Sorger: „Koch soll beim Heer auch Koch sein“

Die ÖVP hat noch kein Konzept für die Wehrpflicht. Dafür hat der Chef ihres Personenkomitees eines. Sorger schlägt einen „Talentecheck“ für Rekruten vor.

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Veit Sorger – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Veit Sorger ist Vorsitzender des unabhängigen ÖVP-Personenkomitees für die Wehrpflicht. Ob es ihn nicht stört – vor allem für die Argumentation in der Öffentlichkeit –, dass die ÖVP noch kein eigenes, ausgegorenes Konzept für die Wehrpflicht, sollte sie bestehen bleiben, vorgelegt hat? „Das ist Sache der ÖVP. Ich bin nicht der ÖVP-Sprecher. Aber es ist nicht notwendig, ein völlig neues System zu erfinden“, antwortet Sorger diplomatisch. Unbestritten sei aber, dass es „viele Schwachstellen“ gebe – „und die gehören eliminiert“.

Veit Sorger hat sich über die Reform des Grundwehrdiensts jedenfalls bereits seine Gedanken gemacht. Wobei er vorwegschickt: „Das derzeitige Mischsystem aus Rekruten, Milizsoldaten, Profisoldaten und Zivildienern hat sich bewährt und ist einem reinen Berufsheer weit überlegen.“

Allerdings, so der frühere Präsident der Industriellenvereinigung, sei der „Leerlauf“ ein unbestrittenes Problem: „Es gibt die Pflicht für die jungen Bürger, Mitverantwortung für die Sicherheit Österreichs zu tragen. Dieser Pflicht muss künftig aber auch das Recht gegenüberstehen, beim Bundesheer bestmöglich nach den eigenen Neigungen und Interessen eingesetzt zu werden.“

Sorger schlägt einen „Talentecheck“ beziehungsweise eine „Potenzialanalyse“ vor, mit deren Hilfe die Fähigkeiten, Talente und Interessen der Rekruten herausgearbeitet werden sollen – was diese dann auch zur beruflichen Orientierung verwenden könnten.

Lkw-Führerschein beim Heer

Wer sich diesbezüglich schon orientiert hat, der soll beim Heer entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt werden. Konkretes Beispiel: Nur gelernte Köche sollen beim Bundesheer künftig als Köche arbeiten – und nicht wie bisher unerfahrene Grundwehrdiener als „Systemerhalter“ dafür angelernt werden. Weiterhin sollen Rekruten aber die Möglichkeit haben, im Rahmen einer Ausbildung zum Kraftfahrer den entsprechenden Führerschein zu erwerben. Gefördert werden sollen auch Spezialisierungen in den Bereichen Katastrophenhilfe, IT und Technik. Auch Fremdsprachenangebote soll es geben. „Die jungen Leute sollen die Zeit beim Heer so nutzen können, dass sie auch etwas davon haben“, meint Sorger.

Der Fokus der militärischen Ausbildung an sich soll auf der Katastrophenhilfe sowie im Gebäude- und Raumschutz liegen. Dies seien die wahrscheinlichsten militärischen Einsatzszenarien im Inland.

Schwerpunkt Sport und Gesundheit

Zudem sollen die vier Monate nach der Grundausbildung für Sportschwerpunkte genützt werden. Das sportliche Programm soll Wettbewerbscharakter haben. Neben der Förderung körperlicher Leistungsfähigkeit sollen gesundheitspolitische Zielsetzungen im Mittelpunkt stehen, unter spezieller Berücksichtigung des Themas Ernährung. Umfassend sollen die Grundwehrdiener auch in Erster Hilfe und im „ABC-Schutz“ ausgebildet werden. So würden diese später auch zu professionellen Helfern bei Feuerwehren und anderen Rettungsorganisationen.
Die beim Bundesheer erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen sollen in einem „Kompetenznachweis“ dokumentiert werden, der dann auch bei Bewerbungen verwendet werden kann.

Kann sich Veit Sorger auch vorstellen, dass Grundwehrdiener künftig einen höheren Sold bekommen sollen? „Das wird eine Frage des Budgets sein. Wir wissen, dass die Bezahlung der Grundwehrdiener keine übliche ist. Aber wir wissen auch, dass diese sechs Monate ein Dienst an der Gemeinschaft sind. Und das ist ja auch der Sinn, dass man sagt, für eine gewisse Zeit kann auch ein junger Mensch seine Zeit in den Dienst der Zivilgesellschaft stellen.“

Misstrauen in Umfragen

Eigentlich könnte sich Sorger ja schon entspannt zurücklehnen. Allen Umfragen zufolge ist eine klare Mehrheit für die Wehrpflicht. „Ich bin immer ein bisschen skeptisch bei Umfragen. Aber es ist interessant, dass sich doch sehr viele sozialdemokratische Persönlichkeiten für die Beibehaltung der Wehrpflicht aussprechen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

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