FPÖ-Ball: Demonstranten wollen Mahnmale aufstellen

Protestzüge und Kundgebungen sind gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg geplant. Das Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" will den Heldenplatz in einen "Platz des Antirassismus" umwandeln.

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Symbolbild: Proteste gegen den WKR-Ball 2012 – (c) Dapd (Hans Punz)

Das Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" will am Freitagabend versuchen, drei neue Mahnmale auf dem Heldenplatz aufzustellen. Neben einer Mahnwache und Lesungen soll damit der Protest gegen den von der FPÖ organisierten Akademikerball zum Ausdruck gebracht werden. Er gilt als Nachfolgeveranstaltung des umstrittenen Burschenschafterballs des Wiener Korporationsringes (WKR).

Konkret will die Gruppierung Abbilder des Omofuma-Denkmals gegen Rassismus, des Morzinplatz-Mahnmals zum Gedenken an die Verbrechen der Nazi-Gestapo und des Hrdlicka-Mahnmals gegen Krieg und Faschismus auf dem Platz positionieren. Damit soll dieser in einen "Platz des Antifaschismus und Antirassismus" umgewandelt werden, hieß es in einer Aussendung.

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"Neuer Name, die selbe Schande", empörte sich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) am Freitag.  "Wenn sich hier Rechtsextreme international vernetzen, Rassismus und Antifeminismus sich die Hand reichen und die Hofburg-Geschäftsführung meint, dies wäre nur eine harmlose Tanzveranstaltung, ist das schon ziemlich bezeichnend", betonte Julia Kraus vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien per Aussendung. "Der Ball findet weiterhin statt - das dürfen wir auf keinen Fall zulassen", ergänzte Jasmin Rückert vom Vorsitzteam. Sie rufe daher dazu auf, sich an den Protesten gegen den Ball zu beteiligen.

RFS: "GRAS wirft Werte über Bord"

Von den Grünen und Alternativen Studenten (GRAS) wird am Freitag kein Vertreter am Akademikerball teilnehmen, betonte ein Sprecher der Vereinigung. Es sei zwar seitens des Rings freiheitlicher Studenten (RFS) die Einladung ausgesprochen, aber nicht angenommen worden, erklärte er. Stattdessen werde die GRAS "an der heutigen Demonstration am Christian-Broda-Platz teilnehmen", kündigte Antonia Fa, Aktivistin der GRAS, an.

Der RFS stellte die Situation am Freitag anders dar. "Fakt ist das genaue Gegenteil. Bei Interesse, kann der Ring freiheitlicher Studenten gerne den Videomitschnitt der letzten Bundesvertretungssitzung, bei dem die Einladung angenommen wurde, veröffentlichen", hieß es in einer Aussendung. "Ich finde es sehr schade, dass die GRAS ihre eigenen basisdemokratischen Werte über Bord werfen, und ihren Mitgliedern verbieten sich eine eigene Meinung zu bilden", kommentierte darin Alexander Schierhuber, Bundesobmann des RFS.

5000 Demonstranten erwartet

Laut der Polizei werden für heute Abend rund 5000 Demonstranten in Wien erwartet. Ab etwa 16.30 Uhr startet am Christian-Broda-Platz eine Kundgebung. Die Teilnehmer marschieren dann weiter von der Mariahilfer Straße bis zum Maria-Theresien-Platz. Etwa zeitgleich führt ein Protestzug vom Sigmund-Freud-Park über die Währinger Straße bis zum Stephansplatz. Um 16.45 Uhr soll weiters vor der Hauptuniversität eine Kundgebung beginnen. Die Route führt über den Universitätsring bis zum Heldenplatz.

Kundgebungen sind am Heldenplatz, Morzinplatz, Schillerplatz, Albertinaplatz und vor der Universität Wien geplant.

Die Demoroute der "Offensive gegen Rechts" beginnt um 17 Uhr, wird beim Votivpark starten und über die Wipplingerstraße und den Graben bis zum Stephansplatz führen. Das "NoWKR"-Bündnis geht um 18 Uhr vom Europaplatz weg, sein Ziel ist vermutlich der Maria-Theresien-Platz. Um 19 Uhr wird am Heldenplatz eine Lesung und eine Mahnwache von "Jetzt Zeichen setzen" abgehalten werden.

Keine Kundgebung der FPÖ

Die FPÖ wollte zunächst eine Kundgebung am Ballhausplatz gegen einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt von Asylwerbern abhalten. "Die Veranstaltung mussten wir aber leider absagen, wegen des Akademikerballs - aus organisatorischen Gründen", sagte FPÖ-Bundesrat Hans-Jörg Jenewein gegenüber DiePresse.com am Freitag.

Ab 16.30 Uhr ist im gesamten Bereich der Wiener Innenstadt mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Rund um die Hofburg gilt am Abend ein großräumiges Platzverbot (siehe Infobox und Karte unten).

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Sperrzone (c) Polizei Wien –

Verkehrsinformation

Aufgrund zu befürchtender Ausschreitungen sperrt die Polizei Teile der Innenstadt ab (siehe Bild). Auch die öffentlichen Verkehrslinien sind von den Sichereitsmaßnahmen betroffen: Die Straßenbahnlinie 1 fährt ab etwa 17 Uhr nicht zwischen Julius Raab Platz und Karlsplatz. Der 2er fährt nicht zwischen Schwarzenbergplatz und Dr. Karl Renner Ring. Auch die Linie D ist nur zwischen Nußdorf und Augasse sowie Schwarzenbergplatz und Hauptbahnhof unterwegs. Die Linie 71 fährt wegen der Demonstrationen nur bis zum Schwarzenbergplatz.

Der 13A fährt nur zwischen Hauptbahnhof und Schadekgasse sowie Alser Straße und Siebensterngasse. Linie 57A fährt nur zwischen Rudolfsheim und Getreidemarkt.

Die Citybuslinien 1A, 2A und 3A werden voraussichtlich nicht in Betrieb sein. Die Vienna Ring Tram wird ebenfalls eingestellt.

(Red./APA)

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