Abdullah-Zentrum: Anzeige und Proteste zur Eröffnung

Demonstranten vor der Hofburg orten eine "Schande für Österreich" und einen Kniefall vor dem saudischen Regime. Spindelegger ist dagegen "stolz".

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KAICIID-Generalsekretär Faisal Abdulrahman Bin Muaammar und Vize Claudia Bandion-Ortner

Am Tag der Eröffnung des Abdullah-Zentrums für Interreligiösen Dialog (KAICIID) in Wien hagelt es Proteste. Gegner brachten auch eine Strafanzeige wegen Steuerdelikten beim Ankauf des künftigen Amtssitzes der internationalen Organisation im Wiener Palais Sturany ein.

Bei einem Festakt in der Hofburg am Montagabend werden unter anderem UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und die Außenminister der Gründerstaaten Österreich, Spanien und Saudi-Arabien erwartet. Ban traf am Montag VP-Außenminister Michael Spindelegger und Bundespräsident Heinz Fischer zu einem Gespräch. Spindelegger betonte in einer Rede im Parlament, Österreich könne "stolz" sein, dass ein Zentrum für den Dialog der religiösen Führer in Wien seinen Sitz habe.

Das Zentrum ist laut seiner Satzung der Verständigung der Religionen verschrieben. Kritiker orten Heuchelei, da im sunnitischen Saudi-Arabien keine Toleranz gegenüber anderen Religionen herrscht und die Verfolgung von Christen an der Tagesordnung steht.

Die Anzeige wegen Steuerdelikten wurde im Auftrag der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI) und der Gruppe "Religion ist Privatsache" eingebracht. Konkret geht es um den Vorwurf, Saudi-Arabien soll beim Ankauf des Palais Sturany als Amtssitz für die internationale Organisation zu Unrecht von der Grunderwerbssteuer befreit worden sein. Eine entsprechende Verbalnote des Außenamtes sei nicht rechtlich gedeckt gewesen und habe die Republik um bis zu 700.000 Euro an Steuereinnahmen gebracht.

Aus dem Außenministerium heißt es, der saudische König Abdullah habe das Palais gekauft, als ausländisches Staatsoberhaupt sei er internationalen Gepflogenheiten entsprechend von der Steuer befreit.

"Symbolischer Hungerstreik"

Vor der Eröffnung kam es zu Protesten. Die Liberalen Muslime organisierten eine Mahnwache vor der Hofburg inklusive eines "symbolischen Hungerstreiks" gegen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien. Es sei eine Schande für Österreich und Spanien, undemokratische Regime wie jenes in Saudi-Arabien wegen der Aussicht auf "Petro-Dollars" zu unterstützen, so die Gruppe.

Die Grünen wollten am Abend vor der feierlichen Eröffnung eine Kundgebung abhalten. Die Bundesregierung müsse naiv sein, wenn sie glaube, Saudi-Arabien kaufe ein Ringstraßen-Palais "der guten Sache wegen", sagte die grüne Abgeordnete Alev Korun. Denn zugleich würden überall in Europa mit saudi-arabischem Geld wahhabitische Moscheen finanziert. Auch auf das Wiener Zentrum werde Saudi-Arabien überproportionalen Einfluss haben und es für seine Zwecke nutzen. Die Kritik Koruns richte sich auch gegen die ÖVP. Diese habe dafür geworben, das Abdullah-Zentrum nach Wien zu holen und Kritik daran in den Wind zu schlagen.

--> Dialog in Wien, geschlagene Christen in Saudiarabien

Der Freidenkerbund richtete eine Protestnote an die Regierung. Mit dem Zentrum werde Islamisten eine Plattform gegeben, die diesen für "undemokratische Umtriebe und Missionierung" diene. Statt dem KAICIID solle ein Sir-Karl-Popper-Zentrum gegründet werden, um eine offene Gesellschaft zu propagieren.

Das Abdullah-Zentrum hielt vor der Eröffnungsfeier im Wiener Hilton-Hotel eine Symposion ab, bei dem internationale Erfolgsmodelle für den interreligiösen Dialog besprochen werden sollten. Nach Angaben der Organisatoren fanden sich rund 800 Teilnehmer aus aller Welt dazu ein. Der Rabbi David Rosen, der als Vertreter des Judentums in dem neunköpfigen Direktorium des Zentrums Platz nehmen wird, verteidigte gegenüber dem "Standard" die neue Einrichtung. An das Geld aus Saudi-Arabien seien keine Bedingungen geknüpft, es gelte vielmehr, die Beziehungen des Islam zur modernen Welt zu verbessern.

Unterdessen versicherte der saudische Kronprinz Salman laut staatlichen Medien, der Namensgeber des Wiener Zentrums, der rund 87-jährige König Abdullah, befinde sich in stabilem Gesundheitszustand. Er war zuvor am Rücken operiert worden.

(APA)

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