Mensdorffs Geldbote holte Millionen in Kuverts ab

Im Geldwäscherei-Prozess gegen den "Grafen" hat am Donnerstag ein früherer Vermögensverwalter ausgesagt.

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Mensdorffs Geldbote holte Millionen in Kuverts ab
Alfons Mensdorff-Pouilly – APA/HELMUT FOHRINGER

Im Prozess gegen Alfons Mensdorff-Pouilly und den mitangeklagten Kurt D. ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht der erste Zeuge vernommen worden. Alexander F., ein mittlerweile pensionierter Vermögensverwalter, sagte aus, für die beiden Angeklagten "Botengänge und Quittierungsdienste" geleistet zu haben. In Kuverts trug er insgesamt an die vier Millionen Euro zum "Grafen".

Exakt 27 Mal legte der Mann auf Ersuchen von Kurt D. die zehn Minuten lange Strecke von einem Wiener Bankhaus zum Büro Mensdorff-Pouillys zurück, wo er vereinbarungsgemäß die Geldkuverts auf einem Schreibtisch ablegte. Der Vorwurf der Anklage: D. habe die Millionen auf Betreiben von Mensdorff-Pouilly von den Konten einer karibischen Briefkastenfirma nach Wien geschleust haben, damit dieser das Geld als Berater des Rüstungskonzerns BAE Systems als Bestechungsgelder einsetzen konnte.

Von der Vielzahl der Botengänge gab sich Alexander F. vor Gericht erstaunt: "Das ist mehr, als ich gedacht hätte. Ich bin überrascht. Ich nehme an, dass der Herr Staatsanwalt richtig recherchiert hat." Er sei "von einer Handvoll Übergaben" ausgegangen.

Im Schnitt habe er 100.000 Euro transportiert, und zwar nicht in einem kleinen Koffer, wie der Staatsanwalt zuvor wiederholt anklingen hatte lassen. Dafür gebe es schließlich "Kuverts von unauffälliger Größenordnung", stellte der Zeuge klar. Es habe sich auch nicht um "hohe Beträge", sondern "relativ hohe Beträge" gehandelt, korrigierte er Richter Stefan Apostol: "100.000 Euro sind auch viel Geld für mich. Aber aus meiner beruflichen Tätigkeit heraus habe ich da nicht mit den Ohren gewackelt."

In der Bank sei immer alles bestens vorbereitet worden. Er habe mit seinem Wagen stets im Parkverbot vor der Bank Halt gemacht ("Das ging immer sehr schnell, daher sind keine Kosten für das Falschparken entstanden"), die Kuverts rasch an sich genommen und zu Mensdorff gebracht, der "ein alter Freund der Familie" sei: "Er hat schon mit meinem Vater gejagt." Mensdorff sei ihm aber nicht besonders vertraut: "Was er genau gemacht hat, habe ich nicht gewusst. Es hat immer geheißen, er ist ein Lobbyist."

"Nie gefragt, wofür das Geld bestimmt war"

Er habe nie gefragt, wofür das Geld bestimmt sei. Auch die Herkunft habe ihn nicht interessiert. Er habe "aus Freundschaft" gehandelt und sich "nichts dabei gedacht", sagte Alexander F.

Die nahe liegende Frage, weshalb sich Mensdorff-Pouilly des 71-Jährigen bediente, obwohl das betreffende Bankhaus nicht weit von seinem Wiener Büro entfernt liegt, hatte der "Graf" im Ermittlungsverfahren damit beantwortet, sein Gesicht sei schon damals recht bekannt gewesen. Er habe mit seiner "Fresse" nicht regelmäßig in der Bank in Erscheinung treten wollen.

Die Verhandlung wird am 8. Jänner mit der Befragung von Mark Cliff fortgesetzt. Der Steuer- und Finanzberater, der auch das beträchtliche Privatvermögen des Mensdorffs-Mentors Timothy Landon verwaltet hatte, gilt als Kronzeuge der Anklage. Er hatte gegenüber dem britischen Serious Fraud Office hinsichtlich der Machenschaften bei BAE Systems ausgepackt, wo der Wiener Staatsanwalt Michael Radasztics eine auf Korruptionszahlungen ausgerichtete kriminelle Organisation ortet.

(APA)

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