Bucher: "Stronach kauft nach Pferden jetzt Politiker"

BZÖ-Chef Josef Bucher spricht mit der "Presse am Sonntag" über seinen Konkurrenten Frank Stronach: Er habe abstruse Ansichten, Ideen vom BZÖ geklaut und Mandatare bestochen.

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Josef Bucher – APA/ROBERT JAEGER

Herr Bucher, müssen Sie sich nicht eingestehen, dass Frank Stronach einfach das bessere Angebot hat? Den Umfragen zufolge kann er einen relativ sicheren Sitz im Nationalrat bieten.

Josef Bucher: Wenn Sie nur Geld als besseres Angebot betrachten, dann ja.

 

Kann Frank Stronach mit seinem eigenen Geld nicht machen, was er will? Als Verfechter des kapitalistischen Wirtschaftssystems müssten Sie das doch auch so sehen.

Das macht er ja zweifelsohne. Er hat Spielkapital. Ihm ist anscheinend fad und er kauft nach Pferden und Fußballern jetzt Politiker. Er verbringt nun seine Freizeit in Österreich damit, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen.

 

Aber ist es wirklich Bestechung, wenn er einem Mandatar ein Gehalt anbietet für den Fall, dass dieser kein Mandat bekommt?

Das ist in jedem Fall Beeinflussung und Bestechung und damit strafbar.

 

Der Korruptionsexperte Franz Fiedler sieht das aber nicht so.

Wenn das keine Bestechung ist, dann hat der Gesetzgeber einen Fehler gemacht. Es ist klar, dass Stronach zumindest den Versuch unternommen hat, Mandatare zu kaufen. Es gibt ja neben mir noch zwei andere Fälle, die das bei einem Notar zu Protokoll gegeben haben. In beiden Fällen ging es in etwa um eine Million Euro. Das ist in jedem Fall Beeinflussung eines Amtsträgers. Aber gut, wir können jetzt so tun, als ob das in Österreich normal wäre. Dann müssen wir uns aber auch im Klaren sein, dass wir uns international mit Sizilien den letzten Platz teilen.

 

Am 14.Februar 2012 soll Ihnen Frank Stronach 500.000 Euro angeboten haben. Wieso haben Sie das erst jetzt und nicht schon damals zur Anzeige gebracht? Das sieht schon sehr nach einer Racheaktion aus.

Er hat es angeboten. Ich habe damals gewartet, weil ich nicht wusste, ob er eine Partei gründet.

 

Wieso, glauben Sie, zieht Stronach eigentlich in erster Linie BZÖ-Hinterbänkler an?

Das müssen Sie ihn fragen. Er kriegt anscheinend keine gescheiten Leute.

 

Das Programm des BZÖ und des Team Stronach weisen ja durchaus Ähnlichkeiten auf – etwa die „Fair tax“.

Wer hat denn diese Programme in den vergangenen Jahren konkret ausgearbeitet? Das BZÖ. Stronach ist ohne Konzept und klaut Ideen des BZÖ. Stronach hat zu mir bei unserem ersten Treffen gesagt, ich sei der richtige Mann zur richtigen Zeit und ich solle Kanzler werden – und er sorgt dafür.

 

Woran ist die Kooperation letztlich gescheitert? Am Programmatischen oder am Persönlichen?

An beidem. Er hat ja auch abstruse Ansichten, was die Demokratie betrifft: Zufallsgeneratoren sollen Politiker aussuchen. Und ich lasse mir auch nicht sagen: Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln.

Stronach selbst sagt, Sie seien nicht der richtige Partner, um das politische System aufzubrechen, weil – Zitat Stronach in der „Krone“ – „der Bucher hat keine Hoden“. Wollen Sie dazu etwas sagen?

Er hat bis zum Schluss versucht, mich zu angeln. Er hat es mit Geld versucht, mit Telefonaten. Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass ich nicht käuflich bin.

 

Ist nicht das Problem, dass Stronach in einer ähnlich gelagerten Wählerklientel, bei Unternehmern beispielsweise, deswegen besser ankommt, weil er persönlich wirtschaftlichen Erfolg vorweisen kann, Sie jedoch eher als politischer Theoretiker gelten?

Wenn man als Beispiel Schloss Reifnitz nimmt, sieht man, dass Stronach rein persönlichen Vorteil daraus geschlagen hat. Versprochen war eine Manager-Akademie und hunderte Arbeitsplätze in Kärnten. Jetzt werden 80 Leute von Magna auch noch gekündigt.

 

Wieso soll man das BZÖ wählen und nicht Stronach?

Ich bescheinige ihm keine lange politische Zukunft. Ich habe aber Respekt vor seinem Alter. Da muss man Respekt haben, auch wenn es sich um die Person Frank Stronach handelt.

 

Wird Ihr Abgeordneter Stefan Markowitz auch noch zu Stronach wechseln?

Alle, die am Freitag bei unserer Klubklausur waren, haben geschworen, unseren Weg fortzusetzen. Markowitz ist eingeladen, mitzugehen.

Josef Bucher

Der BZÖ-Chef wurde am 19. August 1965 in Friesach, Kärnten, geboren. Der Touristikkaufmann führte den elterlichen Gastronomiebetrieb. Seit 2009 führt er das BZÖ und versucht, dieses „rechtsliberaler“ auszurichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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