Kassierte FPK bei Reifnitz-Verkauf an Stronach mit?

Um seinen Magna-Auftrag nicht zu verlieren, soll Anwalt Gert Seeber 240.000 Euro gezahlt haben. Kärntens Landeshauptmann Dörfler, damals Parteikassier, will davon nichts gewusst haben.

Freiheitliche kassierten ReifnitzVerkauf Stronach
Schließen
Freiheitliche kassierten ReifnitzVerkauf Stronach
Frank Stronach – (c) REUTERS (STRINGER/AUSTRIA)

Die Kärntner Freiheitlichen (FPK) sollen beim Verkauf von Schloss Reifnitz an den Magna-Konzern des Milliardärs Frank Stronach direkt mitkassiert haben. Wie der "Kurier" in seiner Sonntag-Ausgabe berichtet, ging eine Rechnung der Parteiagentur "Connect" über 240.000 Euro an den Rechtsanwalt Gert Seeber, der den Verkauf abwickelte. Das darauf angegebene Konto gehörte, so das Blatt, aber nicht der Agentur, sondern der Partei.

Der "Kurier" bezieht sich in seinem Bericht auf die Unterlagen der Korruptionsstaatsanwaltschaft. Diese hat ihren Bericht zur "Connect"-Affäre abgeschlossen und der Oberstaatsanwaltschaft übermittelt. Seeber soll demnach 2008 vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider einen Anruf erhalten haben, dass die Partei Geld brauche. Wenn er nicht "willig" sei, gebe es genügend andere Anwälte, die den Magna-Auftrag abwickeln würden. Seeber soll daraufhin zugesagt haben. Danach erhielt er eine Rechnung der "Connect" über eine "Auftragsakquisitionsprämie in Sachen Magna-Tourismusprojekt Reifnitz" und bezahlte.

Geschäft zwischen Haider und Stronach

Magna-Gründer Frank Stronach hat das Schloss Reifnitz samt sieben Hektar Grund am Ufer des Wörthersees 2005 um 6,5 Millionen Euro gekauft. Von einem Luxusressort und Investitionen in der Höhe von 83 Millionen war damals die Rede. Das Schloss wurde zwar renoviert, von weiteren Aktivitäten ist derzeit aber nichts zu sehen.

Der Kauf war zwischen Stronach und dem damaligen Landeshauptmann Jörg Haider vereinbart worden, als Magna die Errichtung eines Werks in Klagenfurt ankündigte. Das Werk wurde 2007 zwar gebaut, statt der angekündigten 80 Millionen Euro schweren Investition wurden allerdings nur zehn Millionen verbaut, derzeit arbeiten dort rund 100 Menschen.

Die "Connect" hatte mit Seeber eine "Vereinbarung" abgeschlossen, wonach die Agentur ihn mit Aufträgen aus dem öffentlichen oder öffentlichkeitsnahen Bereich versorgen würde, er im Gegenzug dafür eine Provision von 30 Prozent bezahlen müsse. Als dieser Deal im Frühjahr vergangenen Jahres bekannt wurde, verlor Seeber seinen gerade erst erworbenen Aufsichtsratsvorsitz der Kärntner Messen.

Dörfler will nichts wissen

Die "Connect" soll auch andere Unternehmen mit Rechnungen "beglückt" haben, schreibt der "Kurier". daraufhin schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein. Geschäftsführer Manfred Stromberger (FPK) musste sein Landtagsmandat zurücklegen, Landeshauptmann Gerhard Dörfler will von der Agentur nichts gewusst haben, er war in der fraglichen Zeit Parteikassier. Uwe Scheuch, im vergangenen Jahr noch FPK-Chef, kündigte nach dem Auffliegen der Affäre an, die Agentur werde "liquidiert". Laut Firmenbuch ist die "Connect" aber derzeit nicht in Liquidation.

a: b

(Red./APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Kassierte FPK bei Reifnitz-Verkauf an Stronach mit?

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen