Milliardärs erklärbar. Denn Stronach wird leicht einmal unzufrieden, wenn die Köpfe unter ihm nicht genau so agieren wie gewünscht. Das hat er bereits als Fußball-Mäzen  bewiesen.

Ein Motiv für Stronachs Sinneswandel ist aber wohl auch die Erkenntnis, dass eine Stronach-Partei ohne Stronach nur sehr schwer den Parlamentseinzug schaffen würde. Für ein gutes Wahlergebnis bedarf es eines glaubwürdigen Zugpferdes wie den Austro-Kanadier selbst. Doch auch mit einem Spitzenkandidat Stronach ist der Parlamentseinzug alles andere als sicher. Der Milliardär hat zwar zweifelsohne seine Fans, wie man beim Besuch seiner Diskussionsveranstaltungen sehen kann. Doch Personen zu überzeugen, die noch nicht auf seiner Linie sind – das muss Stronach erst lernen. Auch mit sachlichen Einwänden, die ihm nicht ins Konzept passen, kann Stronach nur schwer umgehen: „Hör auf mit diesen Paragrafen. Das ist viel zu kompliziert“, fuhr Stronach etwa heuer einen angesehenen Jus-Professor vor Publikum an. Dieser wollte eigentlich nur die Rechtslage erklären. Stronach wird aber nicht nur lernen müssen, mit wissenschaftlicher Kritik umzugehen. Er wird als Spitzenkandidat auch mit Kritik unter der Gürtellinie konfrontiert sein. Stronachs hohes Alter (am Wahltag 81 Jahre) wird politische Gegner die Frage aufwerfen lassen, ob der gebürtige Steirer fit genug ist, um fünf Jahre im Parlament zu sitzen. Und der Vorwurf, Stronach wolle sich mit teuren Werbekampagnen Stimmen „kaufen“, wird den ganzen Wahlkampf hindurch mitschwingen.
Doch trotz des Geldes wird Stronach nicht viele Gelegenheiten haben, um im Fernsehen zu punkten. Da seine Partei nicht im Nationalrat sitzt, darf er an den TV-Duellen zur Wahl 2013 nicht teilnehmen. Das ist sicher ein Nachteil, zumal gerade diese Duelle öffentlichkeitswirksam sind. Es hat aber auch Vorzüge – denn so kann Stronach lästigen Detailfragen entkommen. Und politische Eckpfeiler lassen sich auch anders unters Volk bringen.

Auf wie viele Stimmen mehr eine Stronach-Partei hoffen kann, wenn der Austro-Kanadier selbst an den Start geht, lässt sich nicht sagen. „Das wäre Kaffeesudleserei“, warnt OGM-Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer im Gespräch mit der „Presse“. Erst wenn das Parteiprogramm stehe, könne man seriöse Umfragedaten erheben.

Reine Wirtschaftspartei ist „Blödsinn“

Doch womit will Stronach punkten? Klar ist bereits, dass er sich für Wirtschaftsliberalität und für eine schlanke Verwaltung einsetzen möchte. Dies ist seine große Chance, denn im Gegensatz zum BZÖ, in dem einstige blaue Haudegen werken, wirkt die wirtschaftsliberale Position eines erfolgreichen Unternehmers glaubwürdig. Gleichzeitig plädiert Stronach aber für den Euro-Ausstieg – nicht gerade eine klassische wirtschaftsliberale Position. Doch Stronach pflegt selbst zu sagen, dass eine reine Wirtschaftspartei ein „Blödsinn“ wäre. Was kein Blödsinn ist, will Stronach Ende September verraten: Dann stellt er sein Parteiprogramm vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)

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