''Landesfürst'' Erwin Pröll: Seit über 20 Jahren an der Macht

Keiner seiner Vorgänger hat länger durchgehalten: Seit 20 Jahren herrscht Erwin Pröll über Niederösterreich. Als "Landesfürst" von Österreichs größtem Bundesland geschieht auch in der Bundes-ÖVP zumeist sein Wille. Und daran wird sich vorerst wohl auch nichts ändern: Pröll verteidigte bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit. 20 Jahre Landeshauptmann Erwin Pröll in Bildern.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Seine Wurzeln

Er lebt, wo er das Licht der Welt erblickt hat: "Christkind" Pröll wird am 24. Dezember 1946 in eine Weinbauernfamilie in Radlbrunn, Bezirk Hollabrunn, hineingeboren. 65 Jahre später ist Pröll noch immer ein Radlbrunner.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Seine Anfänge

Pröll maturiert in Tulln, nach dem Präsenzdienst zieht es ihn an die Universität für Bodenkultur. Pröll wird Agrarökonom. Dissertationsthema: "Entwicklungschancen der Landwirtschaft im politischen Bezirk Hollabrunn".

Bild: Pröll in Radlbrunn.(c) APA (ERNST WEISS)

Sein politischer Aufstieg

Prölls Polit-Karriere: Im Ortsbauernrat fängt alles an. Noch vor seiner Promotion heuert Pröll beim Österreichischen Bauernbund an, bald ist er wirtschaftspolitischer Referent. Dann der Aufstieg in die Landesregierung, mit gerade einmal 33 Jahren: Pröll wird Agrarlandesrat.(c) Paul Plutsch (WWW.FOTOPLUTSCH.AT)

Seine Wahlschlachten

Am 22. Oktober 1992, also vor genau 20 Jahren, wird Pröll Landeshauptmann oder "erster Diener Niederösterreichs", wie er es nennt. Heute schwer vorstellbar, aber Prölls erste Wahl wird zum Flop – Pröll verliert die absolute Mandatsmehrheit. Zehn Jahre später holt er sie zurück. Und baut sie 2008 aus: 54,4 Prozent stimmen für Prölls Landespartei – und das in einem Jahr, indem die ÖVP bei der Nationalratswahl bei 26 Prozent landet. 2013 verteidigt er die "Absolute" - trotz leichter Verluste und dem Antreten von Frank Stronach. Pröll ist jetzt mächtiger denn je – in Niederösterreich und der Bundes-ÖVP.

Seine Omnipräsenz

Pröll ist präsent, landauf und landab schüttelt er Hände und herzt die Menschen bei Kirtagen, Feuerwehrfesten - und Katastrophen, wie dem Hochwasser im April 2006 in Dürnkrut. Eine von Prölls Stärken liegt zweifellos im persönlichen Umgang mit Wählern aller Schichten. Diese Stärke soll auch da und dort Journalisten verleitet haben, das System Pröll nicht allzu kritisch zu hinterfragen.

Bild: Pröll mit einem Hochwasseropfer in Dürnkrut.(c) Apa (DRAGAN TATIC/HBF)

Pröll umgibt sich auch gerne mit Künstlern wie Manfred Deix - und lässt sich (bzw. dem Land) das auch etwas kosten: Krems etwa hat jetzt auch ein Karikaturmuseum. Prölls PR-Maschinerie inszeniert den "Landesvater" subtil als den Mann, der das heterogene Bundesland zusammenhält und ihm Identität gibt – mit der Folge (oder dem Ziel), dass mitunter für manchen Betrachter die Grenzen zwischen dem Land Niederösterreich und der ÖVP Niederösterreich verschwimmen.(c) AP (RONALD ZAK)

Sein Lieblingsbuch

Es ist Erwin Prölls berühmtester „Oneliner“: Der VP-Landeshauptmann bekennt, nur ein Buch in seinem Leben fertig gelesen zu haben, Titel: „Der Schatz im Silbersee“, Autor Karl May.(c) ORF (-)

Seine Verehrer

Ein zweites Buch hat der 65-Jährige wohl mittlerweile auch gelesen: "Erwin Pröll - Profil eines Politikers", verfasst von den Journalisten Christiane Scholler und Helmut A. Gansterer, ist stellenweise als Hommage an den Landeshauptmann zu lesen. Ein Auszug: "Im Rückblick sieht man Merkwürdiges. Niederösterreich und sein Landeshauptmann entwickelten sich fast perfekt parallel. In einem anmutigen Paarlauf ergänzten sie ihren ländlichen Ursprung mit selbstbewusster Weltoffenheit, ohne die Wurzeln zu lösen."(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Sein Polit-Freund

Die Parteifarben können sie nicht trennen: Österreichs längst dienende Landeshauptmänner, Wiens Michael Häupl (SPÖ) und eben Pröll, verbindet eine lange Freundschaft, zumal sie sich – getrennt durch Landesgrenzen – politisch auch kaum in die Quere kommen. Über die Ausweitung des Parkpickerls in der Bundeshauptstadt ist man in St. Pölten aber nicht amused.

Sein bekanntester Ausraster

Juli 1997: Burgschleinitz im Bezirk Horn feiert 30 Jahre Großgemeinde. In einer Festrede verweist ein Pfarrer aus dem Ort auf die Gehaltsunterschiede zwischen "kleinen Leuten" und "Landeshauptleuten". Daraufhin verliert Pröll völlig die Fassung: Er wirft dem Pfarrer vor, die Veranstaltung zu "versauen". Sein Gehalt rechtfertigt er damit, dass er Verantwortung trage, während der Pfarrer sich nach der Feier niederlege. Dann rät Pröll dem Geistlichen für künftige Zusammentreffen: „Legen sie sich nicht mit mir an, sonst müssen wir woanders weiterreden.“ --> zum Video

Seine Bilanz

Pröll schafft es, Infrastruktur zu schaffen. Niederösterreich wird vom rückständigen Agrar- und Industrieland zu einem Kultur-und Tourismusland und räumt 2007 den Preis für die innovativste Region Europas ab. Oftmals agiert Niederösterreich auch zunächst im Alleingang, etwa bei der Senkung der Klassenschülerzahlen. Die Schattenseiten: Niederösterreich zählt mit Kärnten zu den Schuldenkaisern der Bundesländer. Mit Wohnbaugeldern hat man sich auch gehörig verspekuliert. Und Rechnungshof-Kritik nimmt man mitunter nicht zur Kenntnis.

Sein General

Trotz aller Macht, die Erwin Pröll Freund wie Feind zusprechen, ihn halten viele für noch mächtiger: Raiffeisen-General Christian Konrad. Jahrelang herzen sich die beiden auf Festen, zumal Raiffeisen auch als äußerst potenter Financier in Niederösterreich auftritt. Doch dann der Knick: Als Pröll angeblich für die Bundespräsidenten-Wahl kandidieren will, pfeift ihn Konrad zurück. Das Verhältnis der beiden soll danach deutlich abgekühlt sein.(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Sein Umgang mit den Medien

Kritikfähigkeit zählt nicht zu Prölls Stärken, die hiesigen Medien stellen sein Nervenkostüm aber selten auf die Probe. Die Niederösterreichischen Nachrichten etwa – Raiffeisen ist dort seit einiger Zeit Miteigentümer - sind für ihre wohlwollende, mitunter ehrfürchtige Berichterstattung über den Landeshauptmann berüchtigt. Und auch dem ORF Niederösterreich ist Pröll zu Dank verpflichtet: Kein Landeshauptmann wird öfter in den „Bundesland heute“-Sendungen gezeigt als er.(c) ORF (Hans Leitner)

Seine ÖVP

In einem sind sich die meisten Beobachter einig: Gegen den Landeshauptmann in der ÖVP zu regieren, ist heute wohl schlicht unmöglich. Wohl nicht ganz zufällig sitzen vertraute Niederösterreicher wie Vizekanzler Michael Spindelegger und insbesondere Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in der Regierung. Auch Ernst Strasser, vormals Innenminister und später "Lobbyist" in Brüssel, stammt aus Prölls Stall.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wolfgang Schüssel gelingt es aber immerhin, Schwarz-Blau gegen Prölls Willen durchzusetzen. 2006 soll sich Schüssel aber an Pröll mit dem Vorschlag eines VP-Vizekanzlers und -Parteichefs Karl-Heinz Grasser die Zähne ausgebissen haben. Prölls jüngste Machtdemonstration: Im Sommer richtet er seinem Parteichef Spindelegger aus, dass eine Volksbefragung über die Wehrpflicht stattzufinden hat. Und sein Wille geschieht.(c) APA (Robert Jaeger)

Sein Sieg über Chuck Norris

Es ist eine kuriose Geschichte: Die Region Bratislava lässt über den Namen einer Fußgängerbrücke über die March ins Weinviertel abstimmen – und das Ergebnis ist: Chuck Norris, der US-Achtionheld, der nach scherzhaften Angaben seiner Fans den „kleinsten Atomkern spalten kann“ und "keine Milch trinkt, sondern Kühe kaut“. An Pröll beißt er sich aber die Zähne aus. "Es gibt sicher bessere Namen als einen amerikanischen Actionhelden", sagt Pröll – und setzt sich durch: Die Slowakei verwirft den Namen.(c) EPA (PAUL BUCK)

Sein Privatleben

Erwin Pröll ist leidenschaftlicher Radfahrer. Aber er hat auch andere Hobbys, wie aus der bereits erwähnten Biografie zu erfahren ist: "Ich beobachte gern per Feldstecher von der Terassentür aus die Vogelwelt. Besonders hat es mir ein schöner Buntspecht angetan", wird Pröll zitiert.

Bild: Erwin Pröll zeigt bei der Feier für Radfahrer Bernhard Kohl Haut. Kohl wird später des Dopings überführt. Pröll hält dennoch zu ihm.

Der 67-jährige Radlbrunner hat eine Tochter und drei Söhne und ist seit über 40 Jahren mit seiner Frau Elisabeth verheiratet.(c) APA (Hans Klaus Techt)

Sein Nachfolger?

Eine Frage klären die meisten mächtigen Politker erst sehr spät, nämlich wer ihnen nachfolgen soll. Das gilt auch in St. Pölten. Es wird zwar spekuliert, dass Landesrat Stephan Pernkopf und die ins Innenministerium nach Wien entsandte Johanna Mikl-Leitner keine schlechten Karten haben. Pröll denkt nach eigenen Angaben aber nicht an ein vorzeitiges Ende seiner nächsten Amtszeit. Trotz aller Dementis könnte sich das 2015 ändern: Dann wählt Österreich ein neues Staatsoberhaupt.(c) SCHNAbl Gerhard
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