Stadler-Kandidatur: Verschärfter Kampf um FPÖ-Wähler

Reumütiger Stadler tritt nach „Versöhnung“ mit Haider für das BZÖ an.

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(c) APA (Herbert P. Oczeret)

Wien (red.). Zwischen FPÖ und BZÖ steht jetzt im Wahlkampf eine noch schärfere Auseinandersetzung bevor. Der Grund: BZÖ-Spitzenkandidat Jörg Haider hat nach jahrelanger heftiger Gegnerschaft nun ausgerechnet den früheren klerikal-nationalen FPÖ-Abgeordneten und ehemaligen Volksanwalt Ewald Stadler in das Kandidatenteam des BZÖ geholt.

Allerdings wird Stadler nicht BZÖ-Mitglied, sondern parteifrei bleiben. Welchen Listenplatz Stadler, gegen den es BZÖ-intern Widerstände gab, einnehmen wird, blieb vorerst offen.

 

„Vieles tut mir leid“

Als „Katholik“ sei er froh darüber, dass es mit Haider zu einer Versöhnung gekommen sei, erklärte Stadler vor Journalisten mit dem Kärntner Landeshauptmann. Seine früheren scharfen Attacken auf das BZÖ bedauert Stadler nun: „Viel, was ich gesagt habe, tut mir leid.“ Die Angriffe seien „vielleicht aus Frustration und Enttäuschung“ über die Spaltung des Dritten Lagers in FPÖ und BZÖ im Jahr 2005 erfolgt.

So hatte Stadler nach der Abspaltung über das BZÖ unter anderem gespottet: „Sind das nicht die Bienenzüchter Österreichs?“ Oder später im Jahr 2006: „Warum soll ich mich mit einer Leiche wiedervereinigen?“ All die Zitate seien „Schnee von gestern“, heißt es nun dazu im BZÖ.

Haider wie Stadler betonten, dass der Hauptgegner im Wahlkampf nicht die FPÖ sei, sondern die Große Koalition. Das Scheitern der Großen Koalition sei eine „Chance, die wir nutzen wollen“. Das änderte aber nichts daran, dass es Seitenhiebe auf FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache gab. „Ich kenne seit 1986 das Original der Haider-Politik und kenne seit einigen Jahren die Kopie davon“, so Stadler. Eines der Motive für die Rückkehr zu Jörg Haider sei, dass man den Weg, den man 1986 mit der Übernahme der FPÖ-Obmannschaft durch Haider beschritten habe, wieder gemeinsam fortsetzen wolle.

Haider nannte als einen Grund, warum er Stadler ins Boot geholt hat, dessen frühere Tätigkeit: Wahrscheinlich sei Stadler „einer der erfolgreichsten Volksanwälte“ in der Geschichte dieser Einrichtung. Die FPÖ höhnte über Stadlers BZÖ-Kandidatur, dieser befinde sich „offenbar in beruflichen Nöten und suche einen Arbeitsplatz“. Im Sucher: Ewald Stadler S. 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2008)

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