Erzdiözese Wien schafft tausend Plätze für Flüchtlinge

Kardinal Schönborn ruft auch andere Diözesen auf, Quartiere aufzutreiben. Von der Regierung fordert er eine schnellere Gewährung von Asyl für Syrer.

Schönborn: Erzdiözese Wien schafft tausend Plätze für Flüchtlinge
Schließen
Schönborn: Erzdiözese Wien schafft tausend Plätze für Flüchtlinge
Kardinal Christoph Schönborn am Westbahnhof – APA/GEORG HOCHMUTH

Die Erzdiözese Wien wird ihre Kapazitäten zur Flüchtlings-Unterbringung deutlich ausweiten. "Ich kann für die Erzdiözese Wien sagen, dass wir sicher gut tausend Flüchtlinge in den nächsten Wochen in kirchlichen Quartieren aufnehmen können", sagte Kardinal Christoph Schönborn in der "ZiB 2" des ORF am Dienstagabend. Auch in den anderen Diözesen erwartet er ähnliche Maßnahmen.

Die katholische Kirche sei - gemeinsam mit der Caritas - bereits jetzt der größte private Quartiergeber in Österreich, sagte Schönborn. Aber es sei "noch Platz nach oben". Man bemühe sich derzeit, rund um den Stephansplatz Quartiere aufzutreiben.

"Keine Befehlsgewalt" über die Pfarren"

Aber auch die Pfarren seien aufgerufen, mehr Quartiere anzubieten, sagte der Kardinal. Gleichzeitig betonte er, dass er keine "Befehlsgewalt" über die Pfarren habe, er könne nur Empfehlungen aussprechen. Das gleiche gelte für die Klöster. Eines sei für die Kirche jedenfalls klar: "Wir dürfen nicht den erhobenen Zeigefinger haben in der Frage der Flüchtlinge, und dann nicht das Unsere tun", daher werde man Kapazitäten prüfen.

Von der Regierung forderte Schönborn eine schnellere Gewährung von Asyl für Flüchtlinge aus Syrien, denn von diesen würden 99 Prozent ohnehin Asyl bekommen. "Warum lässt man sie eine lange mühsame Prozedur durchlaufen?", fragte er. Gesamtgesellschaftlich ortete der Kardinal eine "Veränderung in der Gesinnung", dies sei deutlich spürbar. Als Beispiel nannte er das zivilgesellschaftliche Engagement etwa am Wiener Westbahnhof, von dem er sich bei einem persönlichen Besuch überzeugt habe.

Schulen werden geräumt

In jenen Bundesländern, die Asylwerber in Schulen untergebracht haben, werden die Einrichtungen nun geräumt. Pünktlich zum Schulbeginn sollen fast alle Internate bzw. Turnsäle etc. wieder den Schülern zur Verfügung stehen. Die meisten Länder haben auf eine Unterbringung in Schulen ohnehin verzichtet.

In Oberösterreich waren 697 Asylwerber in Schulen untergebracht, 157 in Internaten oder Studentenheimen. Sie werden nun in andere Quartiere umgesiedelt. Bis 4. September (Schulbeginn: 14. September) sollen nach Auskunft des Sozialressorts alle Schulen, Internate und Heime geräumt worden sein.

In Vorarlberg wird derzeit eine Schulturnhalle zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt - die Sporthalle der Mittelschule Markt in Hard (Bezirk Bregenz). Als Flüchtlingsquartier steht die Halle noch bis Ende September zur Verfügung, anschließend wird sie wieder von der Schule übernommen. Damit muss die Schule in den ersten beiden Unterrichtswochen auf die Turnhalle verzichten.

In Salzburg sind 460 Asylwerber in Schulinternaten betroffen. 160 sind bereits umgezogen, die übrigen erhalten demnächst eine neue Bleibe. Die Logistik und die Abwicklung der Überstellung der verbliebenen rund 300 Flüchtlinge übernahm das Rote Kreuz. Betreiber der neuen Quartiere sind Caritas, das Rote Kreuz und die Diakonie.

Wie kann Österreich besser mit der Flüchtlingskrise umgehen? Diskutieren Sie mit im Themenforum

(APA)

Meistgelesen