Website für Whistleblower geht in Betrieb

Ein anonymes elektronisches Hinweisgeber-System steht ab sofort zur Verfügung - zunächst in einem zweijährigen Probebetrieb.

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Die Leiterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Ilse-Maria Vrabl-Sanda und Justizministerin Beatrix Karl – (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Wien. Wie kann man einen integren Mitarbeiter dazu bringen, auf – möglicherweise strafrechtlich relevante – Missstände am eigenen Arbeitsplatz hinzuweisen? Wie kann man die Identität dieses Mitarbeiters schützen? Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (KStA) wusste auf diese Fragen sehr wohl Antworten. Und wünschte sich die Einrichtung eines elektronischen Systems für Hinweisgeber (Whistleblower). Das war im April 2009. Also vor vier Jahren. Gut Ding braucht bekanntlich Weile: Gestern, Mittwoch, stellte Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) das heiß ersehnte System vor.

Flankiert wurde Karl von der Leiterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA, Nachfolgebehörde der KStA). Das Onlinesystem (Business Keeper Monitoring System) wurde von der Business Keeper AG entwickelt und ist darauf ausgerichtet, mit einem anonym bleibenden Hinweisgeber zu kommunizieren. Zu finden ist es ab sofort auf der Homepage des Justizministeriums (www.justiz.gv.at). Vor allem in Wirtschaftsstrafsachen, bei Sozialbetrug oder Bilanzdelikten soll es Mitwissern leicht gemacht werden, die WKStA zu kontaktieren. Aber wie erwähnt: Als Vorreiter kann Österreich in diesem Fall nicht gelten. Das System wird beispielweise im deutschen Bundesland Niedersachsen seit einem Jahrzehnt eingesetzt.

 

Vernadern geht jetzt schon

Hierzulande geht die Website zunächst in einen zweijährigen Probebetrieb. Wie viele Hinweisgeber könnten nun „anbeißen“? Diese Zahl kann WKStA-Leiterin Vrabl-Sanda derzeit „nicht abschätzen“. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass 20 bis 30 Prozent der zu ermittelnden Fälle zuletzt über ein solches Hinweissystem liefen. Bemerkenswert: 30 bis 40 Prozent der Whistleblower geben letztlich ihre Identität von sich aus preis.

Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass jemand – etwa wenn er einen E-Mail-Anhang mitschickt – anhand der automatisch übertragenen Daten identifiziert wird. Auf diese Gefahr weist das System aber ausdrücklich hin. Werden nun unweigerlich Denunzianten angelockt? Karl: „Vernaderer haben jetzt schon ein ausreichendes Betätigungsfeld: die anonyme Anzeige.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2013)

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