Ex-Parteifreund kritisiert "autoritäres System Pröll"

Alfred Dirnberger wurde 2004 aus der ÖVP ausgeschlossen. Jetzt unterstützt er im Landtagswahlkampf die SPÖ. Eine "billige Revanche" sei das aber nicht.

NoeWahl ExParteikollege kritisiert System
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(c) APA

Die SPÖ erhält im niederösterreichischen Landtagswahlkampf die Unterstützung eines ehemaligen Mandatars der ÖVP. Der frühere Landtagsabgeordnete Alfred Dirnberger, 2004 aus der Volkspartei ausgeschlossen, hat sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit Landesgeschäftsführer Günter Steindl (S) gegen das "System Pröll" gewandt und angekündigt, dass er "diesmal" - am 3. März - SP-Chef und Landeshauptmnn-Stellvertreter Sepp Leitner (SPÖ) seine Stimme geben werde.

Diktat, Zensur und Repression waren Worte, die Dirnberger "als Staatsbürger" im Zusammenhang mit dem "System Pröll" in den Mund nahm. Er betonte auch, dass er bei der anstehenden NÖ-Wahl nicht kandidieren werde. Der ehemalige Mandatar gehörte dem NÖ Landtag fast zwei Jahrzehnte an und war als ÖAAB-Funktionär u.a. Vizepräsident der Arbeiterkammer NÖ (AKNÖ). Weil er 2004 mit seiner "Liste Dirnberger" bei der AK-Wahl kandidiert habe, sei er in der Folge vom damaligen NÖ-AAB-Landesobmann Michael Spindelegger aus der ÖVP ausgeschlossen worden.

Kritik übte Dirnberger u.a. daran, dass Blockaden in der Bundesregierung aus Niederösterreich kämen. Als Beispiele nannte er die Bildungs-, Wehr- oder Steuerpolitik. So habe Erwin Pröll ja auch die Volksbefragung am 20. Jänner zu verantworten. Und wer sich gegen das repressive und autoritäre "System" stelle, sei ein "Landesfeind" oder "Nestbeschmutzer".

2008 sei die Zeit noch nicht reif gewesen, begründete Dirnberger in der Pressekonferenz im Haus der SPÖ-NÖ, dass er sich jetzt an die Öffentlichkeit wende. Es werde 2013 kommen, dass das "System" sein Ende finde, gab er sich überzeugt. Die Menschen würden sich Repression und autoritären Stil immer weniger gefallen lassen. Ein Umschwung in Niederösterreich sei deshalb möglich.

Leitner habe das "System" vom ersten Tag an bekämpft, so Dirnberger weiter. Von "billiger Revanche" wollte der frühere Mandatar aber nichts wissen. Er habe vielmehr "große Sorge um das Land und um die ÖVP".

Steindl bezeichnete Dirnbergers Schilderungen als glaubhaft. Der Abgeordnete a.D. sei einer, "der aus dem Herzen der ÖVP kommt". Die Diktion, die in der Volkspartei NÖ herrsche, lehne er ab, so der Landesgeschäftsführer. Das "System Pröll" habe wohl einiges weitergebracht, inzwischen herrsche jedoch "Gesprächsverweigerung" und "Ein-Parteien-Diktatur".

"Der höchste Berg ist der Schuldenstand"

Die SPÖ hat auch bereits ihre Plakatkampagne für den 3. März gestartet. "Der höchste Berg im Land ist der Schuldenstand." oder "Statt in Wohnbau investiert, Steuergeld verspekuliert." ist zu lesen. Dazu jeweils die Frage: "Ist das gut für Niederösterreich?" Unter diesem Titel sind auch Folder aufgelegt. Pröll ist wie auf den Plakaten als "Schattenmann" zu sehen.

Die Antwort der Landes-ÖVP auf die Anschuldigungen durch Dirnberger und Karner ließ nicht lange auf sich warten. "Gleich und Gleich gesellt sich gern", schrieb Landesgeschäftsführer Gerhard Karner. Dirnberger und Leitner seien "zwei, die gut zusammenpassen". 40 Funktionäre der SPÖ seien "hochkant aus der Partei geschmissen" wordenund und "ein seit Jahren abgehalfterter Versager, der selbst das Weite gesucht hat, wird geholt".

(APA)

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