Karl Schnell: "Umvolkung in gewissen Bereichen"

Interview: Salzburgs FPÖ-Chef zieht mit dem Ausländerthema in die Wahl. Er ortet "Raufereien mit Türken" und will "extreme Meinungen nicht in den Untergrund drängen".

Karl Schnell Umvolkung gewissen
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Karl Schnell – (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Die Presse: Bereitet Ihnen das Antreten des Teams Stronach in Salzburg schlaflose Nächte?

Karl Schnell: Nein. Wir haben das in Niederösterreich sicher unterschätzt. Die Menschen sind so angefressen, dass sie auch eine Vogelscheuche wählen würden.

 

Was haben Sie der neuen Konkurrenz entgegenzuhalten?

Unsere Arbeit. Wir haben in Salzburg lange Erfahrung als Protestpartei.

 

Welche Konsequenzen müssen aus dem Salzburger Finanzskandal gezogen werden?

Der Spekulationsgiftmüll gehört verboten. Solche verwickelten Finanzgeschäfte dürfte es eigentlich nicht geben. Ich bin froh, dass ich nur ein Sparbuch und den Kredit kenne.

 

Wer ist schuld am Finanzskandal?

Beide Regierungsparteien haben Bescheid gewusst. Die großen Parteien haben sich bei den Finanzen immer gegenseitig kontrolliert.

 

Was erwarten Sie nach der Wahl?

Wahrscheinlich wird es wieder eine Koalition zwischen SPÖ und ÖVP unter anderer personeller Verantwortung geben.

 

Und die FPÖ?

Mich interessieren Koalitionen nicht.

 

Wie lautet Ihr Ziel für die Salzburger Landtagswahl?

Es ist sehr viel drin. Ich schließe nicht aus, dass die FPÖ zweitstärkste Partei wird. Die Umfragen sehen aber nicht danach aus. 17Prozent sind realistisch.

 

Wenn man nach Niederösterreich oder nach Kärnten schaut, hat man den Eindruck, Heinz-Christian Strache kann sich als Parteichef nicht mehr durchsetzen.

Wenn wir einmal nicht den Erfolg haben, den wir erwartet haben, geht die Welt nicht unter. Niemand ist ein Sieger, der nicht auch das Verlieren gelernt hat. Wir müssen uns auf Geschlossenheit konzentrieren und die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen. Wir haben bei Sicherheit und dem Ausländerthema als Partei eine Monopolstellung. Ich bin kein Rechtsradikaler und habe nichts gegen Ausländer, aber wir haben auch ein Recht auf unsere Heimat. Der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer ist vor Jahren massiv angegriffen worden, weil er das Wort Umvolkung in den Mund genommen hat. Aber ich kann nur sagen: In gewissen Bereichen gibt es diese Umvolkung. Dass man sich dagegen wehrt, hat nichts mit Rechtsradikalismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun.

 

Wo soll es das in Salzburg geben?

In vielen Bereichen. Nehmen wir die Schulen. Es kann doch nicht sein, dass in manchen Klassen nur mehr ein einziges österreichisches Kind sitzt. Es ist einmal so, dass es Rumänen waren, die in Köstendorf eine Arztwitwe umgebracht haben. Es ist eine Tatsache, dass es Raufereien mit Türken gibt. Es wird viel unter den Teppich gekehrt. Ich will extreme Meinungen nicht in den Untergrund drängen, man muss in einer Demokratie offen darüber reden. Wen man die Leute nur anlügt und alles, was sich wirklich abspielt, verschweigt, ist das der falsche Weg.

 

Sie sind seit 1992 Parteichef der Freiheitlichen in Salzburg. Wie lange wollen Sie das noch sein?

Politik hat mir noch nie so viel Spaß gemacht wie jetzt. Solange ich glaube, dass ich einen Beitrag für das Land Salzburg leisten kann, werde ich es machen. Wenn ich am 5. Mai gegenüber der letzten Wahl verliere, gibt es mich nicht mehr in der Politik. Ich habe mehrere Berufe, ich bin nicht abhängig von der Politik. Wenn die FPÖ bei dieser Wahl nicht stärker wird, habe ich etwas falsch gemacht. Dann habe ich in der Politik nichts mehr verloren.

Zur Person: Karl Schnell

Karl Schnell (59) ist seit 1992 Obmann der Salzburger FPÖ. Den Blauen blieb er auch treu, als die Spitzen der Bundespartei 2005 zum BZÖ wechselten. Seit diesem Jahr ist Schnell auch Stellvertreter von FPÖ-Bundeschef Heinz-Christian Strache. Schnell hat drei Kinder und ist Mediziner, von 1985 bis 1992 besaß er eine eigene Praxis.

Mit Sagern fiel Schnell öfters auf. So wurde er verurteilt, weil er erklärte, dass „Lump“ ein zu harmloser Ausdruck für Bundespräsident Klestil sei. Zudem erklärte Schnell einmal, dass Rechtsparteien der Mitte wie CDU, CSU und ÖVP schuld seien, dass mittlerweile „der Schwarzafrikaner in Lederhose in München als Kellner die Maß Bier“ bringe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2013)

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