Arabische Welt solidarisch mit der Hamas

Hohe Besuche aus Kairo und Tunis geben Palästinensern Rückendeckung.

Arabische Welt solidarisch Hamas
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Arabische Welt solidarisch Hamas
(c) REUTERS (AMR ABDALLAH DALSH)

Der jüngste Raketenlärm war gerade erst verklungen, als sich der tunesische Außenminister Rafik Abdessalem am Samstag zu einer heiklen Mission nach Gaza-Stadt aufmachte. Nur Stunden, nachdem Israel dort den Regierungssitz der Hamas in den frühen Morgenstunden zerbombt hatte, besuchte Abdessalem das völlig zerstörte Gebäude. „Was Israel tut, ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar“, sagte er auf den Trümmern des Amtssitzes von Hamas-Premier Ismail Haniyeh stehend. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht.

Es war nicht der erste Solidaritätsbesuch eines arabischen Regierungsmitglieds im Gazastreifen: Schon am Freitag hatte sich der ägyptische Ministerpräsident Hisham Kandil zu einem diplomatischen Nervenspiel nach Gaza-Stadt aufgemacht. Ein ursprünglich für die Visite geplanter Waffenstillstand wurde nicht eingehalten. Wie tags zuvor Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, der von einer „inakzeptablen Aggression“ gegenüber Gaza gesprochen hatte, vermied auch er vorerst eine verbale Eskalation. Aus seiner Umgebung verlautete, Kairo wolle auf keinen Fall weiteres Öl ins Feuer gießen. In einer improvisierten Pressekonferenz versprach er jedoch, dass Ägypten alle Anstrengungen unternehmen und auch Opfer bringen werde, um die Aggression Israels zu stoppen und einen Waffenstillstand zu erreichen. Ägypten werde alles tun, einen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt zu erreichen.


Muslimbrüder an der Macht. In beiden Vorreiternationen des Arabischen Frühlings, Tunesien und Ägypten, sind nach den ersten demokratischen Wahlen die Muslimbrüder an der Macht, die sich mit der Hamas-Bewegung religiös-ideologisch eng verbunden fühlen. „Israel muss verstehen, dass es nicht mehr länger einfach tun kann, was ihm beliebt“, warnte Abdessalem gegenüber dem arabischen Sender al-Jazeera. Die arabische Welt habe sich durch den Sturz der alten Regime grundlegend verändert. Doch nicht nur Tunesien und Ägypten, auch die Türkei hat bereits deutlich ihre Unterstützung für die Hamas kundgetan. Der gewohnt Israel-kritische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan will für mehr internationalen Rückenwind für die Palästinenser werben. Außenminister Ahmet Davutoğlu bezeichnete das Vorgehen Israels als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Am gestrigen Samstag reiste Erdoğan zu länger geplanten Gesprächen nach Kairo.

An einer Eskalation der Lage ist der arabischen Welt aber nicht gelegen: Bei einem kurzfristig einberufenen Treffen der Arabischen Liga wollten sich die Außenminister Angaben von Diplomaten zufolge dafür aussprechen, einen von Ägypten in den vergangenen Tagen forcierten Waffenstillstand am Gazastreifen zu unterstützen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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