Wie die Neos den Einzug schafften

Relativ viel Geld und eine positive Berichterstattung verhalfen der neuen Partei ins Parlament. Das Thema Korruption war für die Wähler allgemein wenig relevant.

Schließen
(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)

Wien. Die Grünen sind beim ersten Mal gescheitert. Die KPÖ probiert es immer wieder. Und das BZÖ musste zuletzt erfahren, dass es auch ältere Parteien treffen kann.

Wie haben es die Neos also geschafft, auf Anhieb in das Parlament zu kommen? Diese Frage stellte sich das Forschungsnetzwerk Autnes (Austrian National Election Study) rund um Wolfgang C. Müller, Professor am Institut für Staatswissenschaft an der Uni Wien. Und beantwortete sie am Mittwochabend bei der Präsentation ihrer Analyseergebnisse.

„Sie hatten ein relativ großes Wahlkampfbudget“, meint etwa David Johann von Autnes. Ein großer Teil davon wurde zwar für Print-Inserate aufgebraucht. Verglichen mit allen anderen Parteien gaben die Neos aber auffällig viel Geld für TV-Spots aus.

Dabei waren die Aussagen, die sie auf diese Weise verbreiteten, relativ abstrakt. Sachthemen seien kaum vermittelt worden. Die Slogans „Anpacken für die Jungen“ oder „Habe Mut“ würden schließlich nicht wirklich etwas aussagen. Da Parteichef Matthias Strolz noch relativ unbekannt gewesen sei, wurde der Fokus auch nur bei unter 20 Prozent der Wahlwerbung auf den Obmann gelegt – im Übrigen wie bei ÖVP und Grünen. Beim BZÖ hingegen hätte es einen „in der Wissenschaft seltenen Prozentsatz von 100 Punkten“ gegeben.

Mit ein Grund für das gute Neos-Abschneiden bei der Wahl sei auch die Berichterstattung gewesen: 63 Prozent der Beiträge waren laut der Studie positiv, 37 Prozent negativ. Keine andere Partei schaffte es bei den positiven Berichten auf einen Wert von über 50 Prozent. Zum Vergleich: Bei der ÖVP lag das Verhältnis bei 32:68.

Auch online sei die pinkfarbene Partei sehr präsent gewesen. Geld wurde dafür allerdings so gut wie keines ausgegeben. Daher ist es gar nicht verwunderlich, dass die Neos besonders junge Menschen angesprochen haben. Unter 40 Jahre, mit einem akademischen Titel und eher unreligiös – so sieht ein typischen Neos-Wähler aus.

Aber auch die restlichen Parteien wurden vom Forschungsteam unter die Lupe genommen. Vor allem bei den Aussendungen bemühten sie sich, Sachthemen anzusprechen. Rund 80 Prozent der Meldungen hätten sich tatsächlich darum gedreht. Im Fokus standen vor allem Wirtschaft, Sozialpolitik und Korruption.

 

Korruption unwichtig

Dem Wähler war zumindest Letzteres eher egal – denn das Thema Korruption habe bei der Wahlmotivation keine große Rolle gespielt. Bei den Grünen sei Umwelt wichtiger gewesen, bei der FPÖ der Bereich Zuwanderung. In den Aussendungen war dies bei den Freiheitlichen allerdings kaum ein Thema. Bei den Inseraten, wo sie die Wähler direkt und ungefiltert ansprechen konnten, allerdings schon.

Das Netzwerk Autnes führt seit dem Jahr 2009 akademisch geplante und durchgeführte Wahlstudien durch. Seitdem genehmigt der Wissenschaftsfonds (FWF) das Forschungsnetzwerk. (ib)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Wie die Neos den Einzug schafften

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen