Ehrenhauser-Aktivismus: "Schläft er das nächste Mal nackt?"

Aus Protest gegen die Bankenhilfe verließ der "Europa anders"-Kandidat das ORF-Studio und schlief am Ballhausplatz. Politologe Filzmaier analysiert die "europapolitisch bedenkliche" PR-Aktion.

EU-WAHL: PROTESTAKTION DER PARTEI 'EUROPA ANDERS': EHRENHAUSER
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EU-WAHL: PROTESTAKTION DER PARTEI 'EUROPA ANDERS': EHRENHAUSER
Martin Ehrenhauser – APA/EXPA/MICHAEL GRUBER

„Aus PR-technischer Sicht hat Martin Ehrenhauser die größtmögliche Chance gehabt, auf sich aufmerksam zu machen und diese auch genutzt. Allerdings war seine Aktion demokratie- und europapolitisch gesehen äußerst fragwürdig." So lautete am Montag der Befund von Politologe Peter Filzmaier im Gespräch mit DiePresse.com.

Hintergrund ist, dass der Kandidat der Plattform „Europa anders" am Sonntag eine Diskussionssendung des ORF nach sieben Minuten verlassen hat, um „auf den Ballhausplatz zu gehen und vorerst dort zu bleiben". Denn „die Banken dürfen nicht mehr auf Kosten der Bürger gerettet werden", so seine Intention. Die Nacht verbrachte Ehrenhauser dann tatsächlich im Schlafsack vor dem Bundeskanzleramt. Wie lange er dort noch ausharren will, ließ er vorerst offen.

„Inhaltliche Debatte selbst abgebrochen"

„Ehrenhauser hat sich ein Thema ausgesucht, mit dem alle Oppositionsparteien punkten wollen", analysierte Filzmaier. „Allerdings hat er die inhaltliche Debatte selbst abgebrochen, indem er aufgestanden ist und den anderen den Rücken gekehrt hat." Die anderen waren übrigens Ewald Stadler von den christlich-konservativen Rekos, Angelika Werthmann vom BZÖ sowie Robert Marschall von der Liste „EU-Stop".

Ehrenhauser habe es geschafft, eine TV-Debatte zwischen den Vertretern der Kleinparteien ins Gespräch zu bringen, die ansonsten wohl von keinem Medium aufgegriffen worden wäre. Er habe aber auch zwei Frage aufgewofen, so der Politologe: „Schafft er es, die Wähler zu überzeugen, dass er ihre Anliegen am besten vertritt? Und reicht diese Aktion, um die Österreicher zu mobilisieren?" Immerhin werde bei der EU-Wahl mit einer Beteiligung von unter 50 Prozent gerechnet. Erschwerend käme hinzu, dass „es in Österreich keine Occupy-Bewegung gibt, auf die sich Ehrenhauser stützen könnte".

Außerdem müsse der „Europa anders"-Kandidat nun „die Inszensierungsspirale bis zum 25. Mai weiterdrehen", sagte Filzmaier. „Er muss weitere Aktionen setzen, um im Gespräch zu bleiben. Einfach aufstehen und ein Interview beenden, das geht nur einmal. Daher frage ich bewusst provokant: Schläft er das nächste Mal nackt am Ballhausplatz?"

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(hell)

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