Als Präsident Fischer seinen ersten Kaugummi bekam

Vor 175 Jahren begannen die offiziellen österreichisch-amerikanischen Beziehungen. Das wurde am Mittwoch mit einem Festakt gefeiert.

Bundespraesident Fischer seinen ersten
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Bundespraesident Fischer seinen ersten
c Dapd Ronald Zak

Wien/B. b. Am Anfang standen tiefes Misstrauen und Zwiespältigkeit: Jahrzehntelang weigerte sich der österreichische Kaiserhof im 18. und 19. Jahrhundert, einen diplomatischen Vertreter aus den USA, diesem Hort von „Rebellen“ und „Aufständischen“ gegen eine Monarchie, zu empfangen. Gleichwohl wurde munter Handel mit Waffen, Tabak und Baumwolle betrieben.

Schließlich akzeptierte der Wiener Hof im Februar 1838 doch den Geistlichen Henry A. Muhlenberg als ersten US-Gesandten und schickte mit Baron de Mareschal den ersten Vertreter nach Washington: Das alles vor 175 Jahren – der Beginn der offiziellen österreichisch-amerikanischen Beziehungen.

Mit einem Galafestakt wurde am Mittwochabend in der Diplomatischen Akademie in Wien dieses Jubiläum begangen. Ein bestens gelaunter Bundespräsident Heinz Fischer demonstrierte dabei, dass er „ein echter Freund Amerikas“ ist, wie ihn US-Botschafter William C. Eacho angepriesen hatte. Fischer erinnerte an seine Kindheit in der Nachkriegszeit in Wien, als er durch die amerikanischen Besatzer erstmals mit „so exotischen Dingen wie Kaugummi, Erdnüssen und Jazz-Musik“ in Berührung kam.

Bei USA-Besuchen habe er gelernt, wie eine offene Gesellschaft funktioniere. Er sehe die Vereinigten Staaten nach wie vor als „Vorkämpfer für Demokratie, Stabilität und Menschenrechte“, erklärte der Bundespräsident. Zu soliden und vertrauenswürdigen Beziehungen gehöre freilich auch, dass man einander kritisieren könne – er selbst habe etwa gegen Amerikas Verwicklung in Vietnam demonstriert. Sonst war bei dem Festakt kaum etwas von kritischen Phasen zu hören, lediglich von den „schwierigen Waldheim-Jahren“. Es gab in den 175 Jahren aber auch andere Erschütterungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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