Steirer sind am frühesten in Pension

Besonders bei den Invaliditätspensionen steigt das Pensionsantrittsalter – aber mit statistischem Schönheitsfehler. Wiener und Niederösterreicher treten Ruhestand heuer später an.

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Symbolbild Pensionistin – Die Presse

Wien. Die Österreicher gingen heuer bis Ende Mai im Schnitt mit 58,8 Jahren in Pension – gegenüber 58,1 Jahren im Vergleichszeitraum Mai 2013. Grund für diesen Anstieg des durchschnittlichen tatsächlichen Pensionsantrittsalters sind Verschärfungen besonders beim Zugang zur Invaliditätspension, aber auch eine neue Zählweise. Diese schraubt den Schnitt nach oben, weil jetzt Personen unter 50 Jahren, das sind 3168 Bezieher von Reha-Geld, nicht mehr als Invaliditätspensionisten gerechnet werden und aus der Statistik fallen.

Insgesamt schnellt das Pensionsantrittsalter bei krankheitsbedingten Frühpensionen (Invaliditätspensionen) heuer um 16 Monate auf 52,6 Jahre nach oben. Auffallend sind regionale Unterschiede: Die Steirer gingen im Schnitt mit 57,6 Jahren am frühesten, nach früheren Zahlen waren dies die Kärntner (nun 57,7 Jahre). Wiener und Niederösterreicher gingen heuer mit 58,5 Jahren am spätesten. Bezieher von Pensionen im Ausland (61,3 Jahre) treiben den Gesamtschnitt auf die eingangs angeführten 58,8 Jahre. Grund für diese genaue Auflistung ist, dass rascher erkannt werden soll, wo Maßnahmen für einen späteren Pensionsantritt besonders wichtig sind.

All diese Daten, die der „Presse“ vorliegen, gehen auf das Pensionsmonitoring zurück, das Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) mit Stand Ende Mai für rund 40.0000 neue Pensionen erstmals auch ohne die von der Koalition vereinbarte gesetzliche Grundlage hat vornehmen lassen. Er reagierte damit auf harte Kritik der ÖVP wegen der Verschiebung des gesetzlichen Pensionsmonitorings bis Herbst. Mit der neuen Zählweise geht Österreich nun wie andere Länder – etwa Schweden – vor, wo invalide Personen nicht in die Pensionsstatistik fallen, in Österreich ist damit aber die Vergleichbarkeit zu früheren Zahlen nicht gegeben. Welche Trends zeigen sich?


Invaliditätspension gebremst: Abgesehen von der neuen Zählweise zeigen die Verschärfungen seit Beginn 2014 Wirkung. Insgesamt sank die Zahl der neu zuerkannten Invaliditätspensionen um 10,2 Prozent. Dieser Rückgang resultiert auch aus strengeren Regeln beim sogenannten Tätigkeitsschutz (statt in Pension zu gehen muss ein andere Job angenommen werden, Anm.).


Rehabilitation für psychisch Kranke: Bei den Invaliditätspensionen fällt auf, dass bei Pensionierungen wegen psychischer Erkrankungen das Antrittsalter von 48,2 auf 49,9 Jahre besonders deutlich gestiegen ist. Bei dieser Gruppe macht sich demnach speziell bemerkbar, dass statt der Pensionierung auf gesundheitliche Rehabilitation gesetzt wird. Praktisch noch kaum genützt wird, wie „Die Presse“ bereits berichtete, die berufliche Rehabilitation (Umschulung) statt einer Invalididitätspension, Es gibt nur neun Bezieher. Hundstorfer gibt „Umsetzungsprobleme“ in diesem Bereich zu.


Hacklerfrühpension: Bei der Hacklerpension gibt es trotz der Verschärfungen zu Jahresbeginn 2014 noch keinen signifikanten Rückgang, dies auch, weil teils noch Anträge aus dem Jahr 2013 abgearbeitet wurden. Hundstorfer rechnet aber für die zweite Hälfte bis Ende 2014 mit 21 Prozent weniger Neuzugängen.


Ausweichwege in die Frühpension: Stärker genützt werden heuer andere Formen der Frühpension, die allerdings aufgrund von Abschlägen bisher weniger attraktiv waren. Dies gilt für die Korridorpension ab 62 ebenso wie für die Schwerarbeiterpension.


Schlusslicht Gastgewerbe: Die Aufstellung nach einzelnen Branchen zeigt, dass Mitarbeiter im Gastgewerbe im Schnitt mit 57,4 Jahren besonders früh in Ruhestand gehen. Hingegen erfolgt der Pensionsantritt in der Energieversorgung mit 60,1 Jahren im Durchschnitt am spätesten. Das ist übrigens jener Wert, den die SPÖ-ÖVP-Regierung als Zielwert bis 2018 für die Österreicher erreichen möchte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2014)

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