Promis: Linzer SPÖ steht rechtsextremen "Grauen Wölfen" nahe

Prominente von Elfriede Jelinek bis Günter Wallraff haben einen Offenen Brief von Oberösterreichs Antifa unterzeichnet. Stadtchef Lugar ist "entsetzt".

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
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Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – EPA

Die oberösterreichische Antifa verlangt in einem Offenen Brief vom Linzer Stadtchef Klaus Luger (SPÖ) eine klare Abgrenzung von den rechtsextremen türkischen "Grauen Wölfen". Unterzeichnet wurde das Schreiben von etlichen Prominenten. Luger sagte in einer ersten Reaktion, er distanziere sich von jeder Form des Rechtsextremismus. Er vermutet "persönliche innerparteiliche Querelen" hinter den Vorwürfen.

Der mit 18. März datierte Brief ist eine Initiative des oberösterreichischen Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Kopien des Schreibens gingen auch an den SPÖ-Bundesvorsitzenden Werner Faymann und Landesparteichef Reinhold Entholzer. Unter den rund 70 Unterstützern finden sich etwa Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Burgtheater-Doyenne Elisabeth Orth, Karikaturist Gerhard Haderer, die Schauspieler Harald Krassnitzer und Erwin Steinhauer, die Schriftsteller Robert Menasse, Eva Rossmann und Franzobel oder "Aufdecker" Günter Wallraff. Aber auch Vertreter jüdischer, alevitischer und christlicher Organisationen oder die stellvertretende SPÖ-Landesvorsitzende Fiona Kaiser beteiligten sich an dem Protest.

Propaganda gegen Juden, Kurden, Armenier und Linke

Sie alle werfen der Linzer SPÖ-Spitze ein Naheverhältnis zum Verein "Avrasya" vor. Dahinter verberge sich eine Organisation der "Grauen Wölfe", die ultranationalistische Propaganda gegen Juden, Kurden, Armenier und Linke verbreiten und sogar mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" sympathisieren würde. Hintergrund ist ein Besuch Lugers und des roten Integrationsstadtrats Stefan Giegler vergangenen Oktober im Linzer "Avrasya"-Lokal.

Obwohl der Bundesparteitag der SPÖ im November ein konsequentes Vorgehen gegen jede Unterstützung der "Grauen Wölfe" beschlossen hat, habe Giegler im Dezember erneut einen "Avrasya"-Vertreter in den Integrationsbeirat berufen, heißt es in dem Brief. Weiterer Kritikpunkt: Ein Block der "Avrasya" nehme alljährlich am 1.-Mai-Aufmarsch der Linzer SPÖ teil und werde von der Tribüne herab begrüßt, so die Verfasser des Briefes. Sie fordern Luger auf, für eine klare Abgrenzung von der Gruppe zu sorgen.

Luger: "Ich bin entsetzt"

"Ich distanziere mich unmissverständlich und unverrückbar von jeder Form des Rechtsextremismus und Antisemitismus. Hetze, egal von welcher Seite, lehne ich entschieden ab", so Luger in einer Stellungnahme am Mittwoch. "Ich bin entsetzt, dass ich aufgrund persönlicher innerparteilicher Querelen rund um Herrn Dr. Eiter (Netzwerk-Sprecher, Robert, Anm.) in dieses Eck gestellt werde." Er befürchte, dass die Unterzeichner des Schreibens "nur unzureichend und tendenziell einseitig informiert wurden".

Für den diesjährigen Mai-Aufmarsch schließt die Linzer SPÖ so wie in den vergangenen Jahren allerdings aus, dass die "Grauen Wölfe" teilnehmen werden. Ihr Bezirksgeschäftsführer Jakob Huber stellte fest: "Die Grauen Wölfe marschieren bei uns sicher nicht mit". Passiert sei eine unzulässige Vermischung der Wölfe mit einem nach österreichischem Recht legalen Verein.

(APA)

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