SPÖ und Grüne: Wandern und Angeln als PR-Hilfe

Eva Glawischnig und Werner Faymann trafen sich in Salzburg zum Spazierengehen. Sie sind nicht die Ersten, die sich so in Szene setzen.

SOMMERTOUR DER GRUeNEN: GLAWISCHNIG/FAYMANN
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SOMMERTOUR DER GRUeNEN: GLAWISCHNIG/FAYMANN
APA/BARBARA GINDL

St. Johann/Wien. Wenn sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) zum Spazierengehen in einer Salzburger Klamm treffen, dann ist das vor allem eines: ein gut inszeniertes Polit-Treffen mit hohem PR-Faktor. Denn inhaltlich hatten die beiden am Freitag nach einem rund einstündigen, privaten Gespräch in der Liechtensteinklamm in St.Johann im Salzburger Pongau nicht viel zu sagen: Sie hätten vorwiegend über „Umwelt, Energie und Europa“ geplaudert, hieß es hinterher. Dazu ließen sie noch das passende idyllische Naturfoto von sich schießen. Auch wenn es sowohl Glawischnig als auch Faymann nicht aussprechen wollen – der PR-Termin soll wohl auch dazu dienen, Sympathiepunkte für eine mögliche rot-grüne Koalition nach der Nationalratswahl im nächsten Jahr zu sammeln.

„Private Treffen“ von Politikern haben eine lange Tradition: Im März 2003 nutzte der damalige SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer ein öffentlich gemachtes Spargelessen mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, um die gespannten Verhältnisse mit der FPÖ zu klären. Und gab danach zu: „Wir haben überlegt, wie Schüssels unsoziale Rentenreform zu stoppen ist. Es geht um eine Zusammenarbeit in einer Sachfrage. Da ist mir jede Stimme recht.“

Eines der wohl bekanntesten „Freizeitbilder“ heimischer Politiker ist jenes von Wolfgang Schüssel am Beifahrersitz in Jörg Haiders Porsche. Kaum ein anderer Schnappschuss sorgte für mehr Diskussionen. Dass Haider am Steuer war und Schüssel nur am Beifahrersitz saß, wurde als symbolhaft interpretiert. Immerhin hatte sich Schüssel den Kanzlerposten nur mithilfe Haiders gesichert. Nach dem schlechten Abschneiden der ÖVP bei der Nationalratswahl 1999 wäre das nicht anders möglich gewesen. Eines war das Foto sicher: ein gelungener PR-Gag.

Politische Inszenierungen erfreuen sich aber nicht nur in Österreich größter Beliebtheit. Vor allem der ehemalige italienische Premierminister Silvio Berlusconi betonte immer wieder sein freundschaftliches Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Im Oktober 2010 nutzten die beiden Berlusconis Aufenthalt in Russland, um vor den Kameras zu posieren: beide auf einem Steg, Putin wirft die Rute einer Angel aus. Berlusconi steht daneben und schaut Putin dabei zu. Sowohl er als auch Berlusconi ließen es sich aber nicht nehmen, auch beim Angeln einen Anzug zu tragen.

 

Skifahren mit Putin und Klestil

Aber auch Putins Staatsbesuch in Österreich war alles andere als gewöhnlich. Im Februar 2001 wurde er von Thomas Klestil am Arlberg empfangen – und zwar zum Skifahren. Im Nachhinein beschrieb Klestil das Treffen als „Fortschritt für die bilateralen Beziehungen“. Mehr noch: Es habe sogar eine „besondere menschliche Herzlichkeit“ geherrscht.

Doch kaum ein Politiker schätzte die „privaten“ Zusammentreffen mit ausländischen Staatsgästen so wie der frühere US-Präsident George W. Bush. Seine Ranch bei Crawford in Texas wurde zum Ausflugsziel für Politiker wie Tony Blair, Silvio Berlusconi, Wladimir Putin, den saudiarabischen Kronprinz Abdullah bin Abdelaziz und auch für den spanischen König Juan Carlos und dessen Frau Sofia. Derartige Einladungen seien ein Zeichen der besonderen Freundschaft, betonte Bush stets.

Sein Nachfolger im Amt des US-Präsidenten, Barack Obama, mag es da schon etwas bodenständiger. Er lud den britischen Premierminister David Cameron im heurigen März zu einem Basketballspiel ein. Die beiden saßen auf der Zuseherbank und führten – so Cameron bei einer Rede einige Tage später – ein Gespräch „von Mann zu Mann“. Aber nicht nur Männer nutzen Sportereignisse, um sich zu inszenieren: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute am Rande des bislang letzten G8-Gipfels zusammen mit Obama und Cameron das Champions-League-Endspiel. Angeblich sei viel „spielerischer Unsinn“ geredet worden.

Eva Glawischnig hat übrigens auch schon ÖVP-Chef Michael Spindelegger zu einem Freizeit-Treffen eingeladen. Eine Antwort hat sie bislang aber nicht erhalten.

Auf einen Blick

Treffen von Politikern dienen meist der Imagepflege oder verfolgen ein bestimmtes politisches Ziel. Am Freitag ließen sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig und Bundeskanzler Werner Faymann publikumswirksam in Salzburg ablichten. Aber nicht nur österreichische Politiker setzen sich gern bei Freizeitaktivitäten mit Politikerkollegen in Szene. So lud etwa der ehemalige US-Präsident George W. Bush zahlreiche Staatsmänner als „Zeichen der besonderen Freundschaft“ in seine Ranch nach Texas ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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