Nahost-Konflikt: Erster Luftalarm in Tel Aviv seit 1991

Eine vom Gazastreifen aus abgefeuerte Rakete stürzte in der Nähe der Großstadt ins Meer. Israel setzt seine Offensive "Säule der Verteidigung" fort.

Gewalt im Nahen Osten: Luftalarm in Tel Aviv
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Gewalt im Nahen Osten: Luftalarm in Tel Aviv
Aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete – EPA

Die jüngste Welle der Gewalt zwischen Israel und Palästinensern hat die israelische Großstadt Tel Aviv erreicht. Dort wurde am Donnerstag Luftalarm ausgelöst - zum ersten Mal seit 1991. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete sei ins Meer gestürzt. Kurz vor dem Alarm war eine weitere Rakete etwa zwölf Kilometer südlich vom Zentrum der Mittelmeermetropole eingeschlagen.

Die israelische Luftwaffe verstärkte nach den Raketenangriffen ihre Bombardements im Gazastreifen. Wie die israelische Armee erklärte, wurden binnen einer Stunde etwa 70 Ziele im Gazastreifen beschossen. Laut der radikalislamischen Hamas wurden dabei mindestens drei Palästinenser getötet.

Bereits in der Nacht auf Donnerstag hatte die Luftwaffe ihre massiven Luftschläge im Gazastreifen fortgesetzt. Eine Armeesprecherin sagte, etwa 100 Ziele seien seit Mitternacht angegriffen worden. Seit Beginn der Militäroperation am Mittwoch seien 15 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Safa. Unter den Toten waren den Angaben zufolge auch drei Kinder und eine schwangere Frau.

Militante Palästinenser feuerten wiederum seit Mittwochabend Dutzende Raketen in Richtung Israel ab. Laut einem israelischen Rundfunkbericht traf am Donnerstag eine vom Gazastreifen abgefeuerte Rakete ein Wohnhaus und tötete drei Menschen. Es war der erste Bericht über Todesopfer in Israel seit dem Start der Offensive "Säule der Verteidigung".

''Säule der Verteidigung'': Israels Offensive gegen die Hamas

Hamas schwört Rache

Die israelische Luftwaffe hatte am Mittwoch gezielt den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Jabari, und seinen Assistenten getötet. Er sei der "Terrorist Nummer eins" der Region gewesen. Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von al-Jabari eine "Kriegserklärung" und kündigte Rache an. Am Donnerstagnachmittag wiederholte der Anführer der radikal-islamischen Hamas, Khaled Mashaal, seine Warnung: "Männer und Frauen in Palästina - wir werden den Widerstand fortsetzen", kündigte er an.

Die Vereinten Nationen warnten nach der Eskalation im Nahen Osten vor "möglicherweise katastrophalen Folgen". Die Situation dürfe nicht unterschätzt werden, sagte Jeffrey Feltman, UNO-Untergeneralsekretär für Politische Fragen, in einer Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats in New York. Diplomaten berichten, dass große Einigkeit im Rat geherrscht habe und die Lage als höchst bedrohlich eingeschätzt werde.

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Waffenstillstand nicht in Sicht

Ein Ende der Gewalt ist vorerst nicht in Sicht. Nach den Worten von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu könne die Militäroperation im Gazastreifen im Bedarfsfall sogar noch ausgeweitet werden. Er betonte in einer Fernsehansprache: "Die Offensive wird nicht schnell beendet." Das israelische Militär erklärte am späten Mittwochabend, alle Optionen lägen auf dem Tisch. Die Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.

Die Hamas schloss am Donnerstag eine Waffenstillstands-Vereinbarung zum momentanen Zeitpunkt aus. "Wir werden uns nicht weiteren Tricks der Besatzung aussetzen", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhriam. "Wir betrachten Gespräche über eine Feuerpause derzeit als Versuch, mehr Deckung für die Fortsetzung der Eskalation im Gazastreifen zu erhalten." Zuhri warf Israel vor, "einen offenen Krieg gegen unser Volk und unseren Widerstand im Gazastreifen" begonnen zu haben.

Die neue Welle der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde.

Trauerzug für Hamas-Militärchef

Tausende Palästinenser versammelten sich unterdessen, um dem Leichnam von Ahmed al-Jabari das letzte Geleit zu geben. Der Trauerzug führte in die Al-Omari-Moschee, wo Gebete für den Toten gesprochen wurden. Anschließend sollte al-Jabari beigesetzt werden. Es wurde erwartet, dass ranghohe Hamas-Mitglieder aus Sorge um ihre Sicherheit dem Begräbnis fernbleiben.

(Red./APA/dpa/Reuters/AFP)

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