FPÖ-Spaltung in Salzburg: Schnell gründet neue Partei

Ausschlüsse. Der abgesetzte Salzburger FPÖ-Klubchef Karl Schnell übt heftige Kritik an Heinz-Christian Strache: Dieser agiere wie ein „Diktator“.

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Karl Schnell – APA (BARBARA GINDL)

Salzburg. Trotz der Erfolge im Burgenland und in der Steiermark kommt die FPÖ nicht zur Ruhe: In Salzburg, wo Parteiobmann Heinz-Christian Strache zu Beginn dieser Woche fast die gesamte Führungsmannschaft abgesetzt hat, formiert sich nun eine zweite freiheitliche Bewegung.

Das entmachtete FPÖ-Urgestein, Klubchef Karl Schnell, kündigte am Sonntagabend in einem Interview mit dem Privatsender „Puls 4“ an, noch diese Woche eine neue Partei gründen zu wollen – die „Freiheitliche Partei Salzburg“. Parteichef wird Rupert Doppler, der bis Anfang dieser Woche die Salzburger FPÖ führte und gemeinsam mit Schnell von Strache wegen „Gefahr in Verzug“ ausgeschlossen wurde. Er, Schnell, werde auch in der neuen Partei Klubobmann im Salzburger Landtag, so der Plan. Schnell ist sich der Unterstützung der Salzburger Mandatare sicher. Insgesamt dürften zwei Nationalratsabgeordnete, ein Bundesratsabgeordneter und fünf Landtagsabgeordnete sowie „jede Menge Gemeindefunktionäre“ in die neue Partei wechseln, sagt Schnell im „Puls 4“-Interview.

Einige Stunden zuvor hatte die Bundespartei den Salzburger Funktionären mit weiteren Konsequenzen gedroht. Wer nicht am Montag „eine persönliche, öffentliche Erklärung“ abgebe, dass er zur Bundespartei unter Heinz-Christian Strache stehe, werde ausgeschlossen.
Schnell übte daraufhin heftige Kritik an Strache: Dieser agiere innerparteilich wie ein „Diktator“. Der Parteiobmann sei „abgehoben und machtbesessen“, setze „alle demokratischen Spielregeln außer Kraft“ und drohe all jenen, „die nicht zum Fanclub Strache übertreten“.
Eine Situation, die er bereits kenne, wie Schnell meint: „Immer wenn die FPÖ auf einem guten Weg ist, dann drehen irgendwelche Funktionäre durch.“ Was nun passiere, erinnere an Jörg Haider. „So hat auch der Untergang Haiders begonnen.“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2015)

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