Karriere mit 23: Wegen Haider zu den Grünen

Der 23-jährige Kärntner Julian Schmid wurde beim Bundeskongress der Grünen am Wochenende auf Platz acht der Bundesliste für die Nationalratswahl 2013 gewählt - das überraschte nicht nur ihn selbst.

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(c) Die Grünen

Linz/Wien. Zehn grüne Delegierte hatten sich beim Bundeskongress am Wochenende um Platz acht der Liste für die Nationalratswahl 2013 beworben, darunter auch Sozialsprecher Karl Öllinger und Behindertensprecherin Helene Jarmer. Das Rennen machte aber der jüngste der Kandidaten: Julian Schmid, ein 23-jähriger Kärntner und Bezirksrat in Wien Wieden.

Das Ergebnis überraschte nicht nur ihn, denn bisher war Schmid unter den Grünen recht unbekannt. „Was, du warst Schulwart?“, wurde er etwa am Samstag von einer Delegierten gefragt, nachdem er von seinem Werdegang in der Partei erzählt hatte.

Die Geschichte ging dann doch etwas anders: Als Schmid 13 Jahre alt war, kam der damalige Kärntner Landesschulratspräsident Jörg Haider in seine Schule – „mit fünf Bodyguards, ein ziemlich martialischer Auftritt“. Schmid verteilte an dem Tag Anti-Schwarz-Blau-Aufkleber – und sein Schulwart riss sie ihm von der Jacke mit den Worten: „Das geht nicht, das ist gefährlich für die Schule.“ „Da habe ich mir gedacht: Wenn Meinungsfreiheit gefährlich ist, muss sich was ändern – und bin zu den Grünen“, erzählt er.

Der Rest seines Lebenslaufes klingt relativ typisch für einen Grün-Aktivisten: Schmid war Landesschulsprecher, begann ein Politikwissenschaftsstudium in Wien und organisierte die „Uni brennt“-Proteste im Jahr 2009. „Aber ich weiß auch was Regierungspolitik bedeutet“, meint er. Schließlich sei er auch Landesvorstand bei den Wiener Grünen. Nun will er in den Nationalrat – mit 23 Jahren nicht noch etwas zu jung? „Nein. Denn ein Mandat ist bei den Grünen kein Belohnungssystem für langjährige Verdienste. Es ist dazu da, die Bevölkerung zu vertreten.“ Und ein großer Teil davon sei eben unter 25. Konzentrieren will er sich vor allem darauf, „dass die Generation Praktikum Geschichte ist“. Wie genau, steht noch nicht ganz fest: „Einerseits muss man das Problem thematisieren, andererseits bessere Gesetzesregelungen schaffen.“

Etwas hat Schmid übrigens mit Haider gemeinsam: Nach der Wahl wurde er von seinen Grün-Kollegen auf den Schultern getragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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