Strache: "Deserteure brachten Kameraden um"

In einem Interview erklärte der FPÖ-Chef, man solle Wehrmachtsdeserteure nicht glorifizieren. Gleichzeitig stellte er die Fristenlösung in Frage. Heftige Kritik erntet Strache für beide Aussagen von den Grünen.

FPÖ-Chef Strache im Nationalrat.
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FPÖ-Chef Strache im Nationalrat.
(c) Reuters (Herwig Prammer)

FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache hält nicht von der Debatte um die Rehabilitierung von Wehrmachts-Deserteuren: "Man sollte nicht im Nachhinein den Fehler begehen, diese Menschen zu glorifizieren. Es sind oftmals auch Mörder gewesen", sagte er im Interview mit der APA. Gleichzeitig stellte der Politiker die Fristenlösung in der neu angeheizten Abtreibungsdebatte in Frage.

Strache lehnt Rehabilitierung ab

"Deserteure waren Menschen, die eigene Kameraden und Soldaten vielleicht teilweise auch erschossen und umgebracht haben und deshalb ist das eine sehr negativ und kritisch zu bewertende Situation", begründet Strache seine Ablehnung einer lückenlosen Rehabilitierung von Deserteuren, die anlässlich des 70. Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wieder diskutiert wird. Mit seinen neuen Aussagen erntet Strache heftige Kritik vom Grünen Justizsprecher Albert Steinhauser: Der FPÖ-Chef stelle sich mit seiner Argumentation "in die Tradition von Altnazis". In nur fünf von 1300 untersuchten Desertionsfällen sei Gewaltanwendung im Spiel gewesen.

Deserteure empört

Empört reagiert der Wehrmachts-Deserteur und Sprecher des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz", Richard Wadani, auf die jüngsten Provokationen von FP-Chef Heinz-Christian Strache. "Die Diffamierungsversuche von FPÖ-Parteichef Strache, Deserteure zu Mördern und Kameradenschweinen zu machen, sind eine Frechheit und eine unerhörte Anmaßung jenen Menschen gegenüber, die ihre Entscheidung, in Hitlers Vernichtungsfeldzug nicht mehr mitzumarschieren, mit dem Leben bezahlt haben", kritisierte Wadani am Sonntag.

"Ich bin desertiert, zu den Alliierten übergelaufen und habe in den Reihen der britischen Armee für die Befreiung Österreichs gekämpft", betonte Wadani in einer Aussendung. Er fordert die anderen Parlamentsparteien auf, eindeutig Stellung zu beziehen. Wünschen würde sich Wadani etwa einen gemeinsamen Auftritt der Klubobleute von SPÖ, ÖVP und Grünen bei der in Wien laufenden Ausstellung "Was damals Recht war..." über die Militärjustiz der Nazis.

Verfplichtende Beratungen für Frauen

In der ebenfalls losgetretenen Abtreibungsdebatte stellt Strache weiter die Fristenlösung infrage. Die derzeitige Situation - der Schwangerschaftsabbruch ist in Österreich seit 32 Jahren straffrei, wenn er nach ärztlicher Beratung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt - sei "nicht unbedingt rechtskonform". Stattdessen fordert Strache, wie in Deutschland, verpflichtende Beratung für Frauen. Der Staat solle der Frau "jede Unterstützung angedeihen lassen, sich für das Kind zu entscheiden, auch wenn sie vielleicht selbst nicht dafür Sorge tragen kann." Auch hier gab es erwarteterweise ablehnende Reaktionen. Die Grüne Frauensprechering Judith Schwentner fordert mehr Aufklärung für junge Menschen, "anstatt über Verpflichtungen und Bevormundungen zu schwadronieren". Das wichtigste Ziel der Politik sollte eine familiengerechte Gesellschaft sein.

(Ag./Red.)

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