Piraten-Spitzenkandidat: "Wir wollen zehn Prozent"

Der 26-jährige Oberösterreicher Mario Wieser führt die Piraten als Spitzenkandidat in die Nationalratswahl. Im Interview spricht er über seine Ziele und "das alte Piraten-Problem".

Neuer Chef PiratenPartei wollen
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Neuer Chef PiratenPartei wollen
(c) APA

Seit wann sind Sie überhaupt bei den Piraten?
Mario Wieser: Ich bin seit 1. April 2012 dabei. Ich bin durch die Vorratsdatenspeicherung und die ACTA-Thematik (Anm.: Anti- Produktpiraterie-Handelsabkommen) auf die Piraten aufmerksam geworden. Ich war vorher noch nie politisch aktiv. Seit Mai bin ich einer von fünf oberösterreichischen Piratenvorständen. Jetzt verbringe ich meine ganze Freizeit (Anm.: Wieser ist im Brotberuf technischer Angestellter) mit den Piraten. Um etwas weiterzubringen.

Die Piraten haben sich der Vergangenheit den Ruf erarbeitet, ziemlich zerstritten zu sein ....
... das ist das alte Piraten-Problem. Wer Transparenz vorlebt, trägt auch Streitereien nach außen. Aber es wird konstruktiver gearbeitet, als es die lauteren Debatten vermuten lassen.

Vom alten Vorstand der Piraten wurde mit einer Ausnahme niemand auf die ersten Listenplätze gewählt, stattdessen finden sich viele sehr junge Kandidaten. Sie selbst sind 26 Jahre alt, der Viertgereihte ist erst 17. Ein Machtwechsel an der Spitze?
Ja, wir werden den Altersschnitt ein wenig drücken. Aber vom alten Vorstand sind einige für die Wahlliste gar nicht angetreten. Die wollen sich auf andere Dinge in der Partei konzentrieren.

Sie haben Vorratsspeicherung als Ihr Thema Nummer eins erwähnt - ist das dann auch das Thema, mit dem die Piraten in den Nationalratswahlkampf ziehen wollen?
Ich habe bei der Themenwahl genau soviel Stimmrecht wie alle anderen 400 Piraten. Bei uns geht nichts ohne Basisdemokratie. Vorratsdatenspeicherung wird aber sicher ein Thema sein.

Verstehen sich die Piraten noch immer irgendwie als "Internet-Partei"?
Wir kommen aus dem Internet, es ist unser wichtigstes Werkzeug. Aber es ist nicht unser wichtigstes Thema.

Was ist aus Ihrer Sicht das zentrale Thema?

Transparenz in die Politik zu bringen.

Das sagen alle und es klingt immer vage. Was heißt das konkret?
Man muss alles offen legen, damit die Bürger wissen, was sie entscheiden. Nationalratsausschüsse müssten prinzipiell öffentlich tagen. Es geht aber auch um Beteiligung, mehr direkte Demokratie

Apropos Beteiligung: Warum finden sich auf den Topplätzen kaum Frauen?
Auf dem fünften Platz ist eine Frau. Wir kommen aus der Technik, der Bereich ist sehr männerlastig. Wenn wir uns breiter aufstellen, kommen auch mehr Frauen. Man muss den Frauen die Politik noch schmackhaft machen und auf sie zugehen.

Es gab zuletzt eine Debatte über Sexismus in der Politik, samt breitem Echo auf Twitter. Ausgelöst wurde die Diskussion von einem Artikel einer "Stern"-Reporterin über den FDP-Politiker Rainer Brüderle. Kurz davor schrieb aber eine "Spiegel"-Autorin über ihre schlechten Erfahrungen mit der Piratenpartei und schildert wie sie im Internet zur Prostituierten gestempelt wurde. Wie sehen Sie den Fall der deutschen Kollegen?
Uns ist Gleichstellung wichtig. Ich glaube, wenn man sie lebt, ist Sexismus irgendwann gar kein Thema mehr. Ich habe den deutschen Fall nur am Rande mitbekommen. Wir haben momentan sehr viel zu tun.

Stimmt. Es gibt heuer mehrere Wahlen. Welches Ziel setzt sich die Piratenpartei bei der Nationalratswahl?
Am Schluss muss natürlich der Bundeskanzler stehen.

Und ernsthaft?
Realistisches Zwischenziel sind bis zu zehn Prozent. Das wollen wir auch erreichen und wir wollen bei den Unter-30-Jährigen Nummer eins werden.

Ambitioniert. Wie sieht es in den Ländern aus?
In Niederösterreich treten wir nur in einem Bezirk an. In Kärnten hätten wir wie im Bund auch gern zehn Prozent, in Tirol und Salzburg treten assoziierte Parteien an. Aber da sollten auch jeweils zehn Prozent möglich sein,

Wahlkämpfe sind teuer. Welche Mittel haben Sie für den Nationalratswahlkampf?
Auf dem Konto haben wir derzeit, glaube ich, 750 Euro. Unser Wahlkampf in Graz hat etwa 5000 Euro gekostet. Für den Nationalratswahlkampf wird es etwas mehr sein - hoffe ich.

Mario Wieser

Die Piratenpartei hat am Wochenende in Klagenfurt bei ihrer Bundesversammlung ihre Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl im Herbst gekürt. Als Listenerster geht der 1986 geborene Mario Wieser aus Sattledt in Oberösterreich ins Rennen. Der Elektroniker setzte sich bei der internen Wahl durch.

 

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