Strache: „Zuerst Wiener Bürgermeister, dann Kanzler“

Interview. Heinz-Christian Strache über Haider und Stadler, Werte und Ziele. Die heutige FPÖ bezeichnet er als steigende Aktie.

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(c) Reuters

Die Presse: Herr Strache, welche Bilanz ziehen Sie nach drei Jahren an der Spitze der FPÖ?
Heinz-Christian Strache: Meine Vorgänger haben die Partei inhaltlich marod und schwer verschuldet zurückgelassen. Damals hatte die FPÖ zwei bis vier Prozent, heute liegen wir bei 15 bis 18. Es ist mir nicht nur gelungen, die Partei zu retten, sondern wieder zu einer steigenden Aktie zu entwickeln.

Politologen meinen, die FPÖ dürfe sich nicht nur auf das Ausländerthema beschränken, wenn Sie wieder zur 20-plus-Partei werden will. Insofern seien Ihnen Jörg Haiders Fußstapfen auch noch zu groß.
Strache: Haider hatte 1986 eine weitaus bessere Ausgangsposition. Sein Vorgänger Norbert Steger hat die FPÖ mit einem finanziellen Plus übergeben. Haider hat zwar lange den richtigen Weg beschritten, aber nicht den Charakter gehabt, den Weg zu Ende zu gehen.

Aber Haider hatte am Höhepunkt seiner Karriere – 1999 – 27 Prozent. Wollen Sie ewig in Opposition bleiben, oder streben Sie auch Regierungsverantwortung an?
Strache: Wenn wir 20, 25 oder vielleicht einmal 30Prozent haben, dann wollen wir natürlich Verantwortung übernehmen. Aber wir müssen SPÖ oder ÖVP so weit schwächen, dass eine der beiden Parteien bereit ist, mit uns die freiheitlichen Inhalte umzusetzen.

Mit wem wäre eine Koalition im Moment eher vorstellbar?
Strache: Weder noch, weil uns beide ausgrenzen. In der ÖVP hat der heimliche Obmann Schüssel gesagt, mit dieser FPÖ werde es keine Koalition geben. Ähnlich ist das Muster in der SPÖ: Klubobmann Cap ist zwar ein umgänglicher Mensch, aber die Parteigranden im Hintergrund legen sich quer. Da ist jetzt der Wähler am Zug, ein Umdenken zu erwirken.

Ihr Exparteikollege Ewald Stadler behauptet, Sie hätten die FPÖ verraten und würden Cap regelrecht auf dem Schoß sitzen.
Strache: Das ist natürlich Schwachsinn. Wir haben es hier mit einem spätpubertären Halbstarken zu tun, der als 47-Jähriger seine Gerichtspraktikanten-Ausbildung beendet. Ich bin froh, dass er endlich den Arbeitsweg beschreitet. Stadler ist ein gescheiterter Politiker.

Er behauptet, er hätte einiges gegen Sie in der Hand. Haben Sie Angst?
Strache: Nein, die Sache ist längst gegessen, er musste die Partei verlassen. Wenn sich jemand so unkameradschaftlich verhält, dann muss dieser Jemand ein schwaches Selbstbewusstsein haben.


Sie sprechen die Fotos an. Können Sie ausschließen, dass neue auftauchen, die Sie beim Gotcha-Spielen oder beim Bier-Bestellen zeigen?
Strache: Ich kann Fotos nie ausschließen. Auch solche nicht, die mich in der Sandkiste oder beim Cowboy-Indianer-Spielen zeigen. Es gibt tausende Bilder von mir in diversen Posen. Entscheidend ist die Interpretation. Es gibt ein Wahlsiegerfoto von Erwin Pröll mit dem Dreifingergruß – hier spricht keiner vom Kühnengruß.

Sie bleiben also dabei: Sie wollten damals nur drei Bier bestellen.
Strache: Wenn Sie 20 Jahre alte Fotos von Ihnen anschauen, werden Sie nicht einmal mehr wissen, wo das war. Und genauso unsinnig ist dieses Thema. Da sollte ein Mitbewerber mit schwachsinnigen Kreationen diffamiert werden.

Sie waren unlängst in Belgrad und bekunden stets Ihre Sympathien für die Serben. Haben Sie auch andere ethnische Gruppen im Visier?
Strache: Das unterscheidet mich ja auch von Haider. Er hat immer das Ausländerthema angesprochen, ich bin kein Ausländerfeind. Wir haben in Österreich auch kein Ausländer-, sondern ein Türken- und Islamisten-Problem. Doch ich respektiere jedes Volk in Europa. Und als Patriot muss man Ungerechtigkeiten, die anderen Völkern widerfahren, ansprechen. Der Kosovo ist ein klassisches Beispiel für Völkerrechtsbruch.

Sind Sie ein Islam-Feind?
Strache: Ganz und gar nicht. Ich bin kein Feind von irgendjemandem, sondern ein Freund Österreichs und eines europäisch-christlichen Abendlandes. Aber ich will keine Islamisierung Europas, wie sie uns heute droht.

Wird es einen Bundeskanzler Strache geben?
Strache: Zunächst einmal interessiert es mich, Bürgermeister von Wien zu werden. Damit endet der Weg nicht, es ist die nächste Stufe auf der Leiter. Und warum nicht auch einmal Kanzler werden?

ZUR PERSON

Heinz-Christian Strache (38) war Bezirksobmann und Vizeklubchef der Wiener FPÖ, die er 2004 übernahm. Nach der Abspaltung des BZÖ (April 2005) löste Strache Ursula Haubner an der Bundesspitze der FPÖ ab. Sein Lieblingsfilm: „Braveheart“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2008)

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