Mensdorff: ''Der Jäger'' im Visier der Justiz

Seit Mitte Dezember geben sich Ernst Strasser und Alfons Mensdorff-Pouilly die Klinke im großen Schwurgerichtssaal am Wiener Straflandesgericht in die Hand. Zwei Wochen nach dem Prozess gegen den Ex-Innenminister startete das Verfahren gegen den Lobbyisten. Mensdorff ist wegen Geldwäscherei, Falschaussage im U-Ausschuss und Vorlage eines verfälschten Beweismittels angeklagt. Es drohen bis zu fünf Jahre Haft.(c) APA (HELMUT FOHRINGER)

Die Staatsanwaltschaft formuliert den Verdacht gegen den Waffenlobbyisten so: "Alfons Mensdorff-Pouilly soll in den Jahren 2000–2008 in Summe rund 12,6 Millionen Euro erhalten haben, die zuvor unter Verwendung von Scheinverträgen aus dem Vermögen der BAE Systems abgezogen wurden. [...] Mit dem Geld sollten vermutlich in Zentral- und Osteuropa Entscheidungsträger bestochen werden, um Waffengeschäfte für das Unternehmen zu erlangen.“ Allerdings: "Die tatsächliche Verwendung des Geldes konnte nicht geklärt werden.“(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Mensdorff bestreitet alle Vorwürfe. Der 59-Jährige beschreibt sich selbst gerne als einfachen Bauern. Er besitzt unter anderem ein Anwesen im burgenländischen Luising mit Jagd- und Forstbetrieb, ebenso wie ein Schloss in Schottland samt Jagdrevier. Mensdorff ist Präsident des Österreichischen Wildegehege-Verbandes und Obmann des Verbands land- und forstwirtschaftlicher Gutsbetriebe im Burgenland.(c) AP (Ronald Zak)

Bei Mensdorffs Jagdveranstaltungen sind auch Politiker, Beamte und Industrielle gerne gesehene Gäste - was im jüngsten Korruptions-U-Ausschuss ausführlich Thema war. Mensdorff selbst entschlug sich dort der Aussage. Ein früherer Motorola-Mitarbeiter gab im Ausschuss übrigens den - eher weniger originellen - Codenamen für Mensdorff bei Motorola preis: "Der Jäger".(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)

Der "Graf" mit Verwandtschaftsverhältnissen zu Adelshäusern wie den Windsors verdiente sein Geld in den 1980er Jahren auch mit dem Handel von Hühnern und dem Verkauf von Wildbretdosensuppen. Seine Beraterfirma MPA gründete er 1988.(c) APA HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

1992 schloss Mensdorff einen Beratervertrag mit dem BAE Systems, dem größten Rüstungskonzern Europas. Eingefädelt wurden das von dem Briten Timothy Landon, Ehemann einer Cousine Mensdorffs und ehemaliger Geheimagent (Beiname "Weißer Sultan"). Mensdorff sollte fortan weltweit Waffengeschäfte für BAE einfädeln.(c) REUTERS (NIGEL RODDIS)

Beim Lobbying in Österreich halfen "Graf Ali", wie ihn Freunde nennen, auch seine guten Kontakte zur ÖVP - nicht zuletzt dank seiner Ehe mit Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Die 12,6 Millionen Euro, um die es im Verfahren geht, sollen über Scheinfirmen geflossen sein, getarnt durch Scheinverträge: Laut Anklage lieferte Mensdorffjahrelang über die Valurex International SA mit Sitz in Panama Berichte an BAE, die seine Beratertätigkeit legitimieren sollten. Diese Berichte seien aber inhaltsleer und nicht annähernd so viel Geld wert gewesen. Verfasst haben soll sie Josef Bernecker, damals pensionierter Chef der österreichischen Luftwaffe.(c) Presse (Fabry)

Bernecker ist im Vorjahr gestorben. Auch Mensdorff-Mentor Landon kann im Prozess nicht mehr aussagen, er starb bereits 2007.(c) REUTERS (DAVID MOIR)

Mensdorff wird auf "nicht schuldig" plädieren. Mit ihm angeklagt ist Bankfachmann Kurt D. Er soll regelmäßig BAE-Gelder im Auftrag Mensdorffs weiterverteilt haben.

Bild: Mensdorffs Anwalt Harald Schuster (c) APA (RENE VAN BAKEL)
Kommentar zu Artikel:

Mensdorff: ''Der Jäger'' im Visier der Justiz

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.