Flughafenareal: Containerdorf für 400 Flüchtlinge

Niederösterreich will bis Mitte Oktober weitere 1500 Plätze für Flüchtlinge schaffen. Die größte Anlaufstelle wird ein Containerdorf auf dem Flughafengelände.

Tag der offen T�r im bezugsfertigen Containerdorf im Ortsteil Wartenberg Berlin 24 08 2015 Foto xM
Schließen
Tag der offen T�r im bezugsfertigen Containerdorf im Ortsteil Wartenberg Berlin 24 08 2015 Foto xM
Wohncontainer – (c) imago/Future Image (imago stock&people)

St. Pölten/Schwechat. „Mich wundert, dass Europa so zögerlich handelt“, kritisierte Niederösterreichs Landeschef, Erwin Pröll (VP), am Montag bei einer Pressekonferenz. In der Flüchtlingsfrage sei „eine europäische Lösung unbedingt nötig“. Und: „Daran wird die Qualität der EU gemessen werden.“

Für Niederösterreich kündigte Pröll die Schaffung von 1000 bis 1500 zusätzlichen Flüchtlingsplätzen an. Allein in einem Containerdorf auf dem Areal des Schwechater Flughafens sollen 400 Menschen Platz finden. Mitte August waren 230 Flüchtlinge in eine eigens adaptierte Winterdienst- bzw. Gerätehalle des Flughafens einquartiert worden. Betreut werden die Menschen vom Roten Kreuz. Normalerweise sind in der Halle Fahrzeuge, Flugzeugtreppen und diverse Geräte untergebracht.

Spätestens Anfang November muss die Halle aber wieder ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Das neue – eben mit mehr Kapazität ausgestattete – Containerdorf soll Abhilfe schaffen. Es wird winterfest sein und im Ostteil des weitläufigen Flughafenareals entstehen, freilich außerhalb der Airport-Sicherheitszonen.

„Wir stellen dafür ein Grundstück zur Verfügung“, bestätigte Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Seit der ersten Aufnahme der Flüchtlinge sei „eine Welle der Solidarität“ durch das Unternehmen gegangen, ergänzte der Flughafen-Chef. Die weiteren neuen Unterkünfte in Niederösterreich werden laut Pröll zum Teil auf Landesliegenschaften entstehen. Genannt wurden die Orte Tulln, Mödling, Mistelbach, Mauer, Pottenstein und Korneuburg. Auf diese Art sollen insgesamt 480 Plätze geschaffen werden.

Auch hier sollen in erster Linie Container zum Einsatz kommen. Weiters sollen 400 bis 600 Menschen in verschiedenen Gemeinden von privaten Quartiergebern aufgenommen werden. Dass neue Schlafplätze dringend nötig sind, zeigt auch die Tatsache, dass im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen (siehe Artikel oben)noch immer hunderte Menschen unter freiem Himmel nächtigen müssen. Am Wochenende hatte das Land angesichts des gewaltigen Flüchtlingsstroms aus Ungarn via Österreich nach Deutschland Transitquartiere für 700 Menschen kurzfristig zur Verfügung gestellt: 500 Plätze im Multiversum Schwechat, 200 in der Landesfeuerwehrschule Tulln. Schwechats SPÖ-Bürgermeisterin, Karin Baier, ergänzte bei der Pressekonferenz, „die schnelle Lösung am Wochenende“ sei in Kooperation mit dem Flughafen und mit Einsatzorganisationen realisiert worden. Am Sonntag um 1.30 Uhr seien „total erschöpfte Menschen“ angekommen.

 

Pröll: Mehr Flüchtlinge „als in Wien“

Derzeit sind laut Pröll 10.850 Menschen insgesamt in Niederösterreich untergebracht. „Mehr als in Wien“, wie er anmerkte.

Hinsichtlich internationaler Lösungsansätze schloss sich der Landeshauptmann der derzeit oft gehörten Forderung nach der Errichtung von Schutzzonen rund um die Krisenherde (vor allem Syrien) an. Hier sei nicht nur die EU, sondern auch die UNO gefordert. Geharnischte Kritik übte Pröll an jenen EU-Ländern, die sich „mit fadenscheinigen Argumenten“ aus der Verantwortung stehlen würden. „Nicht nur“ Ungarn sei gemeint, auch etwa Tschechien sei gefordert. Das Land solle „seine eigene jüngere Vergangenheit nicht so schnell vergessen“. (m. s.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2015)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen