Christian Kern: Smarter Bahnmanager an der SPÖ-Spitze

Der bisherige Generaldirektor der Bundesbahnen, Christian Kern, ist Österreichs neuer Bundeskanzler und designierter Chef der SPÖ. Dem smarten ÖBB-Sanierer und langjährigen Hoffnungsträger der Partei wurde schon seit längerem nachgesagt, Interesse an diesen Ämtern zu haben.

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Kern ist in der SPÖ tief verwurzelt und gut vernetzt. Er gilt als Pragmatiker, der für die Verbindung sozialdemokratischer Werte mit wirtschaftspolitischer Vernunft steht. Der stets akkurat gekleidete 50-Jährige ist telegen, eloquent, ehrgeizig und zielstrebig. 

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Der am 4. Jänner 1966 in Wien geborene Kern studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften und war kurz als Wirtschaftsjournalist tätig. 1991 wurde er Assistent des SPÖ-Beamtenstaatssekretärs und späteren SPÖ-Klubobmanns Peter Kostelka. 1994 stieg er zu dessen Sprecher auf.

 

 

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1997 wechselte der gebürtige Wiener dann zum Verbund, wo er zuerst als Assistent des Vorstands tätig war und ab 1999 als Marketingleiter. Ein Jahr darauf wurde er Chef der Stromvertriebstochter Verbund Austrian Power Vertriebs GmbH, 2002 dann Mitglied des Vorstands der Stromhandelssparte Austrian Power Trading (APT). 2007 wurde er zum Vorstandsmitglied des Mutterkonzerns bestellt, wo er das internationale Geschäft über hatte.

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2010 übernahm Kern den Chefposten bei den ÖBB. "Mein Ziel ist es, dass die Österreicherinnen und Österreicher wieder stolz auf ihre Bahn sind", sagte er damals. Galten die Bundesbahnen davor über Jahre als Krisenzone, hat Kern diese Ära beendet. Die Zahlen passen wieder, die Massen-Frühpensionierungen sind eingestellt, der Zentralbahnhof wurde rechtzeitig und innerhalb des Kostenrahmens fertig und auch Konflikte mit der streitbaren Eisenbahner-Gewerkschaft sind zumindest nach außen nicht sichtbar. Gefallen auch beim linken Flügel der SPÖ, dem Kern eher nicht zuzuordnen ist, erlangte er mit der unbürokratischen Abwicklung des Flüchtlingsstroms im vergangenen Jahr. 

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Dass Kern Höheres vorhatte, war schon länger absehbar. Gerne nahm der fleißige Manager Einladungen zu allerlei Diskussionen an, in denen er weit über die Bahn-Gleise hinausblickte.

 

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Der vierfache Vater ist zum zweiten Mal verheiratet, zu seinen Hobbys zählen Laufen und Musik. Seine fußballerische Leidenschaft ist die Wiener Austria, in deren Kuratorium er auch sitzt - nicht die schlechteste Präferenz für ein wohliges Leben an der SPÖ-Spitze, sind doch die roten Königsmacher Michael Häupl und Wolfgang Katzian echte violette Schwergewichte.

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