Asyl: Lösung für minderjährige Flüchtlinge fehlt

Für die mehr als 500 Jugendlichen, die im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen leben, brachte der Asylgipfel keine Lösung. Flüchtlings-Organisationen fordern nun eine eigene Quote und mehr Geld für eine adäquate Unterbringung.

Asyl Keine Loesung fuer
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Asyl Keine Loesung fuer
Symbolbild: Kind im Flüchtlingsheim – (c) FABRY Clemens

Die Bundesländer sollen bis Ende November 1000 erwachsene Asylwerber aus dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen aufnehmen. Das wurde am Dienstag beim Asylgipfel zwischen Bundesregierung und Ländervertretern vereinbart. Doch was geschieht mit den über 500 unbegleitete minderjährigen Flüchtlingen, die derzeit in Traiskirchen untergebracht sind?

In dem gestern ausgearbeiteten Memorandum steht dazu nur so viel: "Die Bundesländer werden unbegleitete Minderjährige aus Traiskirchen ehestmöglich übernehmen." Eine konkrete Frist wird nicht genannt, ebenso fehlt eine - von Flüchtlingsorganisationen schon lange geforderte - eigene Quotenregelung für Kinder und Jugendliche.

Michael Landau, Direktor der Wiener Caritas, bewertet die Situation gegenüber dem Ö1-"Morgenjournal" am Mittwoch so: "Ich hätte mir beim Thema Minderjährige vom Gipfel mehr Tempo erwartet. Es wird zu wenig sein, geflüchtete Kinder und Jugendliche vom Großlager in Kasernen oder Container zu übersiedeln. Kinder brauchen kindgerechte Betreuung und auch eine entsprechende Tagesstruktur."

Versorgungsdefizite

Die Flüchtlingsbetreuungs-Organisationen orten aber noch weitere Missstände. So fehle etwa Geld für die Versorgung von Jugendlichen. "Es ist, das ist uns ganz klar, schwierig, für Jugendliche geeignete Plätze zu schaffen. Man braucht Vorbereitungsarbeiten, auch Personal mit der richtigen Ausbildung. Das Entscheidende ist, dass Bund und Länder die finanziellen Mittel in die Hand nehmen", betont Heinz Fronek vom Verein Asylkoordination im Ö1-Interview.

Ein Schritt in diese Richtung scheint sich nun abzuzeichnen. VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner will offenbar Gespräche mit den Jugendwohlfahrtsreferenten der Bundesländer führen. Auch hatte sie nach dem Asylgipfel am Dienstag eine Erhöhung der Grundversorgung für Minderjährige nicht ausgeschlossen und ein Gespräch "in den nächsten Tagen" angekündigt.

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"Es gibt keine halben Kinder"

Derzeit werden pro Minderjährigem je nach Alter zwischen 1110 und 2250 Euro monatlich zur Verfügung gestellt - für Unterkunft, Versorgung und Betreuung. Zum Vergleich: Heimkindern aus Österreich werden meist rund 4500 Euro zur Verfügung gestellt. Fronek: "Wir haben die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet, wir haben die Kinderrechtskonvention unterzeichnet, das heißt, es geht nicht um Almosen, sondern es geht um ein Recht, das diese jungen Menschen hier in Österreich haben."

Auch Michael Chalupka, Direktor der evangelischen Diakonie, kritisiert die fehlenden Ressourcen. Die vorgesehenen 2250 Euro würden nicht ausreichen, da die Kinder oft traumatisiert wären und eine spezielle Betreuung benötigten. "Wir brauchen hier die gleiche Qualität der Betreuung, wie wir sie für österreichische Kinder auch hätten. Es gibt keine halben Kinder, wie es Christian Moser von SOS-Kinderdörfer gesagt hat. Die brauchen ein Bett, und kein halbes. Die essen auch nicht die Hälfte, die brauchen auch nicht einen halben Betreuer, sondern einen."

Minderjährige Asylwerber

Gemäß einer Grundsatzvereinbarung zwischen Bund und Ländern sollten minderjährige Flüchtlinge ohne erwachsene Begleitperson erst gar nicht in den Erstaufnahmezentren Traiskirchen (NÖ) und Thalham (OÖ) untergebracht werden. Tatsächlich sind laut VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner derzeit aber 580 unbegleitete Minderjährige in dem mit 1500 Asylwerbern überfüllten Flüchtlingslager Traiskirchen untergebracht.

(Red.)

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