''Wer sudert, wird pudert'': Wenn Bundesheer-Ausbildner ausrasten

Hunderte Beschwerden werden jährlich von der zuständigen parlamentarischen Kommission des Bundesheers dokumentiert. Die Palette reicht von Beschimpfungen der Grundausbildner über Schikanen, unangemessene Berührungen bis hin zu schlechter medizinischer Betreuung. DiePresse.com gibt einen Überblick über die schlimmsten Entgleisungen der vergangenen Jahre.

''Du fahrst wie a Tschusch''

Unter "unangebrachte Ausdrucksweisen" wird im Jahresbericht für 2013 unter anderem vermerkt:

Auf eine Frage im Zuge einer Dienstfahrt zeigte ein Unteroffizier dem Rekruten den gestreckten Mittelfinger und kommentierte dessen Fahrweise mit den Worten: "Du fahrst wie a Tschusch!".

Ein Vizeleutnant brachte seine Unzufriedenheit über mangelnde Dienstleistungen von Grundwehrdienern u.a. mit den Worten "De zwa san zum Scheißen z`deppat!" zum Ausdruck.

Im Zuge eines informellen Zusammenseins in der Kaserne sagte ein Unteroffizier zu einem zum Islam konvertierten Kompaniekommandanten: "Wir kriegen Sie schon wieder in die richtige Richtung. Ein Schweinsbraten und ein Bier - und Sie sind wieder normal. Und wenn ich Sie in Schweinefett einreiben muss, wir polen Sie schon wieder um."

Mentos zum Abendessen

Im Rahmen eines 24-Stunden-Kampftages mit hohen physischen und psychischen Belastungen erhielten Rekruten bei der Abendverpflegung nur eine Dose Fisch, zwei Scheiben Brot und eine Packung Mentos.

Zu Ungleichbehandlung zwischen Kader und Grundwehrdienern ist es während einer fünftägigen Übung gekommen. So erhielt der Bataillonsstab beispielsweise beim Frühstück Kornspitz, Topfengolatschen, Kipferl sowie drei bis vier verschiedene Sorten Wurst und Käse offeriert. Die Rekruten mussten mit zwei Semmeln und Brot, fünf Gramm Extrawurst, drei Gramm Emmentaler und Eckerlkäse vorlieb nehmen, wobei Brot und heißer Tee tagsüber zeitweise nicht verfügbar waren.

(2013)

Überlaufende Gullys

Im Rahmen einer Überprüfung vor Ort nach einer Beschwerde eines Soldatenvertreters einer Kompanie fand die Kommission u.a. folgendes vor:

"Überlaufende Gullys in Sanitärbereichen führen vor allem bei gleichzeitiger Benutzung von Waschbecken und Duschen zum Austritt von Fäkalien durch verstopfte Abflussleitungen."

"Für das Duschen von 130 Soldaten stehen nur 14 Brauseköpfe zur Verfügung, wobei nur die ersten Soldaten in den Genuss von Warmwasser kommen."

"Gerade in einer der kältesten Perioden im Winter 2013 mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich sind über Tage hinweg die Unterkünfte aufgrund von Heizungsausfällen nicht beheizbar."

(2013)

''I reiß da in Sack aus''

Im Zuge der Grundwehrdiener-Ausbildung tätigten Unteroffiziere dem Bericht zufolge wiederholt Aussagen wie "I reiß da in Sack aus und scheiß da in Hals hinein!" oder "Ich bin umgeben von Vollidioten". Auch die Intelligenz der Rekruten wurde von Ausbildner recht derb in Zweifel gezogen: "Du hast einen Intelligenzquotienten wie eine Bodenfliese", "Sautrottel" oder "Depp" umfasste hier das Repertoire an "unangebrachten Ausdrucksweisen", wie es im Bericht heißt. Auch Drohungen kamen vor: "Ich werde euch wetzen, bis ihr Blut speibts". (2011)

''Wer sudert, wird pudert''

Auch aus der Werbung nahmen Ausbildner Anleihe: Rekruten, die wegen einer Stehbefreiung bei der Exerzierdienstausbildung einen Sessel mitnehmen mussten, wurden "Möbelixkompanie" genannt. Beschwerden wurden mit derben Sätzen wie "Wer sudert, wird pudert" zurückgewiesen. Ein Vizeleutnant sagte auch: „Ich bin hier der Diktator, und ich entscheide.“(2011)

''Kameltreiber''

Gegenüber einem Rekruten mit ägyptischem Migrationshintergrund gebrauchte der Zugskommandant häufig den Ausdruck "Kameltreiber". Die Kanzlei, in der der Rekrut als Schreiber tätig war, betrat der Zugskommandant mit der Begrüßungsformel: "In dieser Kanzlei stinkt's wie in einem arabischen Puff!"(2010)

''Wo ist mein Neger?''

Wegen seiner Ungeschicklichkeit bei der Erledigung von alltäglichen Dienstverrichtungen wurde ein Rekrut von seinem Vorgesetzten als "Wiener Zentralheizungskind" bezeichnet und mit den Worten "Wo ist mein Neger?" zur Verrichtung von Arbeiten aufgefordert. (2006)

''Baujahr 1941, das is' halt noch was G'scheits!''

Bei der Einnahme des Mittagessens im Rahmen einer Gefechtsausbildung wurde von einem Unteroffizier ein Löffel mit Hakenkreuz- und Reichsadlerprägung und den begleitenden Worten "Burschen, der Löffel ist Baujahr 1941, das is' halt noch was G'scheits!" herumgereicht. (2005)

Fünf Tage mit gebrochenem Arm

Aufgrund einer Fehleinschätzung eines Truppenarztes wurde einem am Unterarm verletzten Soldaten der Gang zur Röntgenuntersuchung trotz starker Schmerzen und der Bitte um diese Untersuchung verwehrt. Fünf Tage später meldete sich der Soldat erneut, erst danach wurde eine Untersuchung im Heeresspital durchgeführt. Dabei wurde dann der Bruch des Speichenknochens festgestellt. (2010)

''Depperter als die Schafe in der Krippe''

Wenig Verständnis für Fehlverhalten von jüngeren Kadersoldaten hatte ein Unteroffizier: "Ihr seid depperter als die Schafe, die sie zu Weihnachten in die Krippe stellen." (2009)

Gelsenstiche

Rekruten mussten wegen Fehlverhaltens 3 Minuten lang in Grundstellung ausharren und sich von Gelsen stechen lassen. Sobald sich einer wegen eines Gelsenstiches bewegte, wurde die Zeit von neuem eingestellt. Insgesamt waren die Rekruten rund 20 Minuten den bissigen Insekten ausgesetzt. (2009)

Hoden wegen Diagnoseirrtums entfernt

Wegen eines tragischen Diagnoseirrtums sowohl eines Heeresvertragsarztes als auch ziviler Ärzte wurde einem Gefreiten ein Hoden entfernt. (2007)

''Hitler hat auch nicht aufgegeben''

Bei der Durchführung von Liegestützen wollte die beaufsichtigende Charge einen Rekruten mit den Worten "Hitler, Stalin, Mussolini und Napoleon haben auch nicht aufgegeben!" zum Durchhalten und somit zum erfolgreichen Abschluss der Übung motivieren. (2006)

''Es seids solche Hurenkinda''

Unteroffiziere forderten laut Bericht diszipliniertes Verhalten von Grundwehrdienern regelmäßig mit "Äußerungen" wie den folgenden ein: "I reiß euch alle miteinander den Oarsch auf!", "I zah' eam persönlich auf den Eiern durch den Ort!", "Es seids solche Hurenkinda! Wisst's des?", "Rekrut Dämlich". (2010)

''Nicht einmal in der Lage, eine Frau zu ficken''

Ein Unteroffizier beschimpfte eine Soldatin mit Sätzen wie: "Die Ausbildung beim Bundesheer ist viel zu lasch. So wie die Rekruten heutzutage beieinander sind, sind sie nicht einmal in der Lage, eine Frau zu ficken." "Das Schlimmste, was der Menschheit passiert ist, ist, dass Frauen das Wahlrecht bekommen haben." "Die Moslems haben ihre Frauen sowieso besser unter Kontrolle. Bei denen geht es nicht so zu wie bei uns." (2006)

''Du hast einen geilen Arsch''

Eine Soldatin wurde von einem Unteroffizier mehrfach mit der Hand am Gesäß berührt. Dabei tätigte der Unteroffizier Aussagen wie "Du hast einen geilen Arsch". (2005)

''Marterpfahl'' errichtet

Grundwehrdiener eines Zuges mussten einen Baumstamm von 5 m Länge und 40 cm Durchmesser per Fußmarsch ca. 2 bis 3 km transportieren und anschließend einen "Marterpfahl" errichten. (2004)

''Die ist aber schiach''

Ein Unteroffizier beleidigte einen Grundwehrdiener, indem er bei Betrachtung des Fotos der Frau des Grundwehrdieners "Die ist aber schiach" sagte. Weiters wurden Grundwehrdiener derselben Einheit mit "Ich reiß dir den Schädel ab und scheiß dir in den Hals hinein!" und "Bist deppert?" beschimpft. (2004)

''Bart-Simpson-Episode''

"Ich muss darauf achten, das Besteck des Herrn Vizeleutnants in die richtig Schublade zu legen". Diesen Satz musste ein Grundwehrdiener hundert Mal schreiben, weil er das Besteck falsch abgelegt hatte. (2002)

Faustschlag wegen Reaktion auf Witz

Ein Vizeleutnant schlug einem Grundwehrdiener mit der Faust in die Magengrube sowie mit der Handfläche in das Genick, weil der Grundwehrdiener über einen Witz des Vizeleutnants nicht gelacht hatte. (2002)

''Schwuchteln''

Ein Unteroffizier bezeichnete Sport-, Marsch- und Laufbefreite generell als "schwul", "warm" und "luschenhaft". Beim Abtransport der marschbefreiten Soldaten mit dem Heereskraftfahrzeug wurde ihnen das Wort "Schwuchteln" nachgerufen. (2008)
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