Strache: "Wasser verkaufen, um Schulden abzubauen"

Statt private Konzerne solle künftig die Bevölkerung vom Verkauf des heimischen Wassers profitieren, sagt der FPÖ-Chef im "Presse"-Interview. In Salzburg kann er sich eine rot-blaue Koalition vorstellen.

Strache Wasser verkaufen Schulden
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Wie konnte es Ihnen passieren, in der Auseinandersetzung zwischen SPÖ und ÖVP um die Wehrpflicht nicht vorzukommen?

Heinz-Christian Strache: Das ist vielleicht Ihre Wahrnehmung. Es gab den Versuch der beiden Parteien, mithilfe des ORF ein Duell zwischen Werner Faymann und Michael Spindelegger zu erfinden, das es nicht gab. Aber das funktioniert nicht mehr. Ich habe abseits der veröffentlichten Meinung die Wähler erreicht, ich habe in den neuen Medien - Facebook oder FPÖ-TV - zwei Millionen Zugriffe pro Monat.

Interessant. Wenn man die Grünen höflich fragt, warum sie bei bestimmten Themen schlafen, antworten sie, dass sie alles nur noch mittels neuer Medien kommunizieren und klassische Berichterstattung nicht mehr nötig sei.

So ist es. Außerdem durchschauen die Menschen das Manöver von SPÖ und ÖVP, ein Orchideen-Thema hochzuziehen, um von den wahren Problemen abzulenken. Hinter dem Thema war natürlich etwas Ernstes: ein Ende der Neutralität und der Irrweg in die Nato.

Aber gerade Sie haben doch einmal von so einem strategisch erfundenen Duell profitiert: Vor der Wahl wurde der Zweikampf Michael Häupl gegen Strache ausgerufen.

Michael Häupl hat mich in Wien als Gegner gefürchtet. Im Herbst wird es das Duell zwischen mir und Werner Faymann geben. Die ÖVP fürchtet, aufgerieben zu werden.

Nun haben wir ein echtes Orchideen-Thema: die angeblichen EU-Pläne zur Privatisierung des Wassers. Sie wissen als intelligenter Mensch, dass die EU nicht das Wasser privatisieren will. Es geht um den Betrieb der Versorgung.

Nein, Sie irren. Es gibt sehr wohl Begehrlichkeiten von Unionspolitikern und Konzernen, Zugriff auf das weiße Gold zu bekommen.

Drehen wir es um: Warum darf eine Stadt wie London oder München ihre Wasserversorgung, also das Netz, die Aufbereitung nicht von Privaten übernehmen lassen?

Wasser ist das Vermögen der Heimat und der Bevölkerung. Norwegen hat das schwarze Gold, wir haben das weiße. Es wird noch mehr Bedeutung bekommen.

Norwegen verkauft sein Erdöl aber zu einem guten Preis. Sollten wir dann nicht auch das Wasser verkaufen?

Ja, warum nicht? Wir müssen die Wasserversorgung zu günstigsten Konditionen garantieren. Aber wir könnten das Wasser verkaufen und die Erlöse an die Österreicher weitergeben, um unsere Schulden zurückzuzahlen. Jeder Norweger bekommt Geld zurück.

Das heißt Reinhold Mitterlehner oder der Umweltminister sollen den Verkauf unseres Wassers betreiben?

Das wird sicher ein Thema werden. Es ist das Vermögen der Österreicher, die Österreicher sollen davon auch profitieren. So etwas gibt man nicht an Konzerne ab.

Dann müssten wir Römerquelle und Vöslauer verstaatlichen.

Es sind vermutlich in der Vergangenheit zu viele Nutzungsrechte vergeben worden. Das ist eine Zukunftsdebatte, die wir führen sollten.

In Ihrer Partei galt einmal der alte Slogan: weniger Staat, mehr privat.

So viel privat wie möglich, aber so viel Staat wie notwendig ist. Der Schutz des Wassers ist notwendig. Es darf nicht alles privatisiert werden, wie das die ÖVP will.

Wenn man Ihnen zuhört, verfestigt sich der Eindruck: Lieber wären Sie mit der SPÖ in einer Koalition.

Sie haben recht. Es gibt viele Themen, bei denen wir Übereinstimmungen mit der SPÖ haben. Aber es gibt etwa in der Gesellschaftspolitik Anknüpfungspunkte mit der ÖVP, etwa wenn es um Familien geht.

Wären Sie für eine Regierungsbeteiligung bereit? Was sagen Sie Ihren Landesparteien, etwa in Salzburg?

Ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass Österreich ein politischer Wechsel guttun würde. Wenn etwa in Niederösterreich die absolute Mehrheit der ÖVP und damit die Arroganz der Macht fallen würde. Absolute Macht tut dem Land nicht gut, damit Demokratie einkehrt. Wenn wir unsere Anliegen in Regierungsverhandlungen, egal wo, durchsetzen können, stehen wir bereit.

Als Pflichtverteidiger von Erwin Pröll habe ich mich noch nie versucht, aber demokratisch legitimiert wäre er schon.

Stimmt, aber man muss bewerten, wie jemand mit seiner absoluten Macht umgeht. Viele Niederösterreicher sind enttäuscht.

Könnten Sie sich vorstellen, dass die FPÖ die Landeshauptfrau, unter deren politischer Verantwortung der Finanzskandal passiert ist, unterstützt?

Unser Karl Schnell wurde einst als Finanzlandesrat abmontiert, auch weil er zu unbequem war. Er wird zulegen. Wir werden in Verhandlungen gehen und unsere Verantwortung wahrnehmen, das Land aus der Krise herauszuholen. Aber wird sind nicht die Grünen, die wie Soletti überall dabeiliegen wollen. In Wien sagen die Grünen kein Wort zu den Finanzspekulationen. Da gehen wir lieber in Opposition.

Das heißt, Sie schließen eine Unterstützung Burgstallers nicht aus.

Wir werden uns die politische Verantwortung genau ansehen. Alles auf eine einzige Dame, die Beamtin, abzuschieben, ist schäbig.

Also nein. Kommen wir zu Frank Stronach. Warum, glauben Sie, liegt er eigentlich in den Umfragen derzeit so gut?

Jede Umfrage, die vor Wahlen veröffentlicht wird, liegt katastrophal daneben. Was aber stimmt: Frank Stronach bekommt viel Platz in den Medien, auch weil es strategische Interessen von SPÖ und ÖVP gibt, dass er politisch aktiv wird.

Das glauben Sie doch nicht im Ernst, dass es eine Verschwörung für Stronach gibt, um Ihnen zu schaden.

Es gibt Kräfte in den Machtzentren von Rot und Schwarz, denen ein 80-jähriger Kandidat sehr recht ist, der versucht zu verhindern, dass wir Platz eins schaffen.

Ein paar Kräfte in den Machtzentren sind mir auch bekannt. Dort herrscht eher Nervosität wegen Stronach.

Mittlerweile vielleicht. Weil sie nicht damit gerechnet haben, dass er vor allem Stimmen von SPÖ und ÖVP wegnehmen wird.

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